Scheurebe: Als fruchtiger Prädikats-Weißwein oft unterschätzt

Der Name klingt nicht gerade vielversprechend: Scheurebe. So mancher, der zum ersten Mal eine Scheurebe-Weinflasche in der Hand hält, mag aus dem Namen falsche Schlüsse ziehen. Fehler! Die Bezeichnung der Traube wurde der Rebe zu Ehren ihres Züchters, des deutschen Winzers Justus Georg Scheu, verliehen.

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Herkunft und Geschichte der Scheurebe

Den Namen Scheurebe erhielt die Traubensorte allerdings erst 1956. Davor trug sie seit 1936 den leider wenig rühmlichen Namen des NSDAP-Aktivisten und Agraringenieurs "Dr.-Wagner-Rebe". In der österreichischen Steiermark kennt man sie bis heute auch als Sämling 88. Auf diesen – zugegebenermaßen auch nicht gerade originellen – Namen taufte sie ihr Schöpfer selbst. Und zwar bei ihrer Entstehung 1916. Tatsächlich handelte es sich bei dieser Sorte um den 88. Sämling der Kreuzungsserie.

Im deutschen Weininstitut ist sie seit 1956 unter der VIVC-Nr. 10818 gemeldet.

Fast ausschließlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz ansässig ist die Scheurebe vor allem in der DACH-Region bekannt. Gerne wird ihr Name schlicht und charmant als "Scheu" abgekürzt.

Besonders stark stieg ihre Beliebtheit in den Fünfzigerjahren: Damals gelang es, aus ihr nicht nur Weißwein, sondern auch eine Beerenauslese aus der Scheurebe zu keltern. Heute sind ihre Bestände jedoch so stark rückläufig, dass die Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey vom Deutschen Bundessortenamt als Erhaltungszüchter eingetragen wurde.

Noch lange nach ihrer Entstehung galt sie laut ihrem Schöpfer als Kreuzung von Riesling und Silvaner. Seit 2012 ist allerdings bekannt und durch DNA-Untersuchungen belegt, dass sie de facto aus Riesling und der Bukettrebe – einer Kreuzung zwischen Silvaner und Trollinger – gezüchtet wurde.

Die Scheurebe und ihre Merkmale

Die umgangssprachlich "Scheu" genannte Weißweinrebe weist starke Triebe mit hellen, mittel behaarten Spitzen auf. Obwohl die Triebe selbst relativ stark wachsen, sind die Erträge der Rebe nur mittelhoch.

Die Blätter der Rebe erreichen eine mittlere Größe und eine mittelgrüne Farbe und behalten eine fünflappige Form. Die gelbgrünen Trauben sind mittelgroß, liegen dicht beieinander und haben ein sehr helles Beerenfleisch. Der leicht sämige Geschmack der Beeren ist erinnert entfernt an Muskat.

Auch wenn die Rebe sowohl Trockenheit, als auch kalkhaltigen Grund gut verträgt, so leiden ihre Bestände unter diversen Rebkrankheiten. Obwohl es sich bei der Scheurebe um eine waschechte Cool-Climate-Rebe handelt, sind ihre widersprüchlichen Ansprüche ihres Holzes und ihrer Blätter das komplizierteste Dilemma: Während die Blätter recht schmerzfrei auf Kälte reagieren, ist das Holz ausgesprochen kälteempfindlich.

Scheurebe Anbau

Innerhalb der letzten Jahrzehnte blieb allein in Deutschland – dem Hauptort ihres Anbaus – mit insgesamt nur etwa 1.450 Hektar lediglich ein Viertel ihrer ursprünglichen Anbaufläche übrig. Das basiert nicht etwa auf rechtlichen Gründen. Im Gegenteil: Die Sortenschutzfrist ist bereits abgelaufen und der Anbau der Scheu inzwischen ein Anliegen, das im Weinbau aktiv gefördert wird.

Hinter ihrem stetigen Verschwinden steckt ein wesentlich schlichterer Grund: Ihre hohen Standortansprüche. Diese stellt sie sowohl an das sie umgebende Klima, als auch an den Boden. Auch im Bezug auf ihre Lage ist die Scheu nur allzu wählerisch.

Das ist einer der Gründe für ihren Rücklauf: Im Kampf um die besten Anbauflächen konkurriert sie vor allem mit dem Riesling. Da dieser allerdings weiter verbreitet ist und den meisten Winzern deutlich mehr Profit einbringt, fällt die Entscheidung bei der Flächenverteilung imer seltener für die Scheurebe und gegen den Riesling aus.

