Lambrusco: Italienische Spezialität weit weg vom Billigimage

Bei Lambrusco denken viele zuerst an einen billigen italienischen Rotwein mit Kohlensäure. Eine Art Rotwein-Limo, von der man ganz "lull und lall" (Spliff) wird. Und es stimmt ja auch: In den Achtziger- und Neunzigerjahren war diese Weinsorte durchaus als Billigwein bekannt und erfreute sich vor allem bei jungen Menschen mit schmalem Budget großer Beliebtheit.

Tempi passati. Zwar gibt es auch heute noch manche Fuselflasche unter dem Namen Lambrusco. Der Wein aus Norditalien aber hat sein Image stark verändert und ist inzwischen bei manchen Kennern ein durchaus ein angesehener Tropfen.

Wer den Perlwein nicht länger mit der süßen Billigausführung von der Tankstelle in Verbindung bringt, wird eine erstaunliche Entdeckung machen und eine positive Überraschung erleben.

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Was einen guten Lambrusco auszeichnet

Der ehemals billige und für morgendliche Kopfschmerzen bekannte Perlwein hat sich stark verändert. Tatsächlich besteht der Großteil der Konsumenten heute nicht mehr in erster Linie aus Studenten, sondern aus Weinkennern und -Liebhabern.

Ein guter Lambrusco in der richtigen Trinktemperatur genossen, erzeugt auch keine Kopfschmerzen mehr und ist auch kein billiger Schaumwein, sondern ein durchaus eleganter und aromatischer Perlwein mit auffällig blutroter Farbgebung.

Lambrusco ist ein Stück Weingeschichte. Erwähnung findet das Getränk bereits in Schriften römischer Autoren in der Antike und in Aufzeichnungen aus den Jahren 234 bis 149 vor Christus.

Ein guter Lambrusco wird aus reduzierten Erträgen hergestellt und hat nichts mit der ehemals bekannten Zwei-Liter-Abfüllung zu tun. Die Herstellung beinhaltet die traditionelle Maischegärung zur Extraktion der Inhaltsstoffe und Farbstoffe aus den Traubenschalen. Bei der zweiten Gärung wird der Luftausschluss avisiert (sogenannte Charmat-Methode), damit sich die feinen Aromen vollständig entfalten und der Wein seine kräftige Farbe erhält.

Lambrusco wird aus der gleichnamigen roten Rebsorte gekeltert, von der es allerdings noch einmal rund 60 verschie­dene Unter­arten gibt. Die Traube ist alt, sehr alt, ihre genaue Herkunft allerdings bis heute unbekannt. Am Ende entstehen daraus schäu­mende "Friz­zante"-Weine in den klassischen Geschmacks­rich­tungen…

  • trocken
  • halb­tro­cken
  • lieb­lich
  • süß

Durch die Herkunftskennzeichnung und regionale DOC-Einstufung (also einer geschützten Herkunftsbezeichnung) hat der Lambrusco zudem ein neues Image erhalten – weg vom Billigwein, hin zur italienischen Spezialität.

Eine besondere Flasche kostet mittlerweile zwischen 18 und 50 Euro. Das erinnert eher an Champagner wie Dom Perignon (der freilich noch teurer ist) als an Supermarkt-Fusel.

Lambrusco: Herkunft und Herstellung

Der Perlwein wird in der italienischen Weinbauregion Emilia-Romagna angebaut und hergestellt. Dort wächst die Rebe an sonnigen Hängen und entwickelt sich im mediterranen Klima prächtig.

Der größte Teil italienischer Lambruscos sind sogenannte DOC-Weine, die sich in vier Kategorien unterteilen (siehe unten). Durch die kontrollierte Herstellung wissen Genießer genau, aus welcher Region in der Emilia-Romagna ihr Wein kommt und wo die Trauben geerntet und der Wein produziert wurde.

