Weinglas: Das richtige Glas zum Wein

Beitrag von Jochen // 19. Oktober 2015 // 18:30

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Weinglas: Das richtige Glas zum Wein

Für jeden Wein gibt es das richtige Glas. Rotweingläser sind meist draller und bauchiger, Weißweingläser dafür schlanker. Generell gilt, dass das optimale Weinglas durch seine Schlichtheit auffällt: Nicht das Glas spielt ja die Hauptrolle, sondern der Wein. Das Weinglas ist daher möglichst dünn, ungefärbt und nicht geschliffen.

Darüber hinaus finden wir, dass ein Weinglas immer mindestens so groß sein sollte, das oben noch die Nase beim Trinken reinpasst (hängt natürlich vom Zinken ab) – so lassen sich beim Verkosten alle Aromen wahrnehmen. Der Sinnesgenuss, den so ein Wein mit sich bringt, ist so einfach größer.

Nun gibt es im Weinhandel inzwischen zahlloser Weinglas-Typen und -Formen. Zuweilen hat man den Eindruck, für jeden Wein gibt es ein anderes Glas. Einiges davon ist nur Marketing, anderes hat aber wirklich Sinn, da ein und derselbe Wein in unterschiedlichen Glasformen völlig anders schmecken kann.

Keine Bange, Sie müssen deswegen nicht gleich Unsummen für eine Weinglas-Kollektion ausgeben. Letztlich hängt das ja auch von Ihren Weinvorlieben und Trinkgewohnheiten ab. Es gibt aber ein paar Weingläser, die jeder im Haus haben sollte:

  • Einen großen Weinkelch für vollmundige Rotweine.
  • Ein schlankes Weinglas für Weißweine.
  • Ein kleines Weinglas für Dessertweine.

Aber lassen Sie uns noch ein bisschen mehr ins Detail gehen.

Eine kleine Stielglaskunde…

Weinglasaufbau-Stielglaskunde

So ziemlich allen Weingläsern (auch Stielgläsern genannt) gemein ist ihr typisch dreiteiliger Aufbau. So besteht ein Weinglas immer aus…

  • Kelch
  • Stiel
  • Fuß

Der Kelch ist für den Wein, der Fuß für den sicheren Stand – aber wozu dient der teils sehr lange Stiel? „Ist das nur ein modischer Schnickschnack?“, mag sich mancher fragen. Nein, ist es nicht. Tatsächlich dient der Stiel vor allem dazu, dass sich die Weintemperatur durch die Berührung mit den Fingern oder der Hand nicht verändert. Daher werden Weingläser auch immer am Stiel angefasst. Es sei denn, Sie genießen einen Cognac aus dem Schwenker – der soll ja gerade durch die Handwärme seine Aromen freigeben.

Weingläser ohne Stiel heißen im Fachjargon übrigens Tumbler, sind aber eher zum Picknick oder Camping gedacht.

Die eigentliche Crux am Weinglas ist jedoch der Kelch. Hierbei unterscheiden sich die Weingläser hauptsächlich, soll der Kelch doch optimal auf den Wein abgestimmt sein, damit sich dessen Aromen und Bouquet richtig darin entfalten. Am besten sind Gläser, die sich nach oben etwas verjüngen, damit die Nase mehr zum Schnuppern hat.

Mit Weingläsern lässt sich allerdings auch ein bisschen tricksen, zum Beispiel um den Wein gefälliger und runder zu machen. Hat der beispielsweise zu viel Säure, sollten Sie ein größeres und bauchigeres Weinglas verwenden. Der Trick: Dadurch trifft der Wein beim Trinken auf mehr und breitere Zungenzonen, und die Säure ist nicht mehr ganz so markant…

Weinglas halten: Ihr Glas entscheidet, wie viel Sie trinken

Aus welchen Gläsern trinken Sie am liebsten Wein? Vorsicht: Wissenschaftler der Cornell Universität um Doug Walker konnten nachweisen, dass die Form der Weingläser Einfluss darauf hat, wie viel Sie trinken. Ergebnis:

  • Im Vergleich zu dem Standardglas schenkten sich die Teilnehmer bei einem bauchigen Glas satte 11,9 Prozent mehr ein.
  • Hielten die Probanden das Glas zum Einschenken in der Hand, schenkten sie sich im Schnitt 12,2 Prozent mehr ein, als wenn das Glas zum Einschenken nur auf dem Tisch stehen blieb.

