Torres Wein: Spitzenweine, die Geschichte schrieben

Als Miguel A. Torres nach vorne kommt, entschuldigt er sich erst einmal für sein schlechtes Deutsch. Seine Frau Waltraud, eine deutsche Künstlerin aus Frankfurt, mit der er seit 1967 glücklich verheiratet ist, weise ihn zwar immer wieder auf seine Sprachfehler hin. Aber so richtig ablegen konnte er sie leider nie. Auch nicht bis ins hohe Alter von stolzen 75 Jahren.

Das alles ist natürlich geschickte Koketterie. Miguel Torres erzählt gekonnt seine Geschichten. Es ist genau diese charmant-schelmische Art, die Miguel Torres, den Urenkel des Weingut-Namensgebers, so sympathisch macht. In seinen Worten spiegeln sich Stolz und Bescheidenheit gleichermaßen. Aus den wachen Augen blitzt hier und da der Ehrgeiz.

Aus gutem Grund: Die Familie Torres produziert heute in zahlreichen Ländern, darunter Spanien, USA und Chile, Rot- und Weißweine, Sekt und Aperitifs. Verkauft wird der Wein in über 150 Länder rund um den Globus. Damit hat es Miguel A. Torres immerhin zum größten Weinexporteur Spaniens gebracht.

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Torres Weine: Da stimmt die Chemie

Der Hauptsitz des Weingutes liegt im katalonischen Barcelona. Schon 1870 wurde das Familienunternehmen in Vilafranca de Penedès gegründet. Seit vielen Generationen gibt die Familie ihr Wissen über Weinerzeugung weiter, und so ist auch Miguel Torres heute ein Spezialist im Weinanbau und -ausbau. Die iberische Winzerdynastie erwirtschaftet heute rund 250 Millionen Euro. Jedes Jahr.

Das war nicht immer so. Eigentlich wollte Miguel Torres Chemie in Barcelona studieren. Doch seine Eltern hatten andere Pläne für ihn. Er wechselte nach zwei Jahren zur Önologie und studierte in Dijon im französischen Burgund.

Die Chemie hat er aber nie ganz aus dem Blick verloren. Heute, so erzählt er, möchte er seine Weine in einem ökologisch vertretbaren Rahmen produzieren und den Kohlenstoffdioxidausstoß drastisch verringern. Ein Minus von zehn Prozent pro Flasche hat er seit 2008 schon erreicht. Sein großes Ziel aber ist bis zum Jahr 2020 dieses Ergebnis noch zu verdreifachen. Außerdem verwendet er keine Insektizide auf seinen Weingütern. Schädlinge sollen mechanisch eliminiert werden.

Wer sich genauer dafür interessiert, wie sich die Familie Torres für den Klimaschutz einsetzt, kann sich auf dieser Seite informieren.

Die meisten dürften Torres Weine aus dem Weinregal im Supermarkt kennen. Das Logo mit den eindrucksvollen Großbuchstaben und dem darunter liegenden Wappen ist ja auch sehr einprägsam. Zu den bekanntesten Torres Weinen gehören hierzulande zum Beispiel der "Sangre de Toro" und der "Viña Sol", die zwischen fünf und sieben Euro im Supermarkt kosten. Aber Torres kann eben auch anders.

Weinprobe zwischen Himmel un Äd: Spitzenweine, die begeistern

Es ist ein nasskalter Herbstabend. Die Wolken hängen tief um den alten Kölner Wasserturm in der Kaygasse. Miguel Torres hat einige Weinfreunde und -kenner in das Sterne-Restaurant "Himmel un Äd" geladen, ganz oben in der 11. Etage.

Und diesmal ist es anderes herum: Statt einer Weinbegleitung hat Küchenchef Eric Werner (1. Foto links) ein paar exquisite Speisen kreiert, die die zahlreichen Weine von Miguel Torres wunderbar begleiten und ergänzen werden. Darunter so ausgefallene Dinge wie eine glasierte Taubenbrust an piemonteser Haselnusscreme-Pfeffer-Sauce oder ein Schokoladen-Moosbeerenschnitte an Hagebutten-Sanddorn-Eis.

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Dazu kommt schließlich der Torres Wein. Aber nicht irgendwelche Flaschen. Im Sortiment sind diesmal Spitzenweine wie etwa der Vorzeige-Rotwein "Mas La Plana" aus 100 Prozent Cabernet Sauvignon, der schon viele internationale Auszeichnungen einheimsen konnte und nur in Kleinstauflagen in den Handel kommt.

