Merlot: Alles, was Sie über den vielseitigen Rotwein wissen müssen

Seit dem Mittelalter erobert er nach und nach die Welt. Obwohl der Merlot erst seit 20 Jahren in deutschen Weinbauregionen angebaut wird, gehört er schon zu den zehn bedeutendsten Rotweinreben des Landes. Die Wurzeln des exquisiten Franzosen reichen indes weit zurück bis in das 14. Jahrhundert, als man ihn noch unter einem anderen Namen kannte…

Merlot-Rotwein-Rebsorte-Trauben

Merlot Herkunft und Geschichte: Noble Wurzeln

Die erste Erwähnung fand die heute als Merlot bekannte Rebe im 14. Jahrhundert: Damals allerdings unter dem Namen "Crabutet Noir". Zum ersten Mal als "Merlot" bezeichnet wurde er nachweislich erst 1784 im französischen Libournais, wo er seit dem 18. Jahrhundert als eine der wichtigsten Bordelais-Sorten angebaut wird.

Die Bezeichnung Merlot – oder auch Merlau – entstammt dem französischen "le merle" – die Amsel. Denn leider gehören die früh reifenden Früchte ebenso zu den Lieblingsnaschereien der Vögel.

Seit 1999 ist dank des österreichischen Wissenschaftlers Ferdinand Regner auch die Vaterrebe des Merlot bekannt: der Cabernet Franc.

Für Überraschung sorgte 2009 die Ermittlung der Mutterrebe: Magdeleine Noire des Charentes. Deren Name leitet sich durch die am 22.Juni (dem Tag der heiligen Magdalena) auftretenden ersten Reifeanzeichen ab. Lange Zeit galt sie als ausgestorben, bis ein Zufall 1992 zur Wiederentdeckung eines einzelnen Weinstockes führte.

Seit dem 19. Jahrhundert beherrscht die tiefrote Rebe des Merlots vor allem das französische Weinanbaugebiet des Médocs, eine dreiecksförmige Halbinsel im Südwesten Frankreichs, die zwischen der Atlantikküste (Côte d’Argent) an der Biscaya, dem Mündungsarm Gironde und dem Meeresbecken von Arcachon liegt und dem Bordeaux zugrechnet wird (siehe Grafik, oberer dunkelroter Zipfel).

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Merlot Traube: Eigenschaften

Erkennen lässt sich den Merlot an seinen stark behaarten Triebspitzen mit zartrotem Rand. Seine Blätter sind verhältnismäßig groß, fünflappig, ungleichmäßig gezahnt. Die lockerbeerigen Trauben sind walzenförmig und mittelgroß.

Ihre schwarzblaue Farbe verdankt die Beere den in ihrer dünnen Schale konzentrierten Farbpigmenten. Von seiner Mutter übernahm der Merlot zudem die frühe Reife. Das erklärt auch seine Empfindlichkeit gegenüber Kälte und Feuchtigkeit.

Die Merlot-Rebe ist starkwüchsig. Durch die frühzeitige Beschneidung der Triebe werden die Erträge allerdings begrenzt. Das muss aber kein Nachteil sein. So lassen sich schließlich die charakteristischen Eigenschaften der Weinsorte in den verbliebenen Trauben deutlicher hervorbringen.

Merlot: Anbau und Verbreitung

Einer Faustregel zufolge mag der Merlot vor allem jene Untergründe und das Terroir, das für einen Cabernet Sauvignon ungeeignet ist – also vor allem schweren, tiefgründigen, saugfähigen, eher kühlen Boden.

Trockener, heißer Grund würde hier zu hitzebedingten Reifeproblemen führen. Bei Hitze werden die Trauben schnell überreif und alkoholreich.

Genau diese Eigenschaft – also eine Vorliebe für Gebiete mit einer kurzen Vegetationsperiode – ist einer der Gründe für den Erfolg des Merlot im Weinbau. Die weltweite Anbaufläche des noblen Roten beträgt inzwischen über 270.000 Hektar.

Die größte Anbaufläche besitzt sein Heimatland Frankreich mit etwa 115.000 Hektar. An zweiter Stelle folgt mit rund 28.000 Anbaufläche schon Italien.

