Wein schwenken – aber richtig

Beitrag von Jochen // 18. Juli 2013 // 19:38

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Wein schwenken - aber richtig

Na, wie viel Umdrehungen hat Ihr Wein denn so? Wer diese Frage stellt, meint in der Regel den Alkoholgehalt. Muss er aber nicht. So mancher Weinliebhaber gönnt seinem Wein schließlich auch ein paar Extra-Runden im Glas, bevor er einen Schluck davon trinkt. Angeblich, um Luft an den Wein zu lassen und dessen Aromen besser zur Geltung zu bringen. Aber stimmt das auch?

Hilft Weinschwenken wirklich und falls ja: Wie geht es richtig?

Kurze Antwort: Ja, das Ritual wirkt tatsächlich. Wein reagiert mit der Luft, insbesondere mit dem Sauerstoff darin. Und je stärker er damit in Berührung kommt, desto stärker verändert sich sein Odeur, aber auch sein Geschmack. Nicht immer zum Vorteil – aber gut, wenn man das vorher schon riechen kann.

Es gibt aber noch einen zweiten Grund: Das Weinschwenken verteilt den Rebsaft im Glas und benetzt dessen Wände. Folge: Wenn Sie anschließend Ihre Nase hineinhalten, nehmen Sie dessen Bukett und die verschiedenen Aromen von Früchten, Kräutern, Tabak oder Leder viel intensiver und nuancierter wahr.

Kurzum: Sie können mehr vom Wein genießen.

Richtig das Weinglas schwenken – so geht’s

Studie-WeinschwenkenAls ich mich mit dem Thema beschäftigte, war ich allerdings mehr als überrascht, dass es dazu sogar einige wissenschaftliche Studien gibt, wie man den Wein richtig im Glas schwenkt. Echt jetzt.

Schweizer Forscher um Mohamed Farhat von der Ecole Polytechnique Federale in Lausanne etwa konnten zeigen, dass die optimale Schwenkbewegung eine Art kreisende Welle ist. Denn bei dieser Schwenkbewegung wird der Wein im Glas sanft und zugleich effektiv durchmischt und damit auch mit Sauerstoff versorgt. Dabei, so Farhat, entstehe eine Art Pumpen, das den Wein von unten nach oben spült und umgekehrt.

Wissenschaftler der Cornell Universität sind sogar noch einen Schritt weitergegangen und haben dazu regelrecht eine Formel für perfektes Weinschwenken errechnet. Kein Scherz. Danach hängt die optimale Rotation im Glas von drei Faktoren ab:

  • Dem Durchmesser des Glases.
  • Der Drehgeschwindigkeit des Weins im Glas.
  • Und den Fliehkräften, die dabei auf den Wein einwirken.

Und weil das Ganze genau wie bei einer Welle funktioniert, kann diese eben auch brechen. Bei einem Merlot liegt dies angeblich bei 40 Prozent der Gravitationskräfte, die auf ihn einwirken. Oder anders gesagt: bei einer Geschwindigkeit von ungefähr vier Metern in der Sekunde. Ich weiß, was Sie jetzt denken…

Ich überbringe die Nachrichten ja nur! Falls Sie mir nicht glauben: Sehen Sie sich ruhig mal das Video dazu an, die meinen das wirklich ernst:

Links rum oder rechts rum schwenken?

Es gibt sogar Weinkenner, die meinen einen Unterschied zu erkennen, je nachdem wie herum sie ihr Weinglas schwenken.

  • Links herum – also gegen den Uhrzeigersinn – sollen demnach die Tannine stärker zum Ausdruck kommen;
  • rechts herum – also mit dem Uhrzeigersinn – treten indes die Fruchtaromen in den Vordergrund.

Ich persönlich glaube zwar, das ist Quatsch. Aber probieren geht bekanntlich über studieren.

Und wie geht es nun richtig?

Ganz ehrlich? Nehmen Sie ein schönes, bauchiges und hohes Glas und schwenken Sie es, so wie es Ihnen gefällt. Nicht zu schnell – das sieht aus, als betrieben Sie eine Zentrifuge; nicht zu langsam, sonst schütteln Sie den armen Tropfen bloß durch. Und Wein trinkt man bitte nur gerührt, nicht geschüttelt!

Um den Wein in Rotation zu versetzen, reicht es, wenn Sie das Glas am Stiel anfassen und mit der Hand eine schwungvolle, kreisende Bewegung machen. Der Wein folgt dieser dann. Und um die Eigenrotation zu erhalten, reicht dann meist ein leichtes Schwenken aus dem Handgelenk. Fertig. Ganz ohne Formel. Cheers!

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[Bildnachweis: r.classen by Shutterstock.com]




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