Grüner Veltliner: DIE Traube Österreichs

Wer einen Österreicher nach dem Grünen Veltliner fragt, wird erst einmal ziemlich irritiert. Da gibt es die einen, die ihn liebevoll "Pfefferl" nennen und die anderen, die ihn als "Weißgipferl" bezeichnen. Vor langer Zeit nannte man ihn auch noch "Grünen Muskateller". Und dann soll der Grüne Veltliner noch nicht einmal ein Mitglied der Veltliner-Familie sein…

Mit dem Roten Veltliner und dem Zierfandler hat die Weißwein-Traube und Rebsorte nichts gemein. Das ändert aber nichts an der Tatsache: Die Österreicher lieben ihren Grünen Veltliner.

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Grüne Veltliner: Nationalsorte Österreichs

Ungefähr ein Drittel, um die 35 Prozent, der gesamten Rebfläche in Österreich ist mit dem Grünen Veltliner bedeckt. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts ist sie die wichtigste und verbreiteste Weintraubensorte Österreichs.

Grüner Veltliner: Lage

Der Grüne Veltliner wächst wunderbar in der Donauregion Niederösterreichs. Überall entlang der Donau in der Wachau, der Wagram, im Kamptal und Kremstal kann man Weinberge mit ihm entdecken.

Ganz anspruchslos ist die Rebsorte aber nicht. Der Grüne Veltliner mag mittelschweren und leichten Lössboden, teilweise auch Granit. Aber der Boden darf nicht nicht zu trocken sein. Eine lange Trockenheit verträgt er nicht gut.

Auf der anderen Seite braucht die Traube wärmere Gefilde. Der Norden Europas käme für sie als Anbaugebiet nicht infrage. Der Grüne Veltliner freut sich, wenn das Wetter nicht schnell umschwenkt und liebt lange und gleichbleibende Vegetationsperioden. Denn er treibt früh aus und ist deshalb empfindlich gegenüber Spätfrost. Dafür gedeiht er länger und kommt später zur Reife.

Einfach haben es die Winzer mit ihm also nicht: Er soll anfällig für echten und falschen Mehltau sowie Traubenmilben sein. Auf der anderen Seite hat er eine dicke Beerenhaut, die ihn vor zahlreichen Pilzerkrankungen schützt.

Grüner Veltliner: Geschichte

Heimisch war der Grüne Veltliner schon im 18. Jahrhundert in Österreich. Nur nannte man ihn damals anders – Grüner Muskateller. Das ist schon etwas verwirrend.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts setzten sich die Bezeichnungen "Weißgipferl" oder "Grüner Veltliner" durch. Letzter ist auch heute noch sein offizieller Name.

Ab 1920 wurden die Trauben des Grünen Veltliners gezielt selektiert, was aber nichts daran änderte, dass er noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg eine Massentraube war. Nichts Besonderes. In den Siebzigerjahren wurde er qualitativ aufgewertet, bis sich dann in den Neunzigerjahren die ersten Weinkenner beeindruckt von ihm zeigten.

2003 bekam der Grüne Veltliner als erste Rebsorte das österreichische Siegel "Districtus Austriae Controllatus" (DAC). Er wurde damit als ein gebietstypischer Wein ausgezeichnet.

Wenn ein Grüner Veltliner diese Auszeichnung bekommen soll, muss er allerdings bestimmte Bedingungen erfüllen: keine Edelreife, keine Barrique- oder Holztöne, dafür maximal sechs Gramm Restzucker pro Liter und einen Alkoholgehalt von mindestens zwölf Prozent.

Heute hat der Grüne Veltliner teilweise einen Spitzenrang unter den europäischen Weißweinen.

Grüner Veltliner: Kreuzung von Traminer und St. Georg

Es hat lange gedauert bis herausgefunden wurde, von welcher Rebsorte der Grüne Veltliner abstammt. Die Veltliner-Familie war es ja nicht. Erst im Jahr 2000 wurde eindeutig geklärt, welchen Ursprung er hat.

Seine Verwandtschaft zu den Traminer-Trauben wurde schon früh geklärt, aber da gab es noch eine andere Ader, die lange Zeit unbekannt war: Der Heimatforscher Michael Leberl in St. Georgen brachte die Önologen im Jahr 2000 auf die richtige Spur.

In diesem Jahr fand er einen alten Rebstock, bei dem nicht zu bestimmen war, wo er herkam. Man nannte ihn aus diesem Grund einfach St. Georg. Önologen ließen den genetischen Abgleich machen und fanden heraus, dass der Grüne Veltliner von den Trauben des St. Georg abstammt. Der Grüne Veltliner ist also mit großer Sicherheit eine autochthone Traube Österreichs.

