Weinverschluss: Wie offener Wein frisch bleibt

Mit einem *Plopp* ist alles vorbei. Sobald der Wein einmal offen ist, beginnt er zu atmen – und das ist sein Tod.

Fachleute würden jedoch eher sagen: Der Wein oxidiert. Vor allem Rotwein ist diesbezüglich empfindlich und verliert schnell an Geschmack. Wer noch länger wartet, hat am Ende sogar Essig in der Flasche. Na dann, Prost!

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Offenen Wein frisch halten

Pinot Noir gehört diesbezüglich zu den Sensibelchen – er verdirbt besonders schnell an der Luft – vor allem Spätburgunder, die schon einige Jahre gelagert wurden. Bei manchen Weinen verändert sich der Geschmack gar binnen weniger Stunden.

Aber auch Grenache, Sangiovese, Zinfandel und Nebbiolo sind kleine Diven, sobald sie mit Sauerstoff in Berührung kommen. Und selbst bei robusteren Gewächsen gilt: Länger als eine Woche übersteht kein offener Wein – jedenfalls nicht ohne geschmackliche Einbußen.

Der beste Tipp, wie Sie einen offenen Wein frisch halten können, kann daher nur lauten:

Trinken Sie ihn binnen zwei Tagen aus!

Falls das trotzdem mal nicht möglich ist und Ihr offener Wein frisch bleiben soll, bleiben Ihnen zumindest noch diese fünf Alternativen und Methoden. Denn Wegschütten wäre einfach zu schade…

5 Tipps, wie offener Wein frisch bleibt

  • Korken.

    Der einfachste und zugleich billigste Weg, einen offenen Wein zu konservieren, ist den Korken wieder in die geöffnete Weinflasche zu stopfen. Natürlich nicht so tief wie vorher – nur damit die Flasche eben wieder dicht ist.

    Noch besser geht das bei dem immer populäreren Schraubverschluss sowie mit den modernen Glasstopfen. Einziger Haken: Je mehr Wein Sie schon ausgetrunken haben, desto mehr Luft steckt nun auch in der Flasche. Und mit der reagiert der Wein nunmal.

  • Kühlschrank.

    Wer gerne Weißwein trinkt, für den ist dieser Tipp sicher keine Überraschung: Verschluss wieder drauf und rein in den Kühlschrank mit der offenen Weinflasche. Wein in halbvollen Flaschen lässt sich so noch gut drei bis vier Tage länger halten. Noch besser geht das natürlich in einem speziellen Weinkühlschrank mit optimalen Temperaturzonen:

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    Aber auch mit Rotwein? Ja, durchaus. Die übliche Kühlschranktemperatur von 4 bis 7 Grad verzögert die Oxidation deutlich. So hält sich auch Rotwein vier bis sechs Tage lang frisch – je nachdem wie viel Wein noch in der Flasche steckt (siehe Liste unten). Vor dem Trinken sollten Sie ihm aber viel Zeit und Ruhe zum Aufwärmen gönnen (ein bis zwei Stunden). Und dann bitte wirklich austrinken. Zweimal macht der Rotwein den Kälteschock geschmacklich nicht mit.

  • Kleinere Flasche.

    Ein weiterer Trick ist, den restlichen Wein in eine saubere kleine Flasche umzufüllen – idealerweise mit Schraubverschluss. Doppelter Vorteil: Es bleibt weniger Luft in der Flasche und aufrecht gelagert ist die Oberfläche, die mit der Restluft reagieren kann, aufgrund des geringeren Durchmessers noch mal kleiner als in der normalen Flasche.

    Ich habe auch schon mal den Tipp gehört, den Wein in eine PET-Plastikflasche zu füllen, und diese solange zu quetschen, bis der Wein oben schon fast rausschwappt. Dann schnell Deckel drauf, und es ist praktisch keine Luft mehr in der Flasche. Offen gestanden, kann ich Wein aus Plastikflaschen nicht ernst nehmen und auch nicht genießen. Könnte aber klappen.

  • Vakuumpumpe.

    Nach demselben Prinzip funktionieren auch die zahlreichen Weinverschluss-Systeme, die es inzwischen auf dem Markt gibt – manche günstig, manche teuer, manche umstritten.

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    Bei sogenannten Wein Vakuumpumpen wird die Luft aus der Flasche gepumpt und letztere anschließend versiegelt. Die Methode ist aber nicht unumstritten: Manche argumentieren, es handele sich dabei nur um ein partielles Vakuum, der Wein würde darin immer noch weiter mit Sauerstoff reagieren, zudem schade der Unterdruck den Aromen.

  • Schutzgas.

