Kleine Weinlese: Woran man einen guten Wein erkennt

Beitrag von Jochen // 9. Mai 2012 // 19:02

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Kleine Weinlese: Woran man einen guten Wein erkennt

Im Grunde ist es ganz einfach, einen guten Wein zu erkennen: Flasche auf, Glas einschenken, riechen, ansehen, trinken. Schmeckt er lecker, ist es ein guter Wein.

Den meisten Deutschen mit ihrem Faible fürs Analysieren, Theoretisieren und Legitimieren erscheinen solche Methoden suspekt. Zu simpel. Aber gut, warum einfach, wenn es auch komplizierter geht!? Zugegeben, es gibt auch einen detaillierten Weg guten von schlechtem Wein zu unterscheiden. Oder sagen wir: Es gibt ein paar Indizien, die für oder gegen die Noblesse eines solchen Tropfens sprechen. Diese:

5 Merkmale, woran sich die Qualität des Weins offenbart:

Wie sieht er aus?

So wie man Bücher nicht nach dem Cover beurteilen sollte, ist auch die Weinfarbe kein wirklich verlässlicher Indikator für dessen Qualität. Trotzdem sagt sie etwas über den Wein aus…

Farben

Bodensatz

    • Ausgenommen davon ist aber Weinstein und bei Rotwein das sogenannte Depot. Dieser Bodensatz besteht hauptsächlich aus Farb- und Gerbstoffen, die der Wein meist nach längerer Lagerung ausscheidet. Einen solchen Wein sollten Sie vor dem Trinken dekantieren, um den „Satz“ vom Wein zu trennen.

Schaumansatz

    • Bedenklicher ist dagegen die Bläschenbildung beim Einschenken von Rotwein. Ein gut ausgebauter Rotwein hat solche Gärgase bereits bei seiner Reifung im Holzfass ausgeschieden. Da ist das auch normal. Sehen Sie einen solchen Schaumansatz indes auch bei Ihrem Rotwein (der kein Schaumwein ist), dann spricht das für eine Nachgärung in der Flasche – und dafür, dass der Kellermeister Murks gemacht hat. Auch wenn das oft nur Kohlensäure ist – die Nachgärung verleiht dem Wein unerwünschte Nebenaromen, die keiner will.

Wie riecht er?

Guter Wein riecht nicht – er duftet. Frisch, nach Früchten, Gewürzen. Nehmen Sie indes ein Odeur von Essig, Schwefel, faulen Eiern oder gar Kuhdung wahr, lassen Sie die Flasche lieber stehen. Der Wein ist umgekippt und nicht mehr genießbar und macht allenfalls Kopfschmerzen.

Weinbouquet

    • Das sogenannte Weinbouquet sollte dennoch eindeutig, harmonisch und klar erkennbar sein. Sind die Aromen diffus, unausgewogen und streng, spricht das für Fusel. Erst recht, wenn der Wein parfümiert riecht: Finger weg! Gerade bei Rotweinen kann es aber auch schon mal recht spannungsgeladene Duftnoten geben – zum Beispiel eine Mixtur aus Tabak, Lakritze und rotem Fleisch. Das muss kein schlechtes Zeichen sein, im Gegenteil: Es könnte sich um einen sehr aufregenden Rotwein und Gaumenkitzel handeln…

Wie viel Alkohol hat er?

Der Alkoholgehalt gehört verpflichtend auf das Weinetikett, sagt aber zunächst mal nichts über dessen Qualität aus. Denn je mehr vorher Zucker in den Trauben war, desto mehr Alkohol wird daraus im Gärungsprozess.

Volumenprozent

    • Reife Trauben wie die aus Spätlesen haben natürlich mehr Zuckergehalt. Ebenso die Trauben aus warmen südlichen Ländern. Ein geringer Alkoholgehalt kann also auch dafür sprechen, dass zuckerarme oder unreife Trauben verarbeitet wurden (zum Beispiel deutsche Eisweine). Oder dass der enthaltene Zucker eben noch nicht vollständig in Alkohol umgewandelt wurde, wie das häufig bei Beerenauslesen und sehr süßen Weinen der Fall ist. Die haben oft kaum mehr als 8,5 bis 10,5 Volumenprozent. Allerdings versuchen viele Winzer ihre Weine zu veredeln, indem Sie beispielsweise nur volle reife Trauben verwenden. Entsprechend steigt damit später auch der Alkoholanteil auf 12 bis 14 Volumenprozent. Daraus ergibt sich zumindest eine Faustformel: Ein trockener Wein (bei dem aller Zucker in Alkohol vergoren wurde) mit weniger als 12 Volumenprozent kann kein großer Wein sein.

Wie schmeckt er?

Jede Rebsorte schmeckt anders. Und was einem davon wiederum mehr oder weniger gefällt, ist reine Geschmacksache.

Harmonie im Geschmack

    • Wenn Sie also einen guten Wein am Geschmack erkennen wollen, sollten Sie eher auf dessen Ausgewogenheit achten: Wie harmonieren Frucht und Säure? Schmeckt er samtig und weich oder eher rassig und dramatisch oder gar elegant? Stehen beim Rotwein Tannin (pflanzlicher Gerbstoff) und Körper in einem ausgewogenen Verhältnis? Und hat der hochprozentige Wein auch genug Würze und Extrakt, also etwa Glyzerin, Tannin und Mineralien, die seinen Körper und Charakter ebenfalls ausmachen? So kann ein an sich trockener Wein mit 14 Volumenprozent trotzdem noch süßlich schmecken. Das liegt dann meist am Glyzerin, einer Art Edelalkohol im Wein, der sich meist beim Schwenken am Glasrand offenbart – durch die sogenannten Tränen. Das farblose, dickflüssige Glyzerin schmeckt tatsächlich süß. Ist viel davon im Wein vorhanden, sprechen Fachleute auch von der “Extrasüße”.

Wie schmeckt er danach?

Kein Scherz: Ein guter Wein hat immer auch einen Nachgeschmack. Der Profi redet dabei meist etwas blumiger vom Abgang. Ist aber dasselbe.

Abgang

  • Je länger der Wein nach dem Schluck im Gaumen, auf der Zunge und in der Nase nachhallt, desto mehr spricht das für seine Klasse. Vorausgesetzt freilich, der Abgang ist lecker. Ein Dogma sollte man daraus allerdings auch nicht machen: Ein frisch-fruchtiger Weißwein, im Sommer kalt auf der Terrasse genossen, braucht keinen langen Nachgeschmack, um einen selig zu machen und den Gedanken beim Verklären zuzusehen…

PS: Als Kirchenfenster bezeichnet man jene Schlieren, die entstehen, wenn man den Wein im Glas geschwenkt hat. Mitverursacher dafür ist das enthaltene Glyzerin. Entsprechend sind große, weite Bögen ein Indiz für einen geringen Alkoholgehalt des Weins; schmale, spitze Bögen dagegen verraten Hochprozentiges.

Infografik: Guten Wein erkennen und genießen

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2 Kommentare

  1. 10.10.2014

    Prima, gefällt mir sehr. Hat mir sehr geholfen.

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