Weintemperatur: Perfekte Trinktemperatur für Weiß, Rot und Roséwein

Der Aspekt wird gerne übersehen: Die Weintemperatur macht einen Großteil des Geschmacks eines Weines aus. Das Empfinden zu warm oder zu kalt, kann erheblichen Einfluss auf den Genuss nehmen. Zudem variiert die Trinktemperatur für die verschiedenen Weinsorten wie Weißwein, Rotwein und Rosé stark: Weißwein schmeckt gekühlt am besten, Rotwein frisch aus dem Kühlschrank ist dagegen nicht zu empfehlen. Daher sind für den perfekten Trinkgenuss bei den verschiedenen Sorten einige Regeln für die richtige Weintemperatur zu beachten.

Aber der Reihe nach…

Wein-temperieren-Trinktemperatur

Weintemperatur: Warum überhaupt Wein temperieren?

Wein schmeckt richtig gut, wenn er mit der richtigen Trinktemperatur serviert wird. Erst so können sich die zahlreichen Aromen voll entwickeln.

Hat der Wein nicht die perfekte Temperatur, sollten Sie ihn temperieren. Ein Fachbegriff, der aber lediglich bedeutet, dass Sie die Flasche Wein entweder aufwärmen oder abkühlen.

  • Bei zu warmen Wein hilft eine Kühlmanschette, die den Wein auf die ideale Temperatur herunterkühlt. Solche Kühlmanschetten werden im Gefrierfach gelagert und bei Bedarf über die Weinflasche gestülpt. Innerhalb von zehn bis fünfzehn Minuten ist damit beim Weißwein die ideale Trinktemperatur erreicht.
  • Ist dagegen der Rotwein zu warm, reichen allerdings schon zwei bis drei Minuten Kühlung aus. Bei Zimmertemperatur wärmt sich zu kalter Wein recht zügig auf.

Rotwein wird ein bisschen kälter als zimmerwarm getrunken, Weißwein dagegen kühl. Sie können sich das ganz einfach merken:

Je leichter ein Wein ist, umso kühler muss er sein. Schwerer Wein wird dagegen wärmer getrunken.

Kurz: Wenn Sie diese Faustregeln beherzigen, sind Sie auf der sicheren Seite:

Trinktemperatur-Regeln-Grafik

Wie die Temperatur Einfluss auf den Geschmack nimmt

Geschmackszonen-Zunge

Mit unserer Zunge schmecken wir bis zu sechs Geschmacksrichtungen – süß, salzig, sauer, bitter, Umami und fett. Die ersten vier werden maßgeblich durch die Temperatur beeinflusst:

  • Sinkt die Trinktemperatur, steigt beispielsweise die Säureempfindlichkeit der Zunge – der Wein wirkt frischer.
  • Steigt die Temperatur hingegen, nehmen wir Süßstoffe stärker im Geschmack wahr – der Wein wirkt schwerer, körperreicher. Allerdings tritt dann auch der Alkohol im Wein stärker in den Vordergrund.
  • Kühlt die Zunge schneller an den Seiten ab, kommen die Bitternoten (Tannine, Gerbstoffe) im Wein mehr zur Geltung.

Sie verändern mit der richtigen Weintemperatur und Trinktemperatur zugleich den Geschmackseindruck des Weins.

Die ideale Trinktemperatur für Weißwein und Rosé

Frische ist das Markenzeichen von Weißwein. Durch eine niedrige Weintemperatur wird das Geschmacksempfinden reduziert. Ein eher säurehaltiger Weißwein schmeckt so nicht mehr ganz so sauer, sondern wird als erfrischend wahrgenommen.

Die Temperatur bei Weißwein ist allerdings abhängig von Alter und Körper des Weines. Die perfekte Trinktemperatur sollte bei Weißweinen daher – je nach Weinsorte – zwischen 8 und maximal 14 Grad liegen. Auch hier gibt es ein paar Faustregeln, an denen Sie sich orientieren können:

  • Weißwein: 8 bis 10 Grad Celsius Leichte und junge Weißweine trinkt man bei 8 bis 10 Grad Celsius. Dazu gehören Rebsorten wie Riesling, Grüner Veltiner, Sauvignon Blanc oder Pino Grigio. Sekt wird ebenfalls in dieser Temperatur serviert. Um die ideale Weintemperatur zu erreichen, bewahren Sie die Flasche für etwa drei bis fünf Stunden im Kühlschrank auf.
  • Weißwein und Rosé: 12 bis 14 Grad Celsius Kräftige Weißweine wie zum Beispiel der Chardonnay haben mit 12 bis 14 Grad Celsius die ideale Trinktemperatur. Auch die Roséweine sind bei 12 bis 14 Grad Celsius ideal temperiert. Rosé wird zwar auch aus roten Trauben hergestellt, die Verarbeitung der Trauben erfolgt jedoch genau wie beim Weißwein. Um die richtige Trinktemperatur zu erreichen, sollte die Weinflasche etwa zwei bis drei Stunden im Kühlschrank gelagert werden.

Sie können sich aber auch merken:

Trinktemperatur-Regeln-Weisswein

Trinktemperatur-Regeln-Rosewein

Warum wird Chardonnay höher temperiert getrunken?