Grüner Veltliner: Qualitätsstufen

Wie bei jeder Rebsorte ist die Qualität abhängig von der Lage, den klimatischen Verhältnissen im Jahr des Wachstums und dem Ertrag. Die Spitzenwinzer des Grünen Veltliners legen Wert darauf, dass die Menge der Trauben am Stock gering bleibt. Die Trauben bilden dann facettenreiche Duft- und Geschmacksnuancen.

Grüner Veltliner: Steinfeder, Federspiel, Smaragd

1983 haben sich die Wachauer Winzer gemeinsam auf Qualitätsnormen und den Wachauer Codex geeinigt.

Die oberste Maxime ist, die Trauben so naturbelassen wie nur möglich zu lassen. Das bedeutet ein gesetzlich begrenztes Anbaugebiet, viel Handarbeit, keine Anreicherung oder Konzentrierung. Stattdessen wurden die Marken Steinfeder, Federspiel und Smaragd festgelegt.

Was verbirgt sich dahinter?

  • Steinfeder: Als Steinfeder wird das Gras in der Wachau bezeichnet. Es wächst auf hohen, felsigen Wiesen. Die Steinfeder findet man auf den Hüten, die zur Wachauer Tracht gehören. Steinfeder ist der leichteste Wachauer Qualitätswein mit maximal 11,5 Prozent Volumenalkohol. Steinfeder-Weine haben einen frischen, leicht fruchtigen Geschmack.
  • Federspiel: Als Federspiel bezeichnet man die kugeligen Beuteattrappen, die bei der Falkenjagd verwendet werden. Der Alkoholgehalt bei Federspiel-Weinen liegt zwischen 11,5 Prozent und maximal 12,5 Prozent Volumenalkohol. Federspiel-Weine sollen ein guter Begleiter zu vielen Speisen sein.
  • Smaragd: Typisch für die Weingärten in der Wachau sind die Smaragdeidechsen, die sich in den warmen Sommermonaten auf den warmen Trockenmauern zeigen. Die Smaragdeidechsen sind die Namensgeber für die höchste Qualitätsstufe der Wachauer Weine. Smaragdweine entstehen aus Trauben der besten Lagen und stammen meistens auch aus der späten Lese. Ihr Alkoholgehalt lieg bei mindestens 12,5 Prozent Volumenalkohol.

Grüner Veltliner: Geschmack

Der Grüne Veltliner hat eine große Geschmacksvielfalt: Sie reicht von jungen spritzigen Weißweinen bis hin zu Spitzenweinen. Letztere lassen sich im Übrigen ganz hervorragend lagern. Der Grüne Veltliner bringt ein ganz unterschiedliches Reifepotenzial von einem bis zu fünfzehn Jahren mit.

Das Erste, was der Gaumen beim Genuss des Grünen Veltliners wahrnimmt, ist sein frischer und mineralischer Geschmack. Bezeichnend ist die pfeffrige Würze, die der Grüne Veltliner mit sich bringt. Viele sprechen von einer starken Note von weißem Pfeffer und Tabak.

Daneben nimmt die Nase ein intensives Bouquet von Apfel, Birne und Zitrusfrüchten, insbesondere Ananas und Grapefruit wahr. Ältere Qualitätsweine haben zusätzlichen noch interessante Mandelaromen.

Der Grüne Veltliner wird oft trocken genossen, es gibt aber auch gute Süßweine, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen.

Grüner Veltliner: Preis

Der Flaschenpreis des Grünen Veltliners variiert wie bei vielen Weinen: Die einfachen guten Weine beginnen bei 5 Euro. Die Spitzenweine können bis zu 75 Euro kosten.

Foodpairing: Grüner Veltliner passt zu…

Wenn man den Österreicher fragen würde, zu welchen Speisen der Grüne Veltliner passt, wäre die klare Antwort: Selbstverständlich zu allen unseren österreichischen Speisen! Wir wollten es dann doch etwas genauer wissen – und haben herausgefunden: Der Grüne Veltliner passt hervorragend zu…

  • leichten Gerichten wie Honigmelone mit Schinken
  • Risotto
  • Meeresfrüchten
  • Fisch, insbesondere Flussfisch mit cremigen Soßen
  • und Geflügel

Prost!

[Bildnachweis: Bildagentur Zoonar by Shutterstock.com]

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