Muskat: Feine Weine aus dem antiken Muskateller

Muskatweine sind beliebt, die Bezeichnung "Muskat" bekannt. Was vielen aber kaum bewusst ist: Dahinter verbirgt sich eine ganze Gruppe unterschiedlicher Muskatweine mit intensivem Geschmack von Muskatnuss.

So beliebt Muskat auch ist – nur wenige wissen, dass es sich bei Muskateller um die wohl älteste bekannte Weißweinrebe handelt: Zahlreiche literarische Quellen belegen, dass schon um 3000 vor Christus Ägypter und Perser aus ihr aromatische Muskatweine gewannen. Seitdem wird die Rebe aufgrund ihres süßen, intensiven und fruchtigen Geschmacks nicht nur als Weintraube, sondern auch als Tafeltraube geschätzt.

Muskat-Muskateller-Weisswein-Wein

Muskat: Name, Herkunft und Geschichte

Es wird vermutet, dass die Griechen die Muskateller-Rebe aus Kleinasien ans Mittelmeer brachten. Daher rührt auch die Angewohnheit, Muskat als "griechischen Wein" zu bezeichnen. Von dort aus eroberte der Muskat seit dem 12. Jahrhundert ganz Europa.

Die älteste Erwähnung der heute verbreiteten Bezeichnung "Muscat" wird auf die Enzyklopädie des Bartholomaeus Anglicus aus dem Jahr 1230 zurückgeführt. Hier entstammt sie dem lateinischen Wort "musca", was auf Deutsch "Fliege" bedeutet. Warum die Rebe mit Fliegen in Verbindung gebracht wurde liegt auf der Hand: Aufgrund ihres starken und süßen Duftes sind die Muskat-Trauben bei Fliegen und Bienen sehr beliebt.

Die Muskateller-Familie

Heute dient Muskateller meist als Überbegriff für diese und diverse weitere von ihm abstammende oder mit seiner Beteiligung gezüchtete Rebsorten. Viele dieser Sorten sind bis auf seine Mitwirkung nicht einmal miteinander verwandt. Eines haben allerdings alle unter diesen Sammelbegriff vereinten Rebsorten gemeinsam: ein fruchtiges, intensives und unverwechselbares Muskataroma.

Tatsächlich handelt es sich bei der Bezeichnung "Muskat" und der mit ihr direkt verbundenen Muskateller-Rebe um eine ganze Familie verzweigter Rebsorten, die heute etwa 200 Variationen und Abarten einschießt. Denn abstammend von der Muskateller-Rebe dienen heute nicht nur sie selbst, sondern auch mehrere ihrer Mutationen und Neuzüchtungen der Gewinnung von Muskatweinen.

Besonders bekannt innerhalb dieser Rebsortenfamilie sind folgende Wein- und Tafeltrauben:

  • Gelber Muskateller (Mutation)
  • Morio-Muskat (Neuzüchtung)
  • Muscat Bleu (Tafeltraube)
  • Muscat de Hambourg (Tafeltraube)
  • Muscat d’Alexandrie (Tafeltraube)
  • Muskateller (Ursprungssorte)
  • Muskat-Ottonel (Abart)
  • Phoenix (Neuzüchtung)
  • Roter Muskateller (Mutation)

Besonders verbreitet in der Weinherstellung ist dabei der Gelbe Muskateller. Aufgrund seiner hellen Farbe wird er oft auch als "Muscat Blanc á Petits Grains" oder einfach nur als "Muscat Blanc" bezeichnet.

Oft werden zu der Muskateller-Familie irrtümlich auch andere Rebsorten gezählt, die eigentlich lediglich mit dessen Namen verwandt sind:

  • Grüner Muskateller: eigentlich Grüner Veltliner
  • Muskat-Silvaner: eigentlich Sauvignon Blanc
  • Schwarzer Muskateller: eigentlich Lemberger

Die Muskateller-Rebe

Da es sich bei der Muskateller-Rebe um eine ganze Gruppe handelt, lassen sich bei der Beschreibung der Rebe lediglich Merkmale aufführen, die diverse Angehörige der besagten Rebsortenfamilie gemein haben. So lässt sich beispielsweise bei den meisten Muskateller-Arten eine kahle, rötlich braune Triebspitze feststellen.

Muskateller-Blätter sind meist fünflappig, mittelgroß und haben einen ziemlich spitz gezähnten Rand. Die Beeren haben eine mittlere Größe, eine intensive Farbe und saftiges Beerenfleisch mit deutlich erkennbarem Muskatgeschmack.

Unterschiede zwischen den diversen Muskateller-Abarten bestehen meist in der Farbe und Dicke der Beerenschale und der Anordnung der Beeren. Von Rot bis Weiß variierende Beerenhaut sorgt dafür, dass Muskatweine ein breites Farbspektrum aufweisen können.

Die Triebe des Muskateller wachsen eher stark, sind allerdings relativ ertragsarm und spätreifend. Zudem sind sie extrem anfällig für Frost und Rebkrankheiten, was den Erträgen häufig deutlich zusetzt. Umso verständlicher, dass Muskateller warmes Klima und trockenen Boden bevorzugt. Kalkhaltigen Grund sollte man beim Anbau von Muskateller allerdings eher meiden.

