Müller-Thurgau oder Rivaner: Ein Weißer erobert Deutschland

Bereits 1882 wurde Müller-Thurgau als Weißweinsorte in der Rheingauer Forschungsanstalt Geisenheim gezüchtet. Seinem Züchter, dem Schweizer Botaniker Hermann Müller-Thurgau, hat er auch seinen Namen zu verdanken. Im internationalen Rebkatalog trägt er die VIVC-Nummer 8141.

Mueller-Thurgau-Rivaner-Traube-Weinwissen

Müller-Thurgau oder Rivaner – wie heißt er nun?

Ursprünglich galten Riesling und Silvaner als seine Elternreben. Daher stammte auch sein "zweiter Vorname": Rivaner. Tatsächlich gekreuzt wurden die beiden Elternreben im Übrigen erst 1921 – unter dem Namen "Rieslaner".

Aus DNA-Analysen sind auch die wahren Eltern des Müller-Thurgau bekannt: Er ist eine nachgewiesene Kreuzung der Gutedel-Rebe "Madelein"e Royale und des Riesling.

Trotzdem behielt er seinen Spitznamen Rivaner. Diese Bezeichnung war besonders in der Schweiz verbreitet, wo sein Züchter die neue Kreuzung nicht unter eigenem Namen veröffentlicht sehen wollte. In Deutschland wird er noch heute kurz und liebevoll Müller genannt.

Heute wird dieser Name vor allem aus Marketing-technischen Gründen genutzt. Auch nach den EU-Sortenverordnungen sind beide Namen offiziell zugelassen. Doch seine ursprüngliche Bezeichnung bleibt immer noch "Müller-Thurgau".

Müller-Thurgau: Die Rebe

Besonders deutlich erkennbar ist Müller-Thurgau an seinen mittelgroßen, fünflappigen, tief gebuchteten Blättern. Auffällig ist auch ihre stark gewellte Oberfläche.

Die hellgrünen Triebspitzen sind nur leicht behaart und schimmern rötlich. Der Triebwuchs ist stark. Doch unter den Trieben befinden sich sogut wie keine Geiztriebe. Der Ertrag der Rebstöcke ist daher sehr hoch. Und Dank der geringen Anfälligkeit für Rebkrankheiten und Witterungsschäden auch sehr stabil.

Liefert eine Rebe sehr hohe Erträge, werden ihre Triebe häufig beschnitten. Das soll die Qualität der Beeren auf den verbleibenden tragenden Trieben steigern. Für Müller-Thurgau gilt das allerdings nicht: Da der Beschnitt auf die Qualität von Müller-Thurgau nur wenig Einfluss hätte, werden die Triebe des Massenträgers nicht beschnitten.

Die Rivaner-Traube ist relativ groß. Die ovalen Beeren haben eine grünlich-gelbe Farbe und reifen relativ früh. Typisch ist auch der fruchtige Duft. Das Beerenfleisch ist farblos, saftig und duftet ebenfalls fruchtig mit einer sanften Muskat-Note. Diese Note lässt sich später auch im ausgebauten Wein erkennen.

Müller-Thurgau: Erfolgreicher Anbau in Deutschland und darüber hinaus

Heute ist Müller-Thurgau eine der erfolgreichsten weißen Neuzüchtungen im deutschsprachigen Raum. In sogut wie allen deutschen Weinbaugebieten ist er daheim. Grund dafür sind unter anderem seine geringen Ansprüche an Standort und Boden: Er gedeiht sowohl in Lehm und Kalk, als auch auf Schiefer und Schwemmland. Solange der Untergrund ausreichend mit Wasser versorgt ist, wächst Müller-Thurgau dort, wo keine andere Rebsorte zurechtkäme.

Der stabile und hohe Ertrag und die kurze Reifedauer sind zwei der wichtigsten Gründe für seine erfolgreiche Verbreitung in Deutschland. Inzwischen beträgt seine Anbaufläche allein hier etwa 20.000 Hektar.

