7 hartnäckige Weinmythen – entzaubert

Der wohl größte Wein-Mythos ist: Roter Wein zu rotem Fleisch, weißer Wein zu weißem Fleisch. Den muss man allerdings nicht mehr entzaubern. Es dürfte sich rumgesprochen haben, dass…

  • jeder selber entscheiden kann, welchen Wein er wozu trinkt und
  • es zweitens nur darauf ankommt, dass die Aromen von Speis und Trank harmonieren.

Lassen Sie sich also von irgendwelchen Dogmatikern diesbezüglich bloß nicht ins Bockshorn jagen. Erlaubt ist, was schmeckt.

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Weinmythen: So ein Quatsch!

Tipp: Es sind nur Empfehlungen, keine Gesetze: Zu salzigen Speisen passen häufig Weine mit ausgeprägter Tanninstruktur; mit würzigen Speisen wiederum harmonieren oft fruchtige Weine mit nicht allzu viel Alkohol. Aber experimentieren Sie ruhig selbst ein wenig damit!

Überdies gibt es ein paar weitere Weinmythen und Aussagen, die ich leider schon oft gehört oder gelesen habe, die aber entweder bloß Halbwahrheiten sind oder schlicht Blödsinn. Mit allein sieben davon räumen wir heute mal auf:

  • Sobald die Flasche geöffnet ist, kann der Wein atmen.

    Technisch ist das nicht ganz falsch, insbesondere bei einigen (alten) Rotweinen. Aber wenn Sie wirklich wollen, dass der Wein atmet, also mit der Luft reagiert, sollten Sie ihn dekantieren. Einfach nur die Flasche zu öffnen bringt da wenig – die Oberfläche, die anschließend mit der Luft in Berührung kommt, ist einfach viel zu klein.

  • Weine werden mit dem Alter besser.

    Gewiss, das trifft auf einige Weine zu. Tatsache ist aber auch: Rund 90 Prozent der jährlich produzierten Weine sollten binnen drei und fünf Jahren getrunken werden. Danach werden sie nicht wirklich besser. Ob ein Wein längerfristig eingelagert werden kann, hängt vor allem von dessen Säuregehalt, den enthaltenen Tanninen und der Balance insgesamt ab. Als Faustregel (und die ist wirklich nur grob) können Sie sich aber merken: Weine unter 25 Euro sollten Sie jung trinken; Weine ab 40 Euro aufwärts könnten eventuell etwas für den Weinkeller sein.

  • Rotwein schmeckt nur bei Zimmertemperatur.

    Das Problem: Wie warm ist denn ihr Zimmer so – im Sommer oder im Winter? Eben. Die Faustregel stammt aus wilhelminischen Zeiten, da waren die Speisezimmer unbeheizt und eine durchschnittliche Temperatur von 16 bis 18 Grad. Das gilt zwar auch heute noch als ideale Temperatur für Rotwein, die Zimmertemperatur liegt heute aber meist darüber. Und ab 22 Grad schmeckt Rotwein eher alkoholisch und süß. Sie dürfen den Wein also ruhig vor dem Verzehr kurz in den Kühlschrank stellen. Der hält das aus.

  • Rotwein stammt aus roten Trauben, Weißwein aus grünen.

    Ein weiterer Klassiker – und falsch. Letztlich lassen sich aus den meisten roten Traubensorten Weißweine machen, denn der Saft ist meistens weiß. Die Rebsorten Dunkelfelder, Dornfelder, Cabernet Mitos und ein paar andere besitzen allerdings auch im Saft Rotanteile, sodass aus ihnen kein Weißwein gewonnen wird. Was dem Wein letztlich die Farbe gibt, sind die Traubenschalen. Entscheidend ist, wie lange der Saft mit diesen vergoren wird, oder wie man auch sagt: auf der Maische liegt. Dabei geben die Schalen dann nicht nur Farbstoffe, sondern auch bestimmte Aromen und Gerbstoffe, die sogenannten Tannine an den Wein ab. Einer der berühmtesten Schaumweine der Welt wird sogar überwiegend aus einer roten Trauben hergestellt: aus den roten Sorten Pinot noir und Pinot Meunier sowie dem weißen Chardonnay entsteht Champagner.

  • Weine mit Schraubverschlüssen sind Billigweine.

    Bullshit. Viele erstklassige Weine haben inzwischen von Kork auf Schraubverschluss umgestellt, weil der einfach günstiger ist, praktischer sowieso und bei Weinen, die eh jung getrunken werden (drei bis fünf Jahre), absolut ausreicht (siehe hierzu auch den lesenswerten Artikel von Schnutentunker Felix Bodmann "Meine erste Ersatzflasche"). Das Problem ist schlicht: Korkbäume brauchen lange, um sich nach dem Schälen zu regenerieren. Durch mehrere Waldbrände sind jedoch die Baumbestände in Portugal – einem der weltweiten Hauptproduzenten von Kork – stark dezimiert worden. Es schont also auch die Umwelt, wenn man Kork nur da einsetzt, wo er unbedingt nötig ist – siehe auch das folgende Video:

  • An den Kirchenfenstern erkennt man die Weinqualität.