Wein Kopfschmerzen: 5 Tipps gegen den Wein-Kater

Beitrag von Jochen // 2. April 2016 // 11:30

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Wein Kopfschmerzen: 5 Tipps gegen den Wein-Kater

Es gibt Menschen, die wählen Wein nur nach einer Frage aus: Bekommt man davon am nächsten Tag Kopfschmerzen? Zwar wird gerne behauptet, allein das letzte Glas sei irgendwie schuld oder gar verdorben gewesen. Tatsächlich aber gibt es einige Weine, die hinterher reichlich Kopfschmerzen und Kater verursachen.

Neben einem veritablen Kater kann das Kopf-Aua allerdings noch andere Ursachen haben:

  • Wetterfühligen etwa dröhnt die Birne, weil skandinavische Tiefausläufer mal wieder mit Azorenhochs wetteifern.
  • Anderen hämmert der Schädel, weil sie krumm oder zu nah am Bildschirm sitzen oder eigentlich eine Brille brauchen (das nennt sich dann Kopf.www).
  • Wieder andere leiden, weil ihr Zimmer schlecht durchlüftet ist oder falsch beleuchtet, weil der Lärm an ihren Nerven zehrt oder Stress und schlechter Schlaf.

Es gibt mehr als 160 Kopfschmerz-Arten

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft unterscheidet inzwischen schon mehr als 160 Arten des Brummschädels, darunter die Migräne, den Spannungskopfschmerz, die in Attacken auftretenden einseitigen Clusterkopfschmerzen, bis hin zu Exoten wie Kopfweh bei sexueller Aktivität oder den Donnerschlagkopfschmerz. Der fühlt sich genauso an, wie er heißt.

Der Wein ist also nicht an allem schuld – oder wie es Paracelsus sagen würde: Die Dosis macht das Gift.

Falls der Wein aber doch die Ursache der Kopfschmerzen ist, liegt das – wie landläufig angenommen -, gar nicht mal an den enthaltenen Tanninen, sondern vielmehr an den enthaltenen Histaminen, auf die manche allergisch reagieren – teils auch mit Brummschädel am Morgen danach – sowie am Schwefel im Wein:

Migräne von Histamin und Schwefel

  • Histamin

    Die stickstoffhaltige Verbindung ist eigentlich ein Botenstoff, der etwa bei einer Entzündung eine entsprechende Reaktion des Immunsystems auslöst. Histamin kommt in diversen Lebensmitteln vor, in Tomaten, Bier, Sauerkraut ebenso wie manchem Hartkäse, und wird normalerweise durch körpereigene Enzyme wieder abgebaut. Im Wein entsteht Histamin als Nebenprodukt, wenn die Säure biologisch abgebaut wird. Der Wein wird dann gerne als „bekömmlicher“ empfunden, ist er aber unter Umständen gar nicht. Vor allem, wenn man dem Körper beim Weingenuss mehr Histamin zuführt, als der in der Zeit abbauen kann. Dazu reichen schon bis zu 8 Mil­li­gramm. Die Folge: eine allergische (Abwehr-)Reaktion – und die kann in Kopfweh münden, manchmal auch in Hautrötungen oder Juckreiz.

  • Schwefel

    Kopfschmerzen wegen des enthaltenen Schwefels im Wein sind heute nur noch selten, insbesondere bei deutschen Weinen, weil die kaum noch Schwefel enthalten. Es gibt aber durchaus Menschen, die auf dieses chemische Element besonders empfindlich reagieren, öfter mit Bauchschmerzen, aber auch mit Kopfschmerzen. Der Alkohol tut freilich auch noch seinen Teil dazu. Für Betroffene ist das allerdings ein schwacher Trost, dass sie zu den seltenen Ausnahmen gehören.

Heute weiß man, Hauptverursacher von den Kopfschmerzen nach dem Weingenuss sind – neben Alkohol – die sogenannten biogenen Amine, zu denen auch die Histamine gehören.

Schlecht daran: Weine, die garantiert histaminfrei sind, würde niemand trinken wollen. Sie schmecken einfach nicht mehr gut. Dann vielleicht doch lieber weniger und maßvoller trinken.

Wein ohne Kater: Forscher entwickeln neue Hefe

Aktuell entwickeln Wissenschaftler der Universität von Illinois eine genetisch veränderte Hefe, die den Wein nicht nur gesünder machen, sondern auch jene Stoffe reduzieren soll, die die Kopfschmerzen verursachen.

Zum Einen, so erklärt es der Studienleiter Yong-Su Jin, könne mithilfe der manipulierten Hefe der Resveratrol-Gehalt im Wein um das 10-Fache oder mehr erhöht werden. Resveratrol gilt als natürlicher Wunderwaffe und Gesundmacher im Rotwein. Gleichzeitig würden die neuen Enzyme dafür sorgen, im Fermentationsprozess unliebsame Giftstoffe, die den Kater verursachen, zu minimieren.

5 Tipps, wie Sie den Wein-Kater bekämpfen

Zwar gibt es inzwischen einige verlässliche Medikamente gegen Kopfschmerzen und Kater, darunter etwa Ibuprofen, Naproxen oder Ergotamin. Vor deren Anwendung sollten Sie aber immer einen Arzt oder Apotheker fragen, das Zeug ist nicht ohne Nebenwirkungen. Besser ist es da, die Schmerzen erst gar nicht entstehen zu lassen. Dazu hier ein paar Empfehlungen:

  • Wasser.