    Merlot Anbau weltweit:

  • Algerien – rund 1.500 Hektar
  • Australien – rund 10.000 Hektar
  • Bolivien – rund 30 Hektar
  • Brasilien – rund 760 Hektar
  • Bulgarien – rund 10.500 Hektar
  • Chile – rund 10.000 Hektar
  • China – rund 3.500 Hektar
  • Deutschland – rund 500 Hektar
  • England – rund 2 Hektar
  • Frankreich – rund 114.675 Hektar
  • Griechenland – rund 1200 Hektar
  • Italien – rund 28.000 Hektar (vor allem Norditalien)
  • Japan – rund 800 Hektar
  • Kanada – rund 1.000 Hektar
  • Kroatien – rund 750 Hektar
  • Mexiko – rund 400 Hektar
  • Moldawien – rund 8.000 Hektar
  • Montenegro – rund 50 Hektar
  • Neuseeland – rund 1.300 Hektar
  • Österreich – rund 650 Hektar
  • Peru – rund 2 Hektar
  • Portugal – rund 750 Hektar
  • Rumänien – rund 11.000 Hektar
  • Russland – rund 1.500 Hektar
  • Schweiz – rund 1.000 Hektar
  • Slowenien – rund 1.000 Hektar
  • Spanien – rund 15.500 Hektar (vor allem Aragonien, Katalonien, La Mancha, Navarra)
  • Südafrika – rund 6.500 Hektar
  • Tschechien – rund 90 Hektar
  • Türkei – rund 350 Hektar
  • Ukraine – rund 2.800 Hektar
  • Ungarn – rund 1.900 Hektar
  • Uruguay – rund 875 Hektar
  • USA – rund 22.000 Hektar (vor allem Kalifornien)
  • Zypern – rund 60 Hektar

Ausbau: Die vielen Seiten des Merlot

Merlot wird häufig sortenrein – oder fast sortenrein – ausgebaut. Ein prominentes Beispiel ist der teuerste Bordeaux der Welt: der rebsortenreine "Petrus" des weltweit bekannten französischen Weingutes Château Pétrus. Will man dieses Meisterwerk aus reinem, erlesenem Merlot kaufen, sollte man sich auf Preise von 600 bis 3000 Euro je Flasche einstellen.

Seine sensorischen Eigenschaften sowie sein Ertragreichtum machen ihn zu einem begehrten Bestandteil von Cuvée-Weinen.

Er wirkt Tannin-mildernd, bringt eine fruchtige Note ein und unterstützt den jeweiligen Verschnittpartner in Fülle und Körper.

Dank seiner Anpassungsfähigkeit – auch an dominante Rebpartner – wird der Merlot gerne mit Cabernet Franc oder Cabernet Sauvignon verschnitten. Diese Assemblage wird bevorzugt als Rosé oder im Barrique ausgebaut – einem Eichenfass, dass dem Weingeschmack besondere Nuancen verleiht.

Kreuzungen, Züchtungen und Mutationen

Als Roséwein ausgebaut, werden häufig auch die farblich abweichenden Mutationen der Rebsorte: Merlot Gris und Merlot Rosa, die in den Achtzigern in Brasilien gefunden wurden. Eine der bekanntesten natürlichen Kreuzungen ist der Merlot Blanc – eine Kreuzung mit der Folle Blanche (aus dem französischen: "weiße Irre").

Natürliche Kreuzungen des Merlot:

Alicante, Alicante Noir, Artzebat, Begney, Bidal, Bidalhe, Bigney, Bigney Rouge, Bini, Bini Ruzh, Bioney, Black Alicante, Bordeleza Belcha, Bordeleze Belcha, Carmine, Cosmo, Crabutet, Crabutet Noir, Crabutet Noir Merlau, Ederena, Erilon, Ferjansckova, Fertilia, Hebigney, Higney, Higney Rouge, Incrocio Bruni 452, Incrocio Terzi 1, Langon, Laurot, Lecchumskij, Malverina, Mamaia, Medoc Noir, Mendeleum, Mendioberena, Merlau, Merlau Rouge, Merlaud, Merlaut, Merlaut Noir, Merle, Merle Petite, Merleau, Merlese, Merlo, Merlot Black, Merlot Blanc, Merlot Blauer, Merlot Crni, Merlot Nero, Merlott, Merlou, Negru de Yaloven, Nigra, Odzalesi, Odzhaleshi, Odzhaleshi Legkhumskii, Petit Merle, Picard, Pikard, Plamennyi, Plan Medre, Planet Medok, Plant Du Medoc, Plant Medoc, Prodest, Rebo, Rigotti, Saint Macaire, Same De la Canan, Same Dou Flube, Seme de la Canau, Seme dou Flube, Semilhon Rouge, Semilhoum Rouge, Semilhoun Rouge, Semillon Rouge, Sud des Graves, Vidal, Vini Ticinesi, Vitrai, Vitraille