Falls Sie also Ihren Weinkonsum etwas einschränken wollen, benutzen Sie bitte nur noch kleine Standardgläser – und stellen Sie das Glas zum Einschenken auf den Tisch.

Weinglas-Kunde: Die gängigsten Glastypen im Überblick

Typische Rotweingläser und die passenden Weinsorten

Rotweingläser

Auffällig ist sofort die bauchige Form und Größe der Rotweinglas-Kelche. Letztere sind deutlich größer als bei Weißweingläsern (siehe unten). Und das hat seinen Grund…

  • Rotweinglas

    Das klassische Standard-Rotweinglas ist immer bauchig. Der Grund hierfür: Rotwein benötigt eine größere Oberfläche als Weißwein oder Rosé, um ausreichend belüftet zu werden. In einem solchen Rotweinglas kann der Wein besser atmen und seine Aromen kommen beim Riechen und Schmecken stärker zu Geltung.

  • Bordeauxglas

    Der tanninreiche Wein aus dem Bordeaux muss noch mehr atmen können. Erst dann kann er seine würzig-kräftigen Aromen freisetzen. Das Bordeauxglas ist deshalb besonders bauchig, bietet dem Wein eine große Fläche zur Belüftung und die stark riechenden Tannine können ausströmen. Außerdem ist der Kelch hoch genug, damit der Wein darin gut geschwenkt werden kann. Generell sollten aber nicht mehr als 150 ml Wein eingeschenkt werden, damit die Aromen aus Frucht und Terroir frei entfalten können. Aus einem Bordeauxglas lässt sich übrigens auch wunderbar ein Chianti oder ein Syrah genießen.

  • Burgunderglas

    Auch der Burgunder braucht Luft sowie ein großes rundes Glas, um sich perfekt entfalten zu können. Weil der Wein besonders ausgeprägte Fruchtnoten besitzt, muss die Oberfläche hier möglichst groß sein. So kommen sie besser zur Geltung. Das Burgunderglas ist daher von alles das bauchigste und voluminöseste. Oft ist das Burgunderglas am oberen Rand leicht nach außen gebogen. Das hat einen besonderen Hintergrund: Auf der Zungenspitze nehmen wir die Süße eines Getränkes wahr. Durch diese Form wird der Wein zunächst auf die Zungenspitze geleitet. Die Süße im Burgunder wird als erstes wahrgenommen. Aus einem derart geformten Burgunderglas lässt sich aber ebenso hervorragend eine Pinotage oder Pinot Noir genießen. Auch hier empfiehlt es sich aber, nur maximal 150 ml Wein einzuschenken.

Typische Weißweingläser und die passenden Weinsorten

Weißweingläser

Auch für Weißwein gibt es spezielle Weinglas-Typen. Manche sehen Rotweingläsern nicht unähnlich. Insgesamt aber sind sie schmaler und besitzen in der Regel auch einen kürzeren Stiel.

  • Weißweinglas

    Ein Weißwein muss nicht belüftet werden. Für ihn ist es wichtiger, dass er kühl gelagert und getrunken wird. Der Kelch eines Weißweinglases ist deshalb kleiner, schlanker und mehr in die Länge gezogen, damit sich die Aromen nicht so schnell verflüchtigen. Der Stiel – obwohl in vielen Glaskollektionen kürzer – hat hierbei die größere Bedeutung: Die Handwärme sollte sich auf keinen Fall auf die Trinktemperatur auswirken – also bitte nur am Stiel anfassen. Auch sollten Sie sich von einem Weißwein stets weniger ins Glas einschenken, damit sich der Wein nicht so schnell erwärmt.