Stark säurehaltige Weißweine werden durch eine niedrigere Trinktemperatur harmonischer. Riesling zum Beispiel ist ein solcher Wein mit relativ hohem Säuregehalt. Er sollte daher im Vergleich zu Chardonnay, der nur einen mittleren Säuregehalt aufweist, kühler getrunken werden.

Wohlgemerkt: kühl – nicht kalt! Liegt die Trinktemperatur unter 6 Grad Celsius, bekommt der Wein einen extrem sauren Geschmack und ist nicht mehr genießbar.

Die perfekte Trinktemperatur für Rotwein

Damit sich die Aromen im Rotwein entfalten können, sind höhere Temperaturen notwendig. Besonders Rotweine, die viele Gerbstoffe (sogenannte Tannine) enthalten (wie etwa der Cabernet Sauvignon), sind kalt ungenießbar. Sie entwickeln dann einen bitteren Geschmack.

Rotweine dürfen Sie aber auch nicht zu warm servieren, weil dann der Alkohol überwiegt und den Geschmack dominiert. Der Rotwein wirkt bei diesen Temperaturen überladen und verliert seine Eleganz.

Früher galt die alte Faustregel, Rotwein würde bei Zimmertemperatur seine Aromen perfekt entfalten. Das stimmt so allerdings nicht mehr, da moderne Häuser und Wohnungen heute im Durchschnitt einige Grad wärmer sind, als die Wohnungen früherer Zeit.

Die neue Faustregel lautet daher: Rotwein sollte stets ein paar Grad kühler sein als die Zimmertemperatur.

Je nach Umgebungstemperatur empfiehlt es sich auch, weniger einzuschenken und die Flasche kühl zu halten, da sich der Wein sonst zu schnell und zu stark erwärmt.

  • Rotweine bis 14 Grad Celsius Für diese Weintemperatur eignen sich Rotweine wie beispielsweise Merlot oder Spätburgunder. Um die perfekte Trinktemperatur von 14 Grad Celsius zu erreichen, stellen Sie den Rotwein für etwa zwei Stunden in den Kühlschrank. Sie sollten die Flasche eine Stunde vor dem Servieren aus dem Kühlschrank nehmen. Danach sollte die ideale Weintemperatur erreicht sein.
  • Rotweine von 16 bis 18 Grad Celsius Kräftige Rotweine wie Chianti, Bordeaux-Weine oder Cabernet Sauvignon werden etwas wärmer bei 16 bis 18 Grad Celsius getrunken. Eine kurze Zeit im Kühlschrank oder einem kühlem Raum reicht aus, um die ideale Trinktemperatur zu erreichen. Sie erhalten so eine Weintemperatur, die ein paar Grad unter der normalen Zimmertemperatur liegt.

Sie können sich aber auch merken:

Trinktemperatur-Regeln-Rotwein

Warum werden schwere Rotweine höher temperiert getrunken?

Vergleicht man die Rotweine Merlot und Cabernet Sauvignon miteinander, stellt man fest, dass es sich beim Merlot um einen eher leichten Rotwein handelt. Der Cabernet Sauvignon dagegen ist ein recht schwerer Wein, aber auch qualitativ sehr hochwertig.

Leichte Rotweine wie der Merlot entfalten ihre Aromen schon bei einer niedrigen Weintemperatur von 14 Grad Celsius. Der Cabernet Sauvignon ist jedoch ein komplexer Wein, er benötigt daher eine höhere Weintemperatur, um seine vielschichtigen Strukturen, Texturen und Aromaen voll zur Geltung zu bringen.

Wie wird Wein richtig temperiert?

Die perfekte Weintemperatur lässt sich mit verschiedenen Methoden messen: Das klassische Weinthermometer wird in die geöffnete volle oder fast volle Weinflasche gesteckt.

Auch spezielle Manschetten, die Sie um die Flasche legen, messen teilweise die Weintemperatur gleich mit. Diese Messvariante ist zwar unkompliziert, aber auch etwas ungenau. Vorteilhaft ist daran aber, dass Sie die Methode nicht nur bei offenen, sondern auch bei ungeöffneten Flaschen anwenden können.

Falls Sie einmal in Zeitnot sind, keinen Kühlschrank oder einen kühlen Raum haben, um den Wein vor dem Servieren optimal zu temperieren, stehen Ihnen dennoch nützliche Alternativen zur Verfügung:

  • Die Temperatur einer Rotweinflasche lässt sich zum Beispiel schnell von Kellertemperatur auf Trinktemperatur anheben, indem Sie diese in ein mit warmem Wasser gefülltes Gefäß legen. Aber bitte nur kurz.
  • Eine Weinflasche, die zügig gekühlt werden soll, können Sie in einen Sektkübel oder eine andere große Schüssel stellen. Diese sollte halb mit kaltem Wasser und Eis gefüllt sein. Dann geben Sie noch etwas Salz hinzu. Durch das Salz wird das Eis schneller aufgetaut. Effekt: Die Flasche kühlt schneller ab.

Überdies ist es tendenziell besser, Wein zu kühl als zu warm zu servieren. Bereits beim Einschenken erwärmt sich der Wein um ein bis zwei Grad je nach Umgebungstemperatur.

[Bildnachweis: Hans Geel by Shutterstock.com, weinbilly.de]

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