Wein Alkoholgehalt: Wie viel ist wo drin?

Beitrag von Jochen // 18. November 2016 // 19:00

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Wein Alkoholgehalt: Wie viel ist wo drin?

Weine gehören zu den Leuchttürmen der Trinkkultur. Die Bandbreite an Traubenarten, geografischer Lage und Aufbereitung verleiht dem Getränk eine riesige Auswahl an Eigenschaften.

Abgesehen von Farben, Geruch und Geschmack gehört der Wein Alkoholgehalt zu den herausragenden Bewertungs- und Beliebtheitskriterien.

Während ein leichtgewichtiger Federweißer aus der frischen Weißweinherstellung vier bis fünf Volumenprozent mitbringt, verfügen trockene und schwere Rotweine oft über den dreifachen Alkoholgehalt. Portweine und Sherry erreichen bis zu 20 Prozent.

Die natürliche Obergrenze des Alkoholgehalts, die im Traubengärungsprozess erreicht wird, liegt bei rund 15 Volumenprozent. Welcher Alkoholgehalt im Wein entsteht, setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen, an der sowohl die Rohstoffe als auch die Herstellungs- und Verarbeitungsweise beteiligt sind.

Weinarten und Gärungsmethode

Ein wichtiger Orientierungspunkt für den Alkoholgehalt im Wein ist die Dauer des Gärungsvorgangs. Da der Alkohol grundsätzlich aus dem in den Trauben enthaltenen Zucker entsteht, steigt der Alkoholgehalt mit zunehmender Gärungszeit.

Ganz generell erklärt sich der geringere Wein-Alkoholgehalt bei weißen und roséfarbenen Weinen gegenüber Rotweinen durch die kürzere Gärungszeit.

Vereinfacht gesagt wird bei der Mostgärungsmethode für weiße und roséfarbenen Weine der aus dem Auspressen entstehende dünnflüssige Most direkt verwendet. Das Fruchtfleisch und die Häute, als Trester bezeichnet, werden dabei abgetrennt.

Für Rotweine muss aus gestampften und gemahlenen vollständigen Trauben eine Maische hergestellt werden. Die Maischgärung dauert länger, da während des Vorgangs auch die Farbstoffe aus den Trauben gelöst werden müssen. Eine weitere Verzögerung entsteht durch das, sich an die Gärung anschließende, Auspressen und Entfernen des Tresters. Diese langwierigere Prozedur erlaubt dem Wein, einen höheren Anteil Zucker zu Alkohol umzuwandeln.

Die Mehrzahl der Weißweine verfügen wegen des kürzeren Herstellungsprozederes über einen geringeren Wein Alkoholgehalt.

Dazu kommt, dass viele Verbraucher und Weinkenner weiße Weine als leichte, nicht durchgegorene und eher liebliche Weine bevorzugen.

Ähnliches gilt für Roséweine, bei denen im Prinzip das Gärungsprinzip des Weißweins mit roten Trauben als Ausgangsstoff übernommen wird. Die „unvollständige“ Rotfärbung entsteht, weil die Trauben nicht genug Zeit bekommen, um ihre Farbstoffe an den Most ausreichend abzugeben.

Rebsorten und Reifungsdauer

Untrennbar mit dem Wein Alkoholgehalt sind auch die verwendeten Rebsorten verbunden. Die unterschiedlichen Traubenarten und Typen reagieren bei vergleichbar ähnlichen Kelterungsvorgängen unterschiedlich.

Als Ausgangsvoraussetzung ist der Zuckergehalt für den späteren Wein Alkoholgehalt verantwortlich. Um den Alkoholgehalt im Wein zu erhöhen, ist das Anreichern des Mosts oder der Maische durch Zugeben von Zucker vor der Gärung unter gewissen Bedingungen erlaubt.

Einen weiteren Unterschied gibt es den Reifungsdauern der unterschiedlichen Rebsorten.

Auch von den Umgebungsbedingungen abhängig steigt der Zuckergehalt und damit später mögliche Wein Alkoholgehalt bei längerer Reifezeit an. Um die für den Geschmack unverzichtbare Balance zwischen Zucker und Säure zu erhalten, können nicht alle Rebsorten an jedem Standort gepflanzt und gezüchtet werden.

