Barolo: Rotwein der Könige aus der Nebbiolo-Rebe

Erstmals erschien die Bezeichnung "Barolo" im Jahre 1730: Britische und italienische Handelsleute schrieben von einem restsüßen Nebbiolo-Rotwein. Doch damals wurden die spätreifenden Trauben mühsam im Winter gegoren. Erst im 19. Jahrhundert perfektionierten noble französische und italienische Winzer den Nebbiolo-Ausbau und machten ihn zu dem edlen Barolo, den wir heute kennen.

Barolo-Rotwein-Weinwissen-Italien

Barolo Wein: Name und Herkunft

Seinen Namen verdankt "Barolo" seinem Ursprungs- und Anbauort: Der Gemeinde Barolo in der norditalienischen Region Piemont. Es handelt sich dabei um einen trockenen Rotwein, der als italienischer Wein zu den renommiertesten Rotweinen Italiens zählt.

Trotz eines starken Weinbaurückfalls Italiens zu Kriegszeiten und eines immensen Methanolskandals im Jahre 1986, der den Ausbau des edlen Rotweins zu diesem Zeitpunkt fast halbierte, erntete der rote Italiener großen Ruhm.

Seit 1966 trägt er den Status "DOCG" ("Denominazione di Origine Controllata e Garantita" / kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung). Das bedeutet, dass er somit zu den besten Weinen Italiens gehört – auf der gleichen Höhe mit Amarone del Valpolicella und Brunello di Montalcino.

Barolo Rebsorte: Die Nebbiolo-Rebe

Ausgebaut wird er sortenrein aus Nebbiolotrauben. Die Bezeichnung "Nebbiolo" entstammt dem italienischen Wort "nebbia", was übersetzt "Nebel" bedeutet. Gemeint ist damit vor allem der weiße Belag, der sich bei Vollreife auf den Beeren bildet. Diese Bezeichnung wurde bereits im 13. Jahrhundert schriftlich erwähnt und blieb seitdem unverändert.

Die Nebbiolo-Trauben besitzen eine Reihe charakteristischer Eigenschaften, denen der Barolo einige seiner typischen Charakterzüge zu verdanken hat. Wichtig für den Ausbau ist, dass Nebbiolotrauben spätreifend und relativ frostbeständig sind. Das erklärt unter anderem ihre Lagerfähigkeit: Nebbiolo-Weine reifen nur sehr langsam, verlieren bei der Lagerung daher aber auch lange nicht an Qualität.

Die dunklen, fast schwarzen Beeren beinhalten vor allem in ihrer dicken Schale äußerst viel Tannin, was für den besonders hohen Säure- und Tanningehalt der Weine sorgt. Die Form der eher großen Nebbiolotrauben ist typisch walzenförmig. Obwohl die Beeren einen deutlichen Duft tragen, ist ihr Geschmack neutral.

Die offenen Triebspitzen der Rebe sind leicht rötlich und weißwollig überzogen. Die jungen Blätter sind gelblich mit bronzefarbenen Rändern. Die ausgewachsenen Blätter sind mittelgroß, dick, haben eine stumpfe Zahnung und kaum Behaarung, was ihren Glanz erklärt.

Anbau: Hier wird die Nebbiolo-Rebe zum Barolo

Die Nebbiolo-Rebe ist nicht nur ziemlich anfällig für Krankheiten, sondern auch anspruchsvoll, was Grund und Lage anbelangt. Der Boden muss kalkhaltig sein, die Lage – steil und nach Möglichkeit südlich.

Das erklärt, weshalb die Nebbiolo-Rebe fast ausschließlich in Italien angebaut wird – auf etwa 5.250 Hektar Rebfläche von weltweit insgesamt etwa 6.000 Hektar. Unter anderem aus diesem Grund ist die Liste der Nebbiolo-Anbaugebiete ziemlich überschaubar. Die Qualität der Beeren in anderen Anbaugebieten lässt bis heute stark zu wünschen übrig:

  • Argentinien
  • Brasilien
  • Mexiko
  • Schweiz
  • Südafrika
  • USA (Kalifornien, Maryland, Oregon)

Die italienischen Regionen, in denen die Nebbiolotraube angebaut wird, liegen nur teils in dem piemontesischen Gebiet, das mit der Qualitätsstufe "DOCG" ausgezeichnet wurde. Die meisten von ihnen gehören zu den historischen Anbaugebieten der Nebbiolo-Traube und wurden bereits vor 1909 mit ihr bebaut.

  • Barolo: DOCG, historischer Anbauort
  • Castiglione: DOCG, historischer Anbauort
  • Cherasco: DOC, Anbau seit 1966
  • Diano d’Alba: DOC, Anbau seit 1966
  • Falletto: DOCG, historischer Anbauort
  • Grinzane Cavour: Anbau seit 1909
  • La Morra: historischer Anbauort
  • Monforte d’Alba: historischer Anbauort
  • Novello: Anbau seit 1909
  • Roddi: DOC, Anbau seit 1966
  • Serralunga d’Alba: DOCG, historischer Anbauort
  • Verduno: Anbau seit 1909

Einige der heutigen Anbaugebiete kamen bereits 1909 zum Nebbiolo-Anbau hinzu. Andere wurden erst 1966 hinzugezogen und der dort entstehende Wein mit der Qualitätsstufe "DOC" versehen.

Barolo Wein: So wird er ausgebaut

Seit den 1980-ern haben sich sämtliche Barolo-Winzer abseits der größeren Handelshäuser selbstständig gemacht. So kann heute vermieden werden, dass einzelne Nebbiolo-Weine miteinander verschnitten werden. Das ermöglicht eine bessere Qualitätskontrolle und reinere Weine, die man gezielt empfehlen kann.

