Riesling Weißwein: Ein echter Rheinländer und Multitalent

Ob trocken oder lieblich – der Riesling ist ein deutscher Weißwein-Klassiker. Mehr noch: Er gilt als eine der edelsten Weißweinsorten der Welt. Das liegt nicht nur an noblen rheinischen Herkunft, sondern vor allem an seiner enormen, exquisiten Geschmacksvielfalt. Riesling-Weine sind nahezu zu allen Speisen kombinierbar und auch noch ausgesprochen lagerfähig. Sowohl Weinanfänger als auch Gourmands kommen bei diesem Highlight der deutschen Weinkultur daher auf ihre Kosten.

Grund genug, sich die Rebsorte, ihre Herkunft und den Geschmack einmal genauer anzusehen…

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Riesling Herkunft: Die Wurzeln des Rheinländers

Die Geschichte des Riesling reicht weit zurück in die Vergangenheit Deutschlands: Die einheimische, wilde und frostharte Vitis Vinifera kreuzte sich mit dem Gewürztraminer, den vermutlich Römer an den Rhein gebracht hatten. Das Resultat lasen die Germanen aus und begannen, die neu erlangte Rebsorte Stück für Stück zu kultivieren.

Seine leicht säuerliche Note, wie wir sie heute kennen, erlangte der Riesling allerdings erst durch die Verbindung mit der mitteleuropäischen Rebsorte Heunisch.

Sicher ist aber, bei dieser Kreuzung handelt es sich um einen gebürtigen Rheinländer.

Die weiße Reb- und Weinsorte wird seit mehr als sechshundert Jahren in Deutschland kultiviert. Seine Herkunft und Geschichte ist in diversen historischen Dokumenten festgehalten:

  • Nach gewissen Einstiegsschwierigkeiten gelang es der wenig ertragreichen, spätreifen Edelrebe, sich zum 17. Jahrhundert hin bis an die Spitze des deutschen Weinanbaus durchzusetzen.
  • Am Ende des 19. Jahrhunderts erzielten einige Rieslingweine einen vergleichbaren, wenn nicht sogar höheren Preis, wie die nobelsten französischen Rotweine.

Die Herkunft des Namens selbst gilt weithin als ungeklärt (im Badischen heißt er auch Klingelberger). Es wird vermutet, dass er auf das Abrieseln der Blüten zurückgeht oder sich etwa von der rissigen Borke des Weinstocks ableitet. Wer es etwas genauer wissen will: Der Namensforscher Jürgen Udolph hat zur Riesling-Etymologie einen wissenschaftlichen Beitrag publiziert (PDF).

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Riesling Beschreibung: Weltweit beliebt

Riesling gehört zu den kulturprägendsten deutschen Wein- und Rebsorten. Die unterschiedlichen Charaktere seiner Vorfahren Vitis Vinifera, Traminer und Heunisch ermöglichen eine unglaubliche Variation unterschiedlicher Geschmackserlebnisse.

Erkennen kann man die Rebe unter anderem an…

  • ihren fünflappigen, gezähnten, rundlichen Blättern, der hell behaarten, leicht rötlichen Triebspitze und dem holzigen, kurzen Traubenstiel.
  • Die klassische gelb-grüne Riesling-Traube ist klein, zylinderförmig und dichtbeerig. Das Beerenfleisch ist weiß und leicht aromatisch.
  • Reife oder stärker besonnte Beeren sind oft gelb-bräunlich mit kleinen schwarzen Punkten auf der recht dicken Schale. Mit der Reife gewinnt der Geschmack der Beere zudem ein etwas süßliches Aroma.

Gegen Trockenheit ist die Rebsorte kaum empfindlich. Hitze allerdings verträgt die weiße Edelrebe überhaupt nicht.

Besonders wohl fühlt sich die kräftig wachsende Riesling-Rebe in klimatisch kühleren Anbaugebieten. Vor allem in nördlichen Regionen bevorzugt die Edelrebe besonnte, südlich gewandte Steillagen.

Voraussetzung für ein ertragreiches Wachstum ist ein leichter bis mittelschwerer, wärmespeichernder Boden, der dem Riesling seine charakteristische, leicht mineralische Note verleiht.

Die Vielseitigkeit der Traube und ihre klimatischen Präferenzen erklären unter anderem ihre weltweite Verbreitung. Heute wird die Rebsorte weltweit in zahlreichen Ländern angebaut:

  • Argentinien (Nordwesten, Zentralwesten, Patagonien)
  • Australien
  • Chile
  • Frankreich (Elsass)
  • Italien (Südtirol, Friaul)
  • Kanada
  • Luxemburg
  • Moldawien
  • Neuseeland (überwiegend Marlborough)
  • Österreich
  • Spanien (Penedès)
  • Südafrika
  • Tschechische Republik
  • Ukraine
  • Ungarn
  • USA (New York State, Oregon, Washington State, Kalifornien)

Mehr zu den Anbaugebieten finden Sie HIER.

Mit einem Anteil von 44,7 Prozent der weltweiten Riesling-Produktion und einer Anbaufläche von 23.293 Hektar ist und bleibt Deutschland nicht nur Heimat, sondern auch Spitzenreiter der Rieslingherstellung.