    Andere Hersteller empfehlen wiederum ein spezielles Schutzgas (meist Argon) in die Flasche zu füllen, es reagiert nicht mit Wein, verdrängt aber die vorhandene Luft in der Flasche, weil es schwerer als Luft ist. Solche "Weinkonservierer" oder "Weinprotectoren" gibt es schon unter 50 Euro – wie etwa den Winaro Winesaver, den wir schon hier getestet haben.

Löffel in die Weinflasche?

Tipp-IconHartnäckig hält sich der Rat, ein (Silber-)Löffel in die Weinflasche gesteckt, mache den offenen Wein haltbarer. Vergessen Sie das – es ist ein typischer Weinmythos.

Unter anderem die niederländischen Forscher Geert Jan van Oldenborgh und Fernando Vos haben längst das Gegenteil bewiesen: Der Löffel bringt nichts. Im Sekt oder Champagner übrigens auch nicht.

Faustregeln für die Haltbarkeit von offenen Weinen

Rotwein

  • Flascheninhalt: 3/4 – 4 bis 6 Tage
  • Flascheninhalt: 1/2 – 3 bis 4 Tage
  • Flascheninhalt: 1/4 – 2 Tage

Roséwein

  • Flascheninhalt: 3/4 – 4 bis 6 Tage
  • Flascheninhalt: 1/2 – 3 Tage
  • Flascheninhalt: 1/3 – 1 bis 2 Tage

Weißwein

  • Flascheninhalt: 3/4 – 3 bis 5 Tage
  • Flascheninhalt: 1/2 – 2 bis 3 Tage
  • Flascheninhalt: 1/4 – 1 Tag

Tipp: Die Haltbarkeit des Weins hängt stets auch vom Alkoholgehalt (und den enthaltenen Tanninen) ab. Je mehr Alkohol der Wein besitzt, desto länger bleibt auch offener Wein frisch. Die obigen Angaben sind daher nur Durchschnittswerte und beziehen sich auf Weine mit rund 12 Volumenprozent Alkohol.

Lagerfehler: Was Sie NICHT machen sollten, um Wein zu konservieren

  • Lagern Sie offenen Wein nicht liegend.

    Dadurch vergrößern Sie nur die Oberfläche, die mit der Luft in der Flasche reagieren kann. Effekt: Der offene Wein altert und oxidiert schneller.

  • Setzen Sie offenen Wein nicht dem Licht aus.

    Tageslicht mag Wein schon beim normalen Lagern nicht, nach dem Öffnen beschleunigen Sie so aber den Verfall nur noch mehr. Also weg mit der offenen Flasche vom Fenster und vom Tages- beziehungsweise Kunstlicht!

  • Machen Sie es dem offenen Wein nicht zu warm.

    Was für die Lichtverhältnisse gilt, stimmt erst recht bei der Temperatur. Große Temperaturschwankungen mag Wein überhaupt nicht. Und je kühler sie die einmal geöffnete Weinflasche lagern, desto eher verlangsamen sie die chemischen Reaktionen. Eine längere Aufbewahrung bei über 20 Grad Celsius bekommt keinem offenen Wein.

  • Isolieren Sie den Wein von Duftstoffen.

    Wein ist nun mal eine Diva. Eine reaktionsfreudige dazu. Duftende Obstschalen, Gemüsekisten oder gar Lacke oder Heizöl in der Umgebung färben ganz schnell auf den (bis dahin) edlen Tropfen ab. Selbst Karton kann bei zu viel Feuchtigkeit im Raum geschmacklich abfärben. Selbst noch durch den Naturkorken hindurch. Halten Sie den offenen Wein daher möglichst von solchen ungewollten Geschmacks- und Duftquellen fern.

Aber wie schon eingangs erwähnt: Die beste Methode Wein zu konservieren, ist, ihn überhaupt nicht erst konservieren zu müssen. Cheers!

Wein-Verschlusskappen und ihr Design

Die meisten verkorkten Weine haben eine sogenannte Verschlusskappe. Oft ist diese aus Kunststoff (weil billiger), zum Teil aber auch aus dünnem Metall. Die meisten dürften diesem Flaschenbestandteil wenig Aufmerksamkeit schenken – allenfalls beim Öffnen der Weinflasche Dabei steckt in manchen reliefartigen Designs durchaus Poesie. Naja, oder sagen wir zumindest viel Liebe zum Detail.

Die einen Hersteller packen hier lediglich ihr Logo drauf. Andere entwickeln dafür ein ausgefallenes Emblem, ein Wappen, einen Schriftzug oder – simpel ausgedrückt – ein paar hübsche Schnörkel. Wir finden, das ist eigentlich viel zu schade, um es zu ignorieren. Also haben wir hier zum Abschluss dem besonderen Weinverschluss noch eine kleine Galerie gewidmet. Vielleicht haben Sie bei Ihrem offenen Wein ja auch mal ein Auge darauf…

Weinverschlusskappen-Kapseln-Sammlung

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[Bildnachweis: Marko Poplasen by Shutterstock.com]

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