Ein Schutzkonsortium wurde einberufen, um den Überblick zu behalten über die diversen inzwischen aufgetauchten Bezeichnungen, die teilweise auf einer geographischen Verteilung beruhten, teilweise aber auch abstrakt und ausgedacht waren. Dieses Konsortium unterscheidet beim Barolo zwischen 170 unterschiedlichen geographischen Angaben, die allerdings im Bezug auf die Qualität des Weines kaum aussagekräftig sind.

Für seinen Ausbau von gelten besondere Regelungen. Werden diese nicht eingehalten, darf der gewonnene Wein nicht als Barolo bezeichnet werden. So darf beispielsweise nur Nebbiolo zu seiner Herstellung verwendet werden.

Die Trauben dürfen nur den bereits aufgelisteten Regionen entstammen und pro Hektar nicht mehr als acht Tonnen Ertrag erbracht haben. Seine Lagerzeit ist auf 38 Monate oder, für Barolo Riserva,auf 62 Monate festgelegt, von denen er mindestens 18 in einer Barrique lagern soll. Nach der vorgeschriebenen Lagerdauer darf das Gewicht des gewonnenen Weines nicht mehr als 70 Prozent des Gesamtgewichts der ursprünglich geernteten Trauben betragen.

Barolo-Geschmack

Besonders charakteristisch für den sogenannten "Wein der Könige und König der Weine" ist sein runder, säure- und tanninhaltiger Geschmack. Außerdem hat er mit mindestens 13 Volumenprozent einen ziemlich hohen Alkoholgehalt.

Häufig wird er als erdig, teerig oder schwer bezeichnet. In seinem Aroma schwingen diverse dunkle und fruchtige Noten mit:

  • Blumen
  • Dunkle Schokolade
  • Gewürze
  • Kirschen
  • Lakritze
  • Leder
  • Pfeffer
  • Pflaumen
  • Rosen
  • Rosinen
  • Rote Früchte
  • Tabak
  • Trockenfrüchte
  • Trüffel
  • Veilchen

Ausschlaggebend für den typischen Barolo-Geschmack sind unter anderem solche Faktoren wie der Boden, auf dem er angebaut wird oder seine Lagerung.

Boden und Lage

Deutliche Auswirkungen auf den Geschmack des Weines haben sowohl die kalkhaltigen Böden, als auch die südliche Lage der Anbauflächen.

Lagerung

Sind die Trauben erst geerntet, werden sie zunächst zusammen mit ihren Schalen als Barrique-Wein in Eichenfässern gelagert, was dem Wein eine tiefrote Farbe, einen fruchtigen Geschmack und sehr viel Tannin verleiht.

Die traditionellen 24 Tage Barrique-Lagerung erfordern weitere 15 Jahre Lagerung des Weins außerhalb des Fasses. Erst dann würde sich der Tanningehalt soweit eingependelt haben, dass man den Wein überhaupt genießen könnte.

Da Wein heute allerdings immer lieber jung getrunken wird, wird heute oft 16 bis 17 Tage in der Barrique und etwa fünf Jahre außerhalb gelagert.

Dazu passt Barolo

Als ziemlich kräftiger Rotwein passt er hervorragend zu deftigen, kräftig gewürzten Gerichten. Im Bezug auf Fisch- und Fleischgerichte heißt das: Je kräftiger, desto besser. Die Gewürze werden dabei durch den intensiven, tanninhaltigen Geschmack ausgeglichen. Besonders schmackhaft sind hierzu Rinderbraten, Lammkeulen, Gulasch Grillfleisch und Wild. Fisch darf dazu einen intensiven Eigengeschmack haben.

Auch Gemüsegerichte zum Barolo dürfen durchaus etwas intensiver sein. So verträgt er sich beispielsweise sehr gut mit Gemüseaufläufen wie Ratatouille oder stark gewürzten Pilzgerichten und Trüffeln.

Wird er zu Käse serviert, so sollte der Käse ebenfalls einen starken Geschmack haben. Hier kann auch gerne zu Blauschimmelkäse wie Gorgonzola gegriffen werden. Als Dessert schmeckt dazu dunkle Schokolade oder Crème Brûlée.

Serviert werden sollte der Barolo mit einer Temperatur von etwa 16°C, damit er zum Zeitpunkt des Genusses eine Trinktemperatur von etwa 18°C. Außerdem sollte er nach Möglichkeit in einem bauchigen Glas gereicht werden, in dem sich sein Aroma gleichmäßig ausbreiten kann.

Barolo Preis: Was kostet eine Flasche Barolo Rotwein?

Da es sich dabei um einen der renommiertesten italienischen Weine handelt, sollte auch der Barolo Preis angemessen sein. So kostet ein erschwinglicher, aber guter Barolo durchaus zwischen 30 und 60 Euro.

Wer jetzt allerdings entgegnet, er habe ihn bereits im Discounter für etwa zehn Euro gesehen, sollte wissen, dass solche Weine im Discounter-Regal lediglich einen oberflächlichen Eindruck von Prestige erzeugen sollen. Tatsächlich ist auch nur ein halbwegs annehmbarer Barolo allein schon aufgrund seiner Herstellungskosten und des damit verbundenen Aufwandes nicht unter 15 Euro zu haben. Um ganz sicher zu sein, kann man auch von mindestens 25 Euro pro Flasche ausgehen.

Aufgrund seiner Komplexität ist er vor allem für Weinliebhaber ein besonderer Zuckerschlecken. Wer also eine Vorliebe für Rotwein hegt, wird mit ihm sicherlich mehr als zufrieden sein.

[Bildnachweis: Alessandro Cristiano by Shutterstock.com]

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