Generell werden Reben in kühleren nördlichen Anbaugebieten eher schnell reifend gewählt und in sonnigen Südlagen eher mit langen Zeiträumen zwischen Blüte, Reife und Lese. Aus diesem Grund ist der Wein Alkoholgehalt beispielsweise deutscher Weine durchschnittlich geringer als der bei italienischen und spanischen Produkten.

Herkunft und Gärungsdauer

wein-alkoholgehalt-alkohol-bestimmenDer Wein Alkoholgehalt aus sonnigen, in Europa vornehmlich südlich gelegenen, Anbauregionen liegt wegen der Rebsorten und den äußeren Wachstumsbedingungen höher als bei Produkten aus gemäßigteren Klimazonen.

Allerdings ist auch hier die Balance zwischen Zucker und Säure ausschlaggebend. Die einfache Faustformel: Je mehr Sonne, desto besser funktioniert im Weinbau nicht.

Der Alkoholgehalt ist ein Ergebnis des zu einem geplanten Zeitpunkt abgebrochenen Gärungsvorgangs. Durchgegoren hat das Ergebnis den höchstmöglichen Wein Alkoholgehalt, der dem ursprünglichen Zuckergehalt entspricht.

Bei den meisten Rebsorten und Herkunftslagen leidet dadurch die geschmackliche Ausgewogenheit. Der hohe Alkoholgehalt sorgt für unerwünschte Geschmacknuancen. Süße Trauben, die aus intensiver Sonneneinstrahlung und fruchtbarsten Böden stammen, werden durch das Abkürzen der Gärungsprozesse daher oft „heruntergeregelt“. Trockene, halbtrockene und liebliche bis süße Weine erhalten ihre Geschmacksnoten auf diesem Weg.

In der Folge haben liebliche Weine eine Obergrenze von etwa elf Volumenprozent an Wein Alkoholgehalt, halbtrockene Tropfen etwa bis zu zwölf und trockene Varianten mindestens zwölf Volumenprozent.

Weingehalte gängiger Trauben- und Weinsorten

Abgesehen vom benebelnden Aspekt ist der Wein Alkoholgehalt der verschiedenen Weine auch aus geschmacklichen und gesundheitlichen Gründen wichtig

Folgende Wein- und Traubensorten haben nach Gruppen geordnet folgende Volumenprozente:

Liebliche Weißweine

  • Federweißer: 4 bis 5 Prozent
  • Gewürztraminer: 8 bis 12 Prozent
  • Grauburgunder: 8,5 bis 11,5 Prozent
  • Weißburgunder: 9 bis 10,5 Prozent
  • Muskateller: 9 bis 11 Prozent
  • Müller-Thurgau: 9,5 bis 11,5 Prozent
  • Chardonnay: 10 bis 13 Prozent
  • Grüner Veltiner: 12,5 Prozent

Trockene Weißweine

  • Muskateller: 11 bis 12,5 Prozent
  • Müller-Thurgau: 11 bis 13 Prozent
  • Sauvignon-Blanc: 11 bis 13,5 Prozent
  • Grauburgunder: 11 bis 13,5 Prozent
  • Chardonnay: 11,5 bis 13,5 Prozent
  • Weißburgunder: 11 bis 14 Prozent
  • Silvaner: 11 bis 14 Prozent

Liebliche Rot- und Roséweine

  • Zinfandel rosé: 9 bis 10 Prozent
  • Dornfelder: 9 bis 11,5 Prozent
  • Spätburgunder: 9 bis 12 Prozent
  • Portugieser rosé: 9,5 bis 12 Prozent
  • Grenache: 9,5 bis 12 Prozent
  • Lemberger: 10 bis 12 Prozent

Trockene Rotweine

  • Dornfelder: 11,5 bis 13 Prozent
  • Zweigelt: 11,5 bis 14 Prozent
  • Cabernet Sauvignon: 11,5 bis 14,5 Prozent
  • Spätburgunder: 12 bis 14,5 Prozent
  • Grenache & Merlot: 12 bis 15 Prozent
  • Tempranillo: 12,5 bis 14,5 Prozent
  • Shiraz & Syrah: 13 bis 15,5 Prozent

Über das Gewicht des Alkohols die Menge ausrechnen

Weinetikett-richtig-lesen-Grafik

Um den Wein Alkoholgehalt in seiner Dosierung und Wirkung richtig einschätzen zu können, müssen die auf Weinflaschen angegebenen Volumenprozente in die Alkoholmenge in Gramm umgerechnet werden. Dafür wir die Menge in Millilitern mit den durch hundert geteilten Volumenprozenten multipliziert und das Ergebnis mit 0,8 multipliziert.