  • Rießlingglas

    Die Traube gilt als eine der edelsten. Und Deutschland ist einer der Haupterzeuger hochwertiger Riesling-Weine. Entsprechend hat der Weintyp ein eigenes Glas: Das Rießlingglas hat einen leicht ausgestellten Rand, damit die feine Säure die Zunge umspielt. Durch den wiederum kleineren Kelch werden die Aromen in der Nase besser wahrgenommen.

  • Champagner- oder Sektglas

    Früher waren Sektschalen beliebt. Heute nimmt von ihnen jedoch großen Abstand, denn sie haben gravierende Nachteile:

    • Die moussierenden Bläschen sind nicht gut sichtbar und steigen nicht so hoch.
    • Die Kohlensäure verfliegt zu schnell.
    • Der ausgefallene Geruch des Champagners verflüchtigt sich und wird nicht zielgerichtet zur Nase geführt.
    • Sekt oder Champagner erwärmen sich darin zu schnell.

    Aus diesem Grund sind langgezogene Gläser mit schmaler Öffnung die bessere Wahl für Schaumweine aller Art. In ihnen reihen sich die Bläschen wie kleine Perlenschnüre auf – ein kleines Schauspiel für den Genießer. Manche Glashersteller arbeiten sogar absichtlich Unebenheiten, sogenannte Moussierpunkte, in den Kelchboden ein. An diesen rauen Stellen entstehen später die Kohlensäureperlenketten.

    Sekt oder Champagner kann in zwei unterschiedlichen Glasformen genossen werden:

    • Flöte. Sie hat einen langen Kelch, der sich am Rand leicht nach außen stülpt, und einen langen Stiel, damit die Finger nicht mit dem Kelch in Berührung kommen und so den Schaumwein erwärmen. Die Flöte ist das perfekte Glas für Sekt.
    • Tulpe. Sie hat in der Regel den kürzeren Stiel. Der Kelch ist hoch, läuft nach unten (bei neueren Gläsern auch nach oben) konisch zu. Normalerweise wird dieses Glas mit 150 ml Schaumwein gefüllt. Die Tulpe ist wiederum das perfekte Glas für Champagner, hier kann sich das Aroma optimal entfalten und wird gut zur Nase geleitet.
  • Dessertweinglas

    Ein süßer Dessertwein wird üblicherweise, wie es der Name schon sagt, nach dem Essen zum Dessert gereicht. Er ist vollmundig und sehr süß und wird entsprechend nur in einem kleinen Glas gereicht. In Dessertweingläsern getrunken werden Portwein und Vin Santo, aber auch Muskateller, Samoswein oder Málaga.

Extra-Tipp: Richtig Wein einschenken

Grundsätzlich sollte in ein Weinglas nur so viel Wein eingeschenkt werden, bis es die weiteste Stelle im Kelch erreicht. Hier kann sich das Bouquet optimal entfalten und der Wein geschwenkt werden.

Eine Faustregel besagt auch, dass Wein nur maximal bis zu einem Drittel der Kelchhöhe gefüllt werden. Bei großen bauchigen Rotweingläsern nur ein Viertel. Eine Ausnahme stellen die Sektgläser da, sie dürfen fast voll gefüllt werden.

Wie pflegt und lagert man Weingläser am besten?

Gläser sollten nur in einem geruchsneutralen Schrank gelagert werden. Ideal dafür ist ein Glasschrank oder eine Vitrine. Am besten steht dieser auch nicht in der Küche. Sobald der Schrank von typischen Koch– und Brataromen umweht wird, übertragen sich diese auch auf das Glas und verfälschen so den Sinneseindruck des Weins.

Gespült werden Weingläser am besten mit der Hand. Danach sollten Sie diese noch in ein warmes Wasserbad tauchen, damit sich alle Spülmittelreste lösen und das Glas wirklich geschmacksneutral wird. Zum Schluss wird das Weinglas mit einem sauberen Poliertuch getrocknet, damit es keine Wasserflecken bekommt. Sollten Gläser doch einmal Flecken haben, kann man diese gut mit weißem Essig entfernen. Danach müssen Sie diesen natürlich noch einmal gründlich spülen.

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[Bildnachweis: Igor Normann, nikolae, Netkoff by Shutterstock.com]




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