Hier wird der Weißwein in allen 13 deutschen Weinregionen angebaut. Die meisten deutschen Anbaugebiete des Riesling erstrecken sich entlang der Flusstäler der Mosel und des Rheins.

Riesling Geschmack: Von lieblich über halbtrocken bis trocken

Als Nachkomme der rheinischen Wildrebe Vitis Vinifera, der römischen Traminer-Rebe und des mitteleuropäischen Heunisch vereint der rassige Rheinländer deren beste Eigenschaften. Je nach Alter, Vegetationsdauer und Region entstehen aus den Trauben süße bis trockene und leichte bis schwere Weinarten, die sich allesamt bis zu 10 Jahren lagern lassen.

Die späte Blüte und Reife des Rieslings machen ihn nicht nur besonders frostresistent, sondern beeinflusst auch maßgeblich seinen Geschmack. In kälteren Regionen hat Riesling aufgrund der verkürzten Vegetationsperiode dennoch kaum eine Möglichkeit, vollkommen zu reifen. In solchen Gebieten entsteht aus der weißen Rebsorte daher überwiegend Eiswein.

Nicht zuletzt wird sein Geschmacksbild durch seinen Standort geprägt. So kann man mit ein wenig Geschick zwischen…

  • einem Rheinufer-Riesling und
  • einem Mosel-Riesling

…unterscheiden.

Auch das Alter macht sich bei dem Wein deutlich bemerkbar:

  • Junger Riesling hat einen besonders starken Säureakzent.
  • Mit dem Alter und mit der Reife gewinnt der Weißwein nicht nur an Harmonie, sondern auch ein leichtes Petrolaroma.

Riesling-Aromen-Geschmack-Grafik

Seine Farbe variiert von einem zarten Gelbton über einen leichten Grünstich bis hin zum satten Goldgelb.

Seine lange Reifedauer und seine Vorliebe für den trockenen, aber kühlen Herbst bewahren dem Riesling seine knackig-frische Säure.

Sie ist der Grund, weshalb sich Trauben besonders für süße und halbtrockene Weine eignet. Ergänzt wird die pikante Säure durch sein intensives Fruchtaroma. Hervor tritt ein Hauch von exotischen Früchten, das Aroma von Marille und anderem Steinobst und, je nach Alter, eine leichte Apfel-Note.

Gemeinsam mit seinem typischen stahligen und leicht mineralischen Akzent entsteht ein lebendiges, rassiges Bukett. In dessen Vielfalt wird wohl lediglich nicht fündig, wer säureärmere Weine bevorzugt.

Rieslingwein kombinieren: Begleiter zu Asiatischer Küche und Nachspeisen

Weißwein zu Fisch und Geflügel – Rotwein zu rotem Fleisch. Dieser alten (und längst überholten) Faustregel trotzt der Riesling nur zu gerne. Nicht nur im Zusammenspiel mit Fisch oder Spargel bietet er einen echten Gaumenschmaus. Er passt durchaus auch zu Grillgerichten (ausprobieren!).

Überdies macht ihn sein geringer Alkoholgehalt zu einem attraktiven Mahlbegleiter im Sommer – etwa zu frischen Salaten oder Meeresfrüchten.

Vor allem der Kabinettwein lässt sich auszeichnet zu asiatischen Speisen, knoblauchhaltigen Gerichten, indischer oder Thai- Küche und leichtem Fisch und Geflügel servieren. Eine Kombination mit unterschiedlichen Gewürzen unterstützt ein Spätlese-Riesling ebenfalls gerne.

Besonders exquisit harmoniert er mit leichten, relativ sauren Geschmacksnoten wie beispielsweise Ingwer, Tomate oder sogar Limette oder im Zusammenspiel mit Röstaromen. Kombinieren lässt er sich gerne auch mit deftigem Fisch oder Schweinefleisch.

Scharf gewürzte oder gegrillte Gerichte lassen sich hingegen hervorragend mit lieblichem Riesling ausbalancieren. Auch essighaltige Speisen rundet er leicht ab.

Besonders vielseitig ist der Wein zu Nachspeisen: Eine Beerenauslese oder ein Eiswein harmonieren perfekt mit Vollmilchschokolade, Kuchen, gebackenen Äpfeln und weitere süßen Desserts.

Karamellisierte Nachspeisen und exotische Früchte harmonieren am besten mit einer Trockenbeerenauslese. Auch edler Blauschimmelkäse lässt sich durch sie zu einem perfekten Geschmackserlebnis ergänzen.

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Ob Weinkenner oder Laien – alle schätzen den Riesling gleichermaßen.

Nicht nur zu festlichen Anlässen, sondern auch bei einem gemütlichen Dinner daheim sorgt der Riesling für ein perfektes Genusserlebnis. Als echter Alleskönner eignet sich Weißwein gleichermaßen als Stillwein, Perlwein, Schaumwein, Eiswein.

Auch seine Qualitätsspanne könnte nicht größer sein: Besonders Liebhaber eines relativ säurereichen, fruchtigen Buketts kommen hier auf ihre Kosten. Denn seinen Ausprägungen und seiner Artenvielfallt sind kaum Grenzen gesetzt.

[Bildnachweis: lola1960, baibaz by Shutterstock.com]

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