Alkoholfreier Wein: Kann das was oder kann das weg?

Beitrag von Jochen // 18. Mai 2015 // 10:43

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Alkoholfreier Wein: Kann das was oder kann das weg?

Theoretisch gibt es viele Gründe für alkoholfreie Weine:

  • Schwangerschaft
  • Fastenzeit
  • Autofahrt
  • Unverträglichkeit mit Medikamenten

Weingenuss ohne Prozente – das ist zumindest mal eine Alternative. Theoretisch. Aber auch praktisch? Wir haben einen alkoholfreien Roséwein mal verkostet (andere aber auch) und den Test gemacht: Kann das was – oder kann das weg?

Wie wird Wein alkoholfrei?

Der bei der Gärung entstehende Alkohol lässt sich recht einfach durch Destillieren vom Wein wieder trennen: Beim Erhitzen verdampft zuerst der Alkohol (bei 78 Grad). Der Rest ist dann zwar mehr als Traubensaft, aber immer noch eine wässrige Flüssigkeit mit einem Hauch Aromen. Die meisten davon verflüchtigen sich nämlich ebenfalls unter derlei Hitzeeinwirkung.

Daher gibt es inzwischen auch andere Methoden wie sie beispielsweise auch bei alkoholfreiem Bier angewendet werden: Schleuderkegelkolonnen, Dialyse, Membran-Filtermethoden, Vakuumverdampfung. Bei letzterer verflüchtigt sich der Alkohol schon bei 27 Grad. So bleiben die Aromen weitestgehend erhalten.

Alkoholfreier Wein im Test

Alkoholfreier-Wein-TestUnsere Auswahl zum Weintest ist natürlich rein subjektiv und weder vollständig noch repräsentativ. Es kann also sein, dass es unter all den alkoholfreien Alternativen auch noch ein paar Tropfen gibt, die Ihnen ganz anders schmecken und Sie entweder vom Verkostungshocker reißen oder eher zum Spülbecken treiben.

Auch darf alkoholfreier Wein in Deutschland durchaus noch Alkohol enthalten – bis zu 0,5 Prozent sind gesetzlich erlaubt. Allerdings darf das Getränk dann offiziell weder als „Wein“ noch als „Sekt“ bezeichnet werden.

Das ist vielleicht auch besser so. Denn Alkohol spielt beim Geschmacksempfinden eine wichtige Rolle: So wie das Fett im Fleisch ist der Alkohol ein zentraler Katalysator für zahlreiche Aromen im Wein. Er prägt und verstärkt den Duft und Geschmack. Restsüße etwa verstärkt sich ohne Alkohol, Gerbstoffe dagegen werden flacher.

Überdies dürfen dem alkoholfreien Wein – der ja gar kein „Wein“ ist – auch diverse Zusatzstoffe hinzu gegeben werden (die dann aber auch auf der Flaschen angegeben werden müssen): Zucker zum Beispiel, aber auch Kohlensäure und Ascorbinsäure als Antioxidationsmittel, um das Weingetränk haltbarer zu machen. Oder Chinin, um den Wein bitterer zu machen und so Alkohol vorzutäuschen. Genuss ohne Promille ist das vielleicht dann nicht mehr…

Wie also schmeckt der alkoholfreie Wein?

Exemplarisch sei hier einmal – passend zur Jahreszeit – der alkoholfreie Roséwein von Schloss Sommerau erwähnt.

Wie zahlreiche andere Entalkoholisierte moussiert der Rosé ganz ordentlich – die Kohlensäure lässt grüßen. An der Nase gibt es in der Tat ein starkes Erdbeeraroma, wie es für Roséweine typisch ist. Die Farbe im Glas geht stark in Richtung eines Clairets, also Pink bis Tomate.

Der Rest ist jedoch – wie leider so oft – eine Geschmacksbeleidung: wässrig, aromafrei und ein Abgang wie Sprudel. Kurzum: Mit einem Glas Traubensaft-Schorle tut man sich den größeren Gefallen.

Vielleicht – und theoretisch – mag es ja gute Gründe für alkoholfreie Getränke geben. Die Wein-Variante zählt aber eher nicht dazu. Dann lieber alkoholfreies Bier oder gleich Wasser. Das jedenfalls kann eher weg. Finden zumindest wir.

Alkoholfreier Wein senkt Blutdruck

Forscher der Universität Barcelona konnten zeigen, dass alkoholfreier Wein den Blutdruck senken kann. An den Experimenten dazu nahmen 67 Männer mit erhöhtem Risiko für Herzerkrankungen und Diabetes teil. Sie wurden über einen Zeitraum von vier Wochen medizinisch begleitet und untersucht und in drei Gruppen unterteilt:

  1. Die erste Gruppe trank täglich rund 100 Milliliter Gin.
  2. Die zweite Gruppe bekam täglich 272 Milliliter herkömmlichen Rotwein mit Alkohol.
  3. Die dritte Gruppe trank täglich 272 Milliliter Rotwein ohne Alkohol.

Ergebnis: Nach nur einem Monat war der Blutdruck in Gruppe 3 am stärksten gesunken. Vor allem die systolischen Werte hatten sich merklich verbessert. Der Rotwein in Gruppe 2 hatte zwar ebenfalls positive Wirkung, aber nicht so stark ausgeprägt wie bei den Trinkern von alkoholfreiem Wein.




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