    Der beste Tipp ist zugleich der simpelste: viel trinken! Aber nicht Alkohol, sondern natriumreiches und magnesiumhaltiges Wasser (ohne Kohlensäure). Ein Glas pro Stunde ist ideal. Denn Alkohol entzieht dem Körper Flüssigkeit. Falsch dagegen: viel Kaffee am Katermorgen. Der entwässert zusätzlich. Besser sind Fruchtsäfte und eine Gemüsebrühe – die geben dem Körper Mineralien zurück. Absolut tabu: der erneute Griff zum Alkohol. Der dimmt nur Symptome.

  • Honig

    Und zwar am Morgen danach. Honig enthält Friktose – und die hilft anders als Zucker, Alkohol abzubauen. Alternativ gehen auch Tomatensaft, Salzstangen, Rollmöpse, Essiggurken. Vorsicht dagegen mit Medikamenten! Viele stehen auf den Blutverdünner Aspirin vor dem Schlafengehen. Hilft, ist aber nicht gesund. Noch gefährlicher: Paracetamol mit Alkohol. Kann Leberschäden verursachen.

  • Eiweiß

    Die Aminosäuren darin helfen der Leber. Auch gut: Hühnerfleisch, Lachs, Ölsardinen, Frischkäse, frisch gepresster Orangensaft, Papaya wegen der Enzyme. Scharfes – mit Chili – hilft auch. Nur keine hart gekochten Eier – zu schwer verdaulich. Und keinen Zucker – schlecht für die Leber.

  • Sauerstoff

    Ein Spaziergang an der frischen Luft bringt nicht nur der Kreislauf in Schwung, sondern versorgt den Körper mit Sauerstoff. Alternative: Stoßlüften. Die Raumtemperatur sollte zudem zwischen 19 und 22 Grad liegen. Und achten Sie im Sommer wie im Winter auf ausreichend Luftfeuchtigkeit.

  • Massage

    Eine leichte Schläfenmassage mit Pfefferminzöl kann den akuten Schmerz lindern helfen. Dazu reiben Sie mit leichtem Druck von zwei Fingern sowie langsam kreisenden Bewegungen auf Schläfe oder Nacken. Wer einen hilfsbereiten Freund hat, kann den bitten, mit seinen beiden Daumen und etwas Akupressur den Nacken zu bearbeiten. Dabei drückt man mit den Spitzen der Daumen auf bestimmte Muskelregionen, bis der Behandelte ein deutliches Druck-, Taubheits- und Schweregefühl bekommt. Ziel ist, dadurch die Durchblutung anzuregen und Blockierungen in den Meridianen zu beseitigen. Oft reichen dafür schon fünf bis zehn Minuten.

Extra-Tipp: Nicht durcheinander tinken

Tipp-IconWer die Wirkung des Alkohols etwa auf einer Party verzögern will, sollte vorab Fettiges essen – Lachs, Pommes, ein Gläschen Olivenöl, wie der Münchner Immunologe und Katerspezialist Peter Schleicher empfiehlt. Und generell: Nie Alkoholarten mixen. Einmal mit Wein begonnen, bleiben Sie beim Wein.

Und zum Ende des Abends hin nur noch Wasser trinken. Nicht wenige Menschen bekommen nachts einen Schlaganfall, weil Sie über den Alkohol zu viel Flüssigkeit verlieren. Folge: Das Blut dickt ein, thrombotische Verschlüsse, Schlaganfall.

Erste Hilfe gegen Kopfschmerzen:

[Bildnachweis: Andresr by Shutterstock.com]




2 Kommentare

  1. 26.03.2014

    Lieber Jochen,

    vielen Dank für diesen hilfreichen Artikel! :-)
    Ich habe schon immer Probleme, wenn ich Wein trinke (bzw. getrunken habe) und teilweise schon nach gerade mal einem halben Glas Kopfschmerzen. Vom nächsten Tag ganz zu schweigen! Ich habe noch nie Alkohol im Übermaß getrunken und war, soweit ich mich erinnern kann, noch nie das, was andere als „betrunken“ bezeichnen.
    Da ich aber fast JEDES Mal nachdem ich etwas Alkoholisches getrunken habe (meistens war das eben Wein), 2-3 Tage am Stück migräneartige Kopfschmerzen hatte, trinke ich mittlerweile GAR NICHTS mehr! Erklären konnte ich das nie wirklich. Jetzt weiß ich endlich, woran das liegt.
    Ich dachte mir zwar schon immer, dass ich wohl in irgendeiner Art und Weise „allergisch“ bin auf Alkohol (oder eben speziell auf Wein), aber erkläre das mal den anderen. Da wird man ja nur belächelt…

    Mich würde mal interessieren, ob in Martini auch so viele Histamine enthalten sind oder ob ich es mal wieder riskieren könnte, ein Gläschen zu trinken. Ich traue mich wirklich nicht mehr, irgendwas Alkoholisches anzurühren, da ich Angst habe, wieder eine größere Kopfschmerzattacke zu bekommen. Da man mich an solchen Tagen dann zu nichts mehr gebrauchen kann, möchte ich das natürlich vermeiden.
    Also falls Du Dich auch noch in Sachen Martini auskennst, lass es mich wissen. Das wäre toll! :-)

    LG
    Vero

  2. 10.01.2016

    Sehr informative und interessante Webseite.

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