In Köln konnten wir noch einige weitere Rot- und Weißweine verkosten und stellen drei davon hier vor, die uns besonders begeistert haben – und die zum Beispiel auch ein exquisites Geschenk sein können…

Torres Milmanda 2014: Ein Chardonnay mit Geschichte

Milmanda-Torres-2014

Wenn Sie wissen wollen, wie Staatsempfänge schmecken, dann sollten Sie diesen Wein probieren. Die Geschichte ist einfach zu schön: Es war der 21. März 2016 – ein historischer Tag und ein historischen Treffen zwischen dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama und dem kubanischen Präsidenten Raúl Castro. Eine erste, zarte Wiederannäherung zwischen den USA und Kuba. Zu dem Anlass gab es natürlich auch ein großes Staatsdinner – begleitet von einem würdigen Weißwein: dem Milmanda 2012 von Torres.

Dabei handelt es sich um einen 100-prozentigen Chardonnay.

Benannt ist der Wein nach der mittelalterlichen Burg, an dessen Fuß die Trauben wachsen, aus denen der Wein gekeltert wird. Sie liegt im katalonischen Weinanbaugebiet Conca de Barberà im Nordwesten Spaniens. Die Erde ist hier sand-, kalk- und tonhaltig und kann daher besonders gut Wasser speichern.

Das Wetter im Jahr 2014 war allerdings nicht das beste: Es war niederschlagsreich, in der Wachstumsphase der Reben zum Glück nicht ganz so feucht, während dafür die Temperaturen im Jahr stark schwankten. Der Juli und August waren zum Beispiel kühler als in den Jahren davor. Nicht gerade optimale Voraussetzungen, trotzdem entstand ein großartiger Weißwein.

Dafür wurde der Most zunächst im Fass, anschließend zu 55 Prozent malolaktisch vergoren und schließlich zwölf Monate in Eichenfässern ausgebaut. Das Ergebnis ist ein wunderbar weicher Chardonnay mit zahlreichen exotischen Fruchtaromen und einer dezenten, aber dennoch belebenden Säure.

  • Im Glas erscheint der Milmanda 2014 in einem satten goldgelb mit grünen Reflexen.
  • Die Nase umweht von Anfang an ein starker Duftteppich aus exotischen Früchten, darunter Passionsfrucht, Ananas und Melone. Im Hintergrund lässt sich sogar eine leicht toastige Nuance durch den Barriqueausbau wahrnehmen. Aufregend!
  • Der Gaumen wiederum genießt den cremigen Schmelz, die intensive Frucht und wird zugleich von einer angenehmen Säure erfrischt. Die 14 Volumenprozent Alkohol sind auch recht gefällig.

Wir finden: Der Milmanda 2014 eignet sich hervorragend als Aperitif, passt aber auch exzellent zu Fisch und hellem Fleisch wie Kalbfleisch. Günstig ist der Wein allerdings nicht…

Bezugsquelle:

  • Wein: Milmanda 2014
  • Händler: Vinos
  • Flaschenpreis: 36,90 Euro
  • Bewertung: 5 Billys

Empfehlung der Weinbilly-Redaktion: 5 BILLYs

Torres Salmos 2014:

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Ein Wein, der seine mediterrane Herkunft nicht verstecken will und kann. Einmal eingeatmet und geschmeckt, fühlt man sich direkt an das Mittelmeer entführt, riecht den Thymian und Lavendel und denkt an die wärmende Sonne Spaniens.

Genau da kommt er auch her, der Salmos – aus dem katalonischen Weinanbaugebiet Priorat im Nordosten Spaniens.

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Der Rotwein ist eine Hommage an den Kartäuserorden. Schon 1095 siedelten sich im Priorat die Mönche an und betrieben Weinbau.

Leider wurde im Jahr 1835 alles zerstört, der Besitz verstaatlicht bis im Jahr 1996 die Familie Torres dort wieder Weingärten anlegte.

Heute produziert Torres hier einen Wein, der Geschichten erzählt wie in den Psalmen (auf Spanisch "Salmos" – daher auch der Name).

Die Trauben gedeihen auf einem kargen, steinigen Boden, der durch den in Spanien bekannten Licorella-Schiefer entstanden ist. Der vulkanische Ursprung verleiht dem Wein einen stark mineralischen Charakter.

Das Jahr 2014 zeichnete sich in dieser Region durch milde Temperaturen aus, auch der Niederschlag blieb unter dem Durchschnitt. Immerhin führte das gute Wetter während der Wachstumsperiode noch zu einer guten Ernte.

Die Trauben selbst wurden zunächst in Edelstahltanks fermentiert. Darauf folgte eine molaktische Gärung und eine 14 Monate andauernde Reifung in Eichenfässern.

Interessanterweise nutzt Torres zur Maischung viele kleine Bottiche mit großen Öffnungen. Das ermöglicht ein Arbeiten in kleinen Portionen, um das Verhältnis zwischen Schalen und Most zu optimieren.