Die Herstellung selbst beinhaltet zwei verschiedene Varianten, die maßgeblich über die Qualität und Eigenschaften des Lambruscos entscheiden:

  • Einfacher Lambrusco

    wird vergoren und als trockener Stillwein zwischengelagert. Die üblichen Kellertemperaturen sind zunächst ausreichend bis der Stillwein mit unvergorenem Most bei 2,5 Bar noch einmal vergoren wird. Die Mischung wird erst angehalten, wenn der gewünschte Zuckeranteil vorhanden ist. Der Stopp wird via Kälteschock vorgenommen.

  • Hochwertiger Lambrusco

    wird aus frisch gepresstem Most gewonnen, der bis zum Verkauf bei 0 Grad gelagert wird. Die Temperatur zur Vergärung und Zuckergewinnung wird erst bei Bestellung und nur für die verkaufte Menge gesteigert. Das Aroma dieser Weine ist intensiver und der Perlwein wirkt vollmundiger.

Im Handel sind häufig Mischformen aus beiden Herstellungsvarianten erhältlich, da die qualitativ hochwertige Erzeugung enorme Kosten und viel Zeit erfordert.

Besonders farb- und geschmacksintensiv sind vor allem die Sorten, die während der Herstellung auf 0 Grad gekühlt und erst vor dem Verkauf vollständig verarbeitet wurden. Aus diesem Grund hat sich das zeit- und kostenintensive Verfahren vor allem für hochpreisige Sorten etabliert.

Lambrusco Sorten – und der typische Geschmack

Die einzelnen Lambrusco-Sorten schmecken durchaus unterschiedlich. Ursache hierfür sind nicht nur die verschiedenen Herstellungsarten, sondern auch aus die unterschiedlichen Rebsorten beziehungsweise Unterarten der Trauben. So kann der eine Lambrusco süß und fruchtig schmecken, der andere aber schon wieder trocken und verhältnismäßig intensiv sein.

Typisch für den italienischen Wein sind vor allem Aromen von…

  • Brombeeren
  • Himbeeren
  • Kirsche
  • Maulbeeren

Sie bilden mit ihrer herben Süße das Grund-Bouquet. Dazu kommen sanfte Nuancen von Blüten, Blättern und Baumrinde, die die fruchtigen Noten untermauern und für einen abwechslungsreichen Abgang sorgen.

Lambrusco-Aromen-Frucht-Suess

Der typische Geschmack zeugt jedoch immer von genereller Leichtigkeit und angenehmen Fruchtaromen, die vor allem im Sommer und bei gut gekühlter Trinktemperatur zur Geltung kommen.

Die vier DOC-Zonen weisen jeweils unterschiedliche Aromen und Besonderheiten des Lambruscos auf. Es gibt also keinen typischen Geschmack, aber durchaus Wiedererkennungswerte bei allen Perlweinen dieser Rebsorte.

  • Lambrusco di Sorbara

    Beim Lambrusco di Sorbara handelt es sich um einen perlenden Rot- oder Roséwein, der seit einiger Zeit auch als hochwertiger Spumante hergestellt wird.

    Di Sorbara ist nicht nur der Name des Weines und Bestandteil der DOC-Kategorisierung, sondern auch der Name des Weinbaugebiets in der Emilia-Romagna. Nördlich der Stadt Modena gelegen, werden verschiedene Geschmacksrichtungen von Lambrusco Rosso oder Rosato hergestellt. Die Geschmacksrichtungen Secco, Amabile, Dolce und Abboccato kommen mit unterschiedlichem Zucker- und Säuregehalt. Der beste Lambrusco di Sorbara ist trocken und weist eine präsente Säure auf. Sein Alkoholgehalt liegt zwischen 10,5 und 12 Prozent. Ein Lambrusco di Sorbara ist der feinste DOC Wein dieser Kategorie und aus dieser Region.

  • Lambrusco Grasparossa

    Die Rebsorte für den Lambrusco Grasparossa di Castelvetro reift spät und wird erst Ende September bis Anfang Oktober geerntet. Die Anbauregion schließt 14 Gemeinden um Modena ein und bringt hohe Erträge besonders dunkler Trauben hervor, deren Schale besonders dick und einflussresistent ist. Während andere Lambrusco-Sorten eher hell sind, ist der Lambrusco Grasparossa dunkel bis tiefrot.