Doch auch weltweit wird Müller-Thurgau immer beliebter:

  • Frankreich: rund 5 Hektar
  • Italien: rund 1.300 Hektar
  • Japan: rund 170 Hektar
  • Kanada: rund 5 Hektar
  • Kroatien: rund 60 Hektar
  • Luxemburg: rund 185 Hektar
  • Moldawien: rund 175 Hektar
  • Neuseeland: rund 80 Hektar
  • Österreich: rund 2.810 Hektar
  • Russland: rund 110 Hektar
  • Schweiz: rund 495 Hektar
  • Slowakei: rund 1.380 Hektar
  • Tschechien: rund 1.570 Hektar
  • Ungarn: rund 2.100 Hektar
  • Vereinigtes Königreich: rund 45 Hektar

Müller-Thurgau: Ausbau von trocken bis edelsüß

Im Ausbau schmeckt der Rivaner meist frisch und leicht. Sein unkomplizierter Geschmack trägt einen charakteristischen Duft nach Muskatnuss. Typisch ist auch die helle, gelb-grünliche des Weines.

Üblicherweise wird Rivaner nicht lange gelagert. Junger Müller wird schon nach spätestens einem Jahr Lagerung getrunken. Oft lagert man ihn auch zwei oder drei Jahre lang. Länger ruht er mit einer Lagerungsdauer von zehn Jahren nur als Beerenauslese oder Eiswein.

Vor allem der trockene, junge Rivaner ist ein gefragter weißer Tafelwein und eine würdige Antwort auf günstigen weißen Chardonnay. Tatsächlich wird der "Müller" meist trocken oder edelsüß ausgebaut.

Gelegentlich dient der Rivaner auch als Verschnittpartner oder wird halbtrocken ausgebaut. Doch sollten Sie nach einer Empfehlung renommierter Weinkenner Müller-Thurgau kaufen, ist vor allem seine edelsüße oder trockene Ausführung ein beliebter Tipp.

Was nicht aus Rivaner ausgebaut wird, sind sogenannte "große Weine": Bei dem klassischen Müller handelt es sich nämlich um einen wohlschmeckenden, aber günstigen Tafelwein, der preislich etwa zwischen vier und zwölf Euro pro Flasche liegt.

Müller-Thurgau Geschmack

Nur selten wird Müller-Thurgau halbtrocken empfohlen. Denn sein Körper und seine Säurestruktur unterscheiden sich deutlich von dem klassischen trockenen Rivaner.

Sein dezenter Körper kommt am besten zur Geltung, wenn eine Trinktemperatur von etwa 10-12°C erreicht wird. Der zarte und fruchtige Geschmack erinnert an Aprikose, Zitrus und Muskat – einem der deutlichsten Erkennungsmerkmale des Rivaners.

Empfehlenswert macht ihn außerdem seine milde Säurestruktur, die ihn auch für säureempfindliche Genießer zu einem Favoriten macht. Sein leichtes und etwas süffiges Bouquet macht ihn zu einem ausgesprochen gefragten Tafelwein. Sein Geschmack behält sowohl jung, als auch als Beerenauslese oder Eiswein stets seine leichte, frische Art.

Zu diesen Speisen passt Müller-Thurgau

Exquisit schmeckt Rivaner zu leichten Speisen. Vor allem gehören dazu Gerichte aus Geflügel oder Süßwasserfisch. Auch Schonkost, Rohkost und Salate mit dezentem Dressing werden von einem fruchtigen Rivaner ergänzt.

Käseliebhaber sollten zum Müller auf milde Käsesorten zurückgreifen. Denn intensive Käsearomen ersticken seinen schwerelosen Geschmack. Dasselbe gilt auch für Saucen: Deftige Saucen und geschmacksintensive, saucenreiche Gerichte erdrücken das dezente Rivaner-Aroma. Umso besser schmecken hierzu allerdings Nudelgerichte mit hellen Saucen oder leichte Risotti.

Obwohl sich Müller-Thurgau nur wenig mit würzigen Speisen verträgt, schmeckt er köstlich zu asiatischen Gerichten. Auch zu exotischen Früchten oder süßen Desserts ist der Müller eine ideale Partie.

Auf der Suche nach einem günstigen, lockeren, weißen Tafelwein ist ein Müller-Thurgau die beste Empfehlung.

[Bildnachweis: nnattalli by Shutterstock.com]

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