Doch die wenigen Weine, die letzten Endes aus ihr entstehen, sind mit großer Zuwendung verbunden und daher meist besonders edel – sogenannte Prädikatsweine. Mit weltweit insgesamt weniger als 1.500 Hektar ist die Scheurebe allerdings leider äußerst dürftig vertreten. Jedoch wird in den letzten Jahren vor allem in England vermehrt auf eigens dafür angelegten Weinstöcken mit solchen Cool-Climate-Reben wie der Scheu experimentiert, um sie zu erhalten und zu fördern.

Scheurebe Geschmack

Einen Scheurebe-Wein sollte man nicht allzu lange lagern. Vor allem trockene Scheu-Weine schmecken nur jung besonders fruchtig. Am besten mundet ein wirklich edler Tropfen Scheurebe in einem Alter von nicht über 10 Jahren. Die schlichteren Scheu-Weine sollten Sie mit einem Alter von höchstens bis zu zwei Jahren genießen.

Meist wird die Scheurebe ausgebaut als:

  • Auslese
  • Beerenauslese
  • Eiswein
  • Trockenbeerenauslese

Wird die Scheurebe indes lieblich, fruchtsüß oder edelsüß ausgebaut, gewinnt sie durch Lagerung eher noch an Mundigkeit. Zu empfehlen sind bei süßen Scheu-Weinen vor allem Weine der Weingüter Müller-Catoir, Pfeffingen und Weegmüller.

Vor allem liebliche Scheu-Weine genießen ein ziemlich hohes Ansehen, obwohl sie meist zu Preisen von nicht über 10 Euro pro Flasche erhältlich sind.

Typisch für diese Weißweine sind Fruchtaromen von:

  • Birne
  • Cassis
  • Grapefruit
  • Pfirsich
  • Mandarine
  • Mango

Insbesondere wenn die Trauben vollständig ausgereift sind, verleihen sie dem Bouquet des Scheurebe-Weißweins dezente Noten von Cassis und Grapefruit und einen Hauch feiner Bitterkeit. Das führt unter anderem zu Assoziationen mit dem Aroma von Pink Grapefruit.

Besonders in dieser Form wird der Scheu gerne ein Ähnlichkeit mit dem Sauvignon Blanc nachgesagt.

Unreife Trauben hingegen verleihen dem Wein einen eher unangenehmen, aufdringlichen Charakter. So führt der ungenügend ausgebildete Sämlingsgeschmack im schlimmsten Falle zu wenig schmeichelhaften Aromen von Schweiß oder gar Katzenpisse. Immerhin: Ein derart misslungener Wein gerät in der Regel nicht mal in die Nähe des Weinhandels.

Die gekelterten Weißweine sind in der Regel allesamt Prädikatsweine von gelber bis goldgelder Farbe. Je nach Ausbau tragen sie außerdem eine subtile Säurenote.

Zu diesen Speisen passt Scheurebe

Besonders delikat schmecken Scheurebe-Weine zur exotischen oder zur asiatischen Küche. Diese wird besonders gut von der feinen und lebhaften Säure ergänzt. Für die noble Runde wird meist leichte und fruchtige Kabinett-Scheu bevorzugt.

Zur trockenen und halbtrockenen Scheurebe passen am besten zur exotischen, asiatischen oder deftigen und würzigen Küche:

  • Chili
  • Geflügel
  • Grillfleisch
  • Gulasch
  • Ingwer
  • Eintopf
  • Fisch
  • Früchte
  • Kokos
  • Ragout
  • Steak
  • würziger Käse

Zu Prädikatsweinen wie etwa der edelsüßen Scheurebe, Spätlese oder Beerenlese passen am besten süße und fruchtige Speisen:

  • fruchtige Desserts
  • Geflügel
  • leichte Salate
  • Meeresfrüchte
  • milde Käsesorten
  • Schokolade

Die geschmackliche Vielfalt der Scheu ermöglicht es ihr, Variationen zu so gut wie jeder erdenklichen Speise zu bieten. Umso wichtiger ist es, die Scheurebe zu erhalten. Und wer weiß – vielleicht wird Scheurebe-Wein ja doch noch beliebter werden.

[Bildnachweis: Africa Studio by Shutterstock.com]

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