    Wegen dieser Eigenschaft tragen Perlweine aus diesem Anbaugebiet bei Kennern auch den Beinamen "Kunstblut".

    Die Eigenständigkeit der Rebe wurde im Jahr 2005 anerkannt und als besondere Lambrusco-Rebsorte identifiziert. Die Weine sind körperreich und verfügen über intensive Fruchtaromen die an Brombeeren oder Johannisbeeren erinnern. Gut gekühlt passt ein Lambrusco Grasparossa exzellent zu gegrilltem Fleisch, zu Pasta, Salaten und Käse.

  • Lambrusco Maestri

    Der Lambrusco Maestri ist ein trockener tiefroter Prickelwein. Pur ist er meist trocken, weshalb die Trauben häufig mit anderen Sorten vermischt werden. Die Traube reift spät und wird Ende September bis Mitte Oktober geerntet. Dabei erfolgt die Ernte grundsätzlich vor dem ersten Frost.

    Lambrusco Maestri dürfen sich nur Weine nennen, die in und um die Gemeinde San Pancrazio nahe Parma angebaut werden. Es handelt sich um einen DOC gekennzeichneten Perlwein, der ausschließlich im Einzugsgebiet der Villa Maestri, einem ehemaligen Herrschersitz und Weingut bei Parma angebaut wird. Wer trockenen Perlwein schätzt, genießt den vollmundigen Lambrusco Maesti am besten pur und gut gekühlt.

  • Lambrusco Salamino

    Beim Lambrusco Salamino handelt es sich um Cuvées aus mindestens 85 Prozent Salamino Trauben. Lediglich 15 Prozent dürfen aus anderen Trauben bestehen.

    Die DOC Kennzeichnung "Salamino" wurde 1970 zum ersten Mal als geschützte Herkunftsbezeichnung verwendet, deren Aktualisierung im März 2014 erfolgte. Der Anbau und die Herstellung müssen zwingend in den DOC registrierten Gemeinden um Modena erfolgen. Das riesige Anbaugebiet um Modena umfasst insgesamt 1648 Hektar Weinbaufläche.

    Lambrusco Salamino ist als roter Perlwein und Rosé zu finden. Die Weine sind leicht, prickelnd und fruchtig. Ihre angenehme Säure sorgt für ein halbtrockenes und angenehmes Bouquet. Die Geschmacksrichtungen variieren anhand der zugesetzten Trauben, die aus Lambruschi, Ancellotta und/oder Fortana bestehen dürfen. Auch eine Beimischung aller drei Rebsorten ist bei einem Lambrusco Salamino erlaubt.

Lambrusco trinken: Die optimale Trinktemperatur

Falls Sie inzwischen neugierig auf den neuen Lambrusco geworden sind: Bitte trinken Sie ihn nie lauwarm oder nach kurzem Lagern im Kühlschrank. Die optimale Trinktemperatur liegt bei 13 bis 14°C. Bei dieser Temperatur kommen die Aromen der Früchte optimal und intensiv zur Geltung und der Wein ist weder zu säuerlich noch zu süß.

Zugegeben, für einen Rotwein ist die Temperatur eher untypisch. Die Temperatur auf maximal 14°C erinnert eher an einen leichten Weißwein. Da Lambrusco aber perlt und zu den "frischen" Weinen zählt, wäre eine wärmere Temperatur dem Genuss eher abträglich. Zu kalt getrunken, bekommen Sie wiederum von den Aromen kaum noch etwas mit. Die angegebene Trinktemperatur gilt daher für jeden DOC Lambrusco und ist unabhängig von seiner jeweiligen Anbau- und Herstellungsregion.

Optimal passt der kühle italienische Wein zu Grillgut, zu Pasta oder zu einem Sommer-Salat. Oder natürlich auch ganz pur (und frappiert aus dem Weinkühler) auf der Sonnen-Terrasse am Abend…

Cheers!

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[Bildnachweis: nito by Shutterstock.com]

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