Merlot Geschmack und Farbe: Der sanfte Rote

Die geschmacklichen Variationen des Merlot lassen sich vielleicht am besten in zwei Kategorien einordnen:

  • Der sanfte Leichte und
  • der strukturreiche Schwere.

Gemeinsam haben die Weine fast alle den weichen, fruchtigen Abgang, den mittleren bis hohen Alkoholgehalt und die himbeerrote Farbe.

Die intensiven Fruchtaromen erinnert meist an…

  • Schwarzkirsche
  • Brombeere
  • Cassis
  • Himbeere
  • Pflaume

Merlot-trocken-Fruchtaromen-Charakter-Rotwein-Geschmack

Dazu gesellt sich oft noch eine leichte Kräuter-Note. Im Barriqueausbau gewinnt das Merlot-Aroma zudem zarte Noten von Schokolade und Tabak.

Reinsortig ausgebaut schmeckt er körperreich, geschmeidig, manchmal glatt und manchmal beinahe fett.

Ob nun Merlot trocken, lieblich oder als Roséwein ausgebaut wird – sein Geschmack bleibt praktisch immer leicht, fruchtig, gerbstoff- und tanninarm mit einer dezenten Säure.

Im Verschnitt mit dominanten Rebsorten mildert Merlot oft die typischen geschmacklichen Eigenschaften seines Partners ab. Übernimmt er allerdings dessen feste, tanninreiche Struktur, entsteht eine schwere Cuvée – ein duftintensiver Gaumenschmeichler mit einem fleischigen und fülligen Geschmack.

Sein spezielles Aroma wird natürlich auch durch die jeweilige Herkunft beeinflusst. So schmeckt beispielsweise eine norditalienische Ausführung wie der Merlot Veneto meist leichter, als der französische Merlot Grand Sud.

Seine Verwandten aus wärmeren Regionen wie Australien, Frankreich und Kalifornien besitzen wiederum neben den typischen eleganten Fruchtaromen auch Noten von Lakritz und Nelke.

Diese Speisen passen zum Merlot

Merlot ist ein praktischer Begleiter – vielseitig kombinierbar, zudem wertet er fast alle Speisen auf. Am besten aber begleitet er dezente, leichte oder – seltener – würzige Speisen.

Reinsortig ausgebaut schmeckt er besonders gut zu leichten Gerichten. Deftige und reichhaltige Gerichte ergänzt der Merlot umso besser, wenn er zuvor im Barrique-Fass ausgebaut wurde. Ansonsten ist er kaum für derart geschmacksintensive Gerichte geeignet. Dafür ist er dann doch zu fein. Besser passt er dort, wo tannin- und säurereiche Weine zu dominant wären.

Merlot Foodpairing Tipps

    Merlot Foodpairing Tipps

  • Leicht: Brot, gegrilltes Hähnchen, Gemüse (Auberginen, Paprika, Zucchini), Pilze, Pizza, tomatenbasierte Saucen, Überbackenes, Wurst-und Fleischwaren (Pastete, Salami, Schinken)
  • Reif und fleischig: Asiatische Küche, Aufläufe (mit Bohnen, Früchten, Gemüse, Hähnchen, Kaninchen, Pasta), milder Hartkäse, würziges Hack (Bolognese, Fleischbällchen, Hackbraten), Lachs, Spaghetti Truthahn, würzige Reisgerichte
  • Elegant und sortenrein: gebratenes oder geröstetes Geflügel (Ente, Hähnchen, Perlhuhn, Pute), Lammkeule, mediterranes Grillfleisch (Rind, Lamm, Schwein), Rindersteak mit Rotweinsauce
  • Körperreich: deftige Fleischgerichte (Steak vom Kohlegrill, Roastbeef, Lamm)
  • Rosé: Chinesische Küche, leichter sommerlicher Salat

Bemerkenswert ist seine Kompatibilität mit Tomaten und Brot, mit denen Foodpairing generell etwas schwerer fällt. Köche schätzen den Merlot außerdem als exzellente Kochzutat für Saucen und Fonds. Empfehlenswert ist er zum Beispiel zu mediterranen oder asiatischen Speisen. Vorzüglich ergänzt er dezente Röstaromen und mildert Schärfe.