Muskat: Anbau

Da Muskatweine allgemein ziemlich beliebt sind, wird der Muskateller in sämtlichen Ländern angebaut, die für ihren Weinbau bekannt sind. Besonders gern angebaut wird er dabei in Ländern mit warmem Klima:

  • Australien
  • Deutschland
  • Frankreich
  • Italien
  • Kalifornien
  • Österreich
  • Portugal
  • Spanien
  • Südafrika
  • Ungarn

In Deutschland werden Muskatweine kaum ausgebaut. Denn hier können sie kaum mit dem intensiven Geschmack von Sauvignon Blanc, Scheurebe oder Gewürztraminer konkurrieren. Daher sind die deutschen Muskatbestände mit insgesamt unter 400 Hektar ziemlich überschaubar. Zu finden sind sie fast ausschließlich in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Muskat: Ausbau

Seitdem die Muskateller-Rebe bekannt ist, wurde sie entweder sortenrein ausgebaut oder mit anderen Reben verschnitten. Heute allerdings werden günstigere Muskatweine häufig gespritet – durch eine solche Anreicherung mit Alkohol werden sie beispielsweise zum Likör. Je nach Ausbau mal süß, mal trocken und mal lieblich schmeckend werden Muskate häufig mit Alkohol verstärkt. Vermehrt entstehen aus der Muskateller-Rebe auch Schaumweine wie der frische, fruchtige und alkoholarme "Asti Spumante" oder süße Muskatweine wie der "Muscat de Frontignan".

Häufig werden als Moscato, Muscat oder Muskateller ausgebaute Muskatweine als "Bukettweine" bezeichnet. Denn ihr Bukett ist besonders prägend und behält trotz Herkunft und Ausbau fast immer dieselben Muskatnoten bei. Ein Großteil dieser Weine sind Weißweine. Rotweine hingegen sind – bis auf den italienischen Aleatico – unter den Bukettweinen kaum zu finden. Kein Wunder: Schließlich handelt es sich bei der Muskateller-Rebe, aus der Muskatweine ausgebaut werden, um eine helle Rebsorte.

Als eine von wenigen hat die Muskatellertraube selbst die exakt gleiche geschmackliche Muskatnote, wie auch die aus ihr und ihren Verwandten gekelterten Weine. Grund für dieses besondere Aroma ist, dass alle Muskatreben den Stoff Linalool beinhalten. Als einer der sogenannten "Monoterpene" sorgt dieser spezifische biochemische Stoff für die Entstehung des Muskatgeschmackes.

Je nach Ausbau wird die Menge und Wirkung dieses Stoffes zwar verstärkt oder reduziert, verschwindet jedoch nie ganz. Daher haben alle Muskateller-Weine die typische Muskatnote gemein.

Muskat: Geschmack

Vor allem weiße Muskatweine verfügen über eine besonders intensives, unverwechselbares, fruchtiges Muskataroma. Je nach Ausbau kann dieses Aroma allerdings durch diverse andere ergänzt werden und unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. So schwingen bei vielen Muskatweinen diverse unterschiedliche Duftnoten mit:

  • Feige
  • Kaffee
  • Moschus
  • Muskatnuss
  • Orange
  • Orangenblüte
  • Orientalische Gewürze
  • Pfirsich
  • Trockenfrüchte

Zwischen den Muskatweinen aus unterschiedlichen Herkunftsländern lassen sich deutliche Unterschiede erkennen. Beispielsweise schmecken elsässische Muskate etwas trocken und feinkörnig. Zwei von ihnen sind besonders verbreitet: Der im Elsass seit dem 19. Jahrhundert produzierte "Muskat-Ottonel" und der wohl am meisten verbreitete weiße Muskatwein "Muscat d’Alsace".

Im Gegensatz zu den elsässischen Muskatweinen schmecken französische wiederum eher mild und lieblich. Ihr Bukett übermittelt einen ganzheitlichen, frischen Geschmack von Traube und Muskatnuss.

Griechische und österreichische Muskat-Spezialitäten bestechen durch ihren trockenen, leicht fruchtigen, frischen Geschmack und ihre leichte Säure. Im Ausbau entwickeln diese Weine meist nur einen geringen Alkoholgehalt und werden üblicherweise auch nicht mit zusätzlichem Alkohol versetzt.

Ausgenommen hiervon ist der griechische Samos. Zwar wird auch er nicht mit Alkohol gespritet, doch erreicht er in seinem typischen Ausbau einen intensiv würzigen Geschmack und eine eher cremige Konsistenz.

Neben dem Muskat gibt es nur noch einen Wein, dem ein leichter Muskatduft nachgesagt wird: den Rivaner. Ansonsten ist diese spezifische aromatische Note fast ausschließlich den Muskatweinen vorbehalten.

Zu diesen Speisen passt Muskat

Sehr beliebt ist Muskat als Aperitif. Als Vorspeisen harmonieren mit ihm vor allem Amuse gueule unterschiedlicher Arten, sommerliche und leichte Salate, frischen Kräutern und leichtem Zitrone-Geschmack.

Erfrischend schmecken Muskatweine auch pur oder mit leichten Snacks. Hierzu schmecken besonders frische Gemüsehäppchen oder leichte Käsesorten wie Feta, Ziegen- oder Schafskäse.

Als Hauptgang munden zu Muskatweinen leichte Gerichte aus Fisch, Muscheln, Meeresfrüchten oder Geflügel. Die orientalischen Gewürznoten im Muskat machen ihn besonders geeignet als Begleitung asiatischer Speisen.

Als Begleitung zur Nachspeise schmeckt Muskat exquisit zu fruchtigen, leichten oder süßen Desserts. Sein feines Aroma ergänzt der Geschmack von Aprikosen, Nüssen und Zitrusfrüchten. Außerdem mundet fruchtiger und süßer Muskat vorzüglich zu cremigen, fruchtigen oder schaumigen Desserts.

Doch ob mit oder ohne die Begleitung von Speisen bieten Muskatweine ein ganzes Feuerwerk an Geschmackserlebnissen.

[Bildnachweis: Lightpoet by Shutterstock.com]

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