Beim Wert 0,8 handelt es sich um das spezifische Gewicht von reinem Alkohol. In einer Formel ausgedrückt wird der Wein Alkoholgehalt als Alkoholmenge so ausgerechnet:

Trinkmenge in Millilitern (ml) x Volumenprozent (%) geteilt durch 100 x 0,8 = Alkoholmenge in Gramm

Typisches Beispiel: Ein Glas Wein mit einer Flüssigkeitsmenge von 100 Millilitern bei elf Volumenprozent ergibt 8,8 Gramm reinen Alkohol. Mit dem Genuss einer Flasche dieses Weines hat der Trinkende 88 Gramm reinen Alkohol zu sich genommen.

Die Definitionen, welche Alkoholmenge als gesund und unschädlich zu betrachten ist, sind umstritten und von unterschiedlichen Lehrmeinungen geprägt.

Die Genussmenge ist zudem eingebettet in äußere Faktoren wie körperliche Verfassung, gesundheitliche Konstitution und Trinkgewohnheiten. Im Allgemeinen werden für Weinliebhaberinnen 20 und für Weinliebhaber 30 Gramm als „gesunde“ Obergrenze gewertet.

Glas-Wein-pro-Tag-maximal

Wer ausrechnen will, wie viel Promille er oder sie im Blut hat, benötigt ebenfalls die konsumierte Alkoholmenge in Gramm. Dieser Wert wird in Beziehung zum vorhandenen Flüssigkeitsanteil im Körper gesetzt. Das Blut ist dabei nur ein Flüssigkeitsreservoir, das von Gewebe und Organen begleitet wird.

Im Rechenweg ausgedrückt, wird der Wert der Alkoholmenge in Gramm durch die Körperflüssigkeitsmenge in Kilogramm geteilt, die vom Körpergewicht abgeleitet wurde.

Das Ergebnis ist allerdings immer nur ein ungefährer Annäherungswert. Neben den Genannten gibt es weitere Variablen wie Mageninhalt und Körpergewicht, die eine Rolle spielen.

Wer mit einem Glas Wein etwa neun Gramm reinen Alkohol aufnimmt, 50 Kilogramm wiegt und einen Flüssigkeitsanteil von 70 Prozent besitzt, errechnet den Promillewert so:

9 g Alkohol geteilt durch 50 kg Gewicht multipliziert mit 0,55 % Flüssigkeit = 0,33 Promille

Alkoholfreier Wein und Sekt enthält Restalkohol

Da der Wein Alkoholgehalt in einigen Lebenssituationen entscheidenden Einfluss hat, bieten Winzer auch alkoholfreie Weine und artverwandte Getränke an.

Die Bezeichnung alkoholfrei ist allerdings irreführend beziehungsweise nicht korrekt. Das Verfahren zum Entziehen des Alkohols ist nicht in der Lage, den Alkoholgehalt im Wein auf Null zu senken. Im luftleeren Raum wird dem Wein ein Großteil des Alkohols entzogen, aber ein Restbestand bleibt.

Wenn dieser Restgehalt unter 0,5 Volumenprozent gesunken ist, darf der Wein als alkoholfrei bezeichnet werden.

Wenn eine vollkommene Alkoholabstinenz gewünscht oder erforderlich ist, dürfen alkoholfreie Weine nicht getrunken werden. Bezüglich der Arbeitssicherheit und Verkehrstüchtigkeit können aber signifikante Mengen konsumiert werden, ohne den einschränkenden oder verbotenen Promillewert im Blut zu erreichen.

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[Bildnachweis: Africa Studio, Dmitri Ma by Shutterstock.com]




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