Samos selbst ist ein Cuvée-Wein aus den drei Traubensorten

  • Carinena
  • Garnacha
  • Syrah

Carinena hat weniger Aromen, dafür viele Tannine und eine gut ausgeprägte Fruchtsäure.

Die Garnacha-Trauben wiederum verleihen dem Wein ein Bouquet aus reifen Früchten und süßer Würze und schenken ihm Saftigkeit, während die Syrah-Trauben die Aromen von Johannisbeere, Brombeere, Pflaume, Veilchen und Gewürznelken beitragen.

Das Ergebnis ist wieder beeindruckend:

  • Im Glas erscheint der Salmos 2014 in einem tiefdunklen Rot mit purpurnen Reflexen.
  • Die Nase erfreut sich derweil an einem Konfit aus roten Beeren und Schwarzkirsche und wird angeregt durch die Würze von mediterranen Kräutern wie Thymian. Im Hintergrund schwingt sogar etwas dunkle Schokolade mit.
  • Salmos legt sich samtig über den Gaumen und füllt ihn elegant aus. Die Tannine sind perfekt eingebunden. Die 14,5 Volumenprozent Alkohol runden den Geschmack ab.
  • Das Finale ist traumhaft lang, der Nachhall elegant.

Salmos passt hervorragend zu Lamm mit Rosmarin und Wildgerichten wie Wildschweingulasch, Rehkeule, Hirschragout oder einen feinen Käseplatte mit reifen Käsesorten.

Bezugsquelle:

  • Wein: Salmos 2014
  • Händler: Vinomi
  • Flaschenpreis: 19,99 Euro
  • Bewertung: 5 Billys

Empfehlung der Weinbilly-Redaktion: 5 BILLYs

Torres Nectaria 2010

Nectaria-Torres-2010

Und dann noch das: ein Riesling aus Chile! Das klingt erst einmal ungewöhnlich, aber auch spannend. Wie also kommt der deutsche Riesling nach Chile?

Die Atacama-Wüste im Norden, die Anden im Osten, die Arktis im Süden und der Pazifik im Westen – Chile bietet seit jeher gute Weinbaubedingungen. Selbst die bis zu bis 20 Grad Celsius Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, können den Rebstöcken nicht schaden.

Davon war auch Miguel A. Torres überzeugt, kaufte hier schon im Jahr 1979 ein Weingut – und brachte den deutschen Riesling über den Atlantik. Heute vertreibt Familie Torres ein breites Sortiment an Weinen aus Chile.

Und einer davon ist der Nectaria. Ein wirklich edler Tropfen Wein, der hierzulande leider nur schwer zu beziehen ist (wir haben bislang keinen Weinhändler finden können). Wer also eine Flasche davon in seinen Händen hält, der darf sich über den besonderen Fang glücklich schätzen.

Die Lese des Nectaria dauert rund zwei Wochen. Damit wird sichergestellt, dass die meisten Trauben botrysiert, also von der Edelfäulnis befallen sind. Fermentiert wird der Nectaria anschließend in Barrique-Fässern. Danach reift er noch 14 Monate.

Nectaria 2010 ist mit nur 15 Volumenprozent Alkohol eine leichte Alternative zur deutschen Beerenauslese, steht vergleichbaren deutschen Weinen aber in nichts nach.

  • Die Aromen des Weißweins reichen von kandierten Früchten, Steinobst und Honig über florale Noten bis zu saftiger Orange, Mandarine und Pfirsich.
  • Am Gaumen bleibt der Wein samtig weich mit einer leichten, erfrischenden Süße.
  • Der lange Abgang erinnert ein wenig an Limettensaft-Säure.

Keine Frage, Süßweine beziegungsweise Dessertweine muss man mögen. Der hier aber ist herausragend, sogar etwas erfrischend und passt perfekt zu Nachspeisen wie unserer Schokoladen-Moosbeerenschnitte, aber auch zu diversen Hartkäsesorten.

Bezugsquelle:

  • Wein: Nectaria 2010
  • Händler: In Deutschland aktuell nicht erhältlich
  • Flaschenpreis:
  • Bewertung: 5 Billys

Empfehlung der Weinbilly-Redaktion: 5 BILLYs

Man mag über spanische Weine Vieles denken – Miguel Torres ist aber eben nicht einer der typischen iberischen Billigheimer, sondern zugleich auch der Pionier des spanischen Edelweinbaus.

Noch einmal kommt er nach vorne auf die Bühne und verabschiedet seine Kölner Gäste und erzählt noch eine launige Geschichte. Es ist spät geworden. Aber müde will er auf keinen Fall wirken.

[Bildnachweis: S_Photo by Shutterstock.com]

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