Kombinationen mit aromatischem Käse, cremigen Saucen oder intensiv mariniertem Fleisch hingegen sollte man meiden. Sie erschlagen den weichen Merlot Geschmack und lassen ihm höchstens noch einen laschen, süßlichen Hauch. Dasselbe gilt für orientalische und indische Gerichte. Letztendlich übernimmt er genauso gerne dominante geschmackliche Noten, wie er leichte und fruchtige untermalt.

Weinwahl: Merlot oder Cabernet Sauvignon?

Sie stammen beide ursprünglich mal aus dem Bordelais in Frankreich: Cabernet Sauvignon und Merlot. Heute gehören beide Rebsorten weltweit zu den besonders populären, die einerseits sehr unterschiedliche, charakterreiche Weine hervorbringen. Andererseits sind sie sich in mancher Hinsicht auch recht ähnlich. Da stellt sich dann so manchem die bange Frage: Heute Abend lieber einen Cabernet – oder doch lieber einen Merlot?

Merlot-Cabernet Grafik

Natürlich ist so eine stark vereinfachte Charakterisierung immer ungerecht. Letztlich können selbst reintraubige Weine so unterschiedlich schmecken, dass es jedes Schema sprengt. Trotzdem können einem gerade diese vereinfachten Modelle enorm bei der Orientierung helfen ebenso wie bei der Auswahl.

Was also zeichnet die jeweilige Rebsorten aus?

  • Merlot

    Wie schon oben beschrieben, ist Merlot eine frühreifende Sorte. Sie ergibt fruchtige, körperreiche und vollmundige Weine, die schon nach wenigen Jahren der Lagerung genussreif sind – aber eben auch nicht wirklich lagerfähig sind. Je nachdem verfliegen dann die Fruchtaromen, und die Kräuteraromen drängen in den Vordergrund. Der Merlot hat außerdem in der Regel eine nicht ganz so dunkle Rotweinfarbe wie der Cabernet.

    Typische Eigenschaften:

    • Weinfarbe später: Dunkelrot
    • Aromen von Pflaumen und Kirschen
    • Mittlerer bis hoher Alkoholgehalt
    • Weniger Tannine
    • Weicher, fruchtiger Abgang
    • Idealer Kombinationswein
  • Cabernet Sauvignon

    Diese Rotweinsorte gilt dagegen als Edelrebe, die im Bordeaux heute eher zum Verschnitt genutzt wird. Denn die Traube gibt jedem Wein eine gute Säure und Tannin-Struktur und ermöglicht zudem ein langes Lagern. Oft ist es so: Konnten die Trauben eines Jahrgangs lange reifen, sind die Cabernet-Weine in der Regel besser. War Reifungsphase witterungsbedingt jedoch kurz, so tut man mit einem Merlot den besseren Griff.

    Typische Eigenschaften:

    • Weinfarbe später: Tiefes Dunkelrot
    • Aromen von schwarzer Johannisbeere (Cassis), Pfeffer, zum Teil Zedernholz
    • Hoher Alkoholgehalt
    • Kräftiges Tanningerüst
    • Langer Abgang
    • Auch als Solowein geeignet

Als Faustregel ließe sich merken: Würde man beide Weine – ein reinrassiger Merlot und ein Cabernet Sauvignon, aus derselben Gegend und auf die gleiche Weise vinifiziert – verkosten, so hätte der Cabernet höchstwahrscheinlich die kräftigere Nase, er wäre gerbstoffbetonter auf der Zunge und hätte intensive Röst- und Lakritz-Aromen. Der Merlot dagegen wäre fruchtiger, leichter und würde tendenziell süßer und nicht ganz so trocken schmecken. Ist aber nur eine ganz grobe Einsortierung.

[Bildnachweis: Vytautas Kielaitis by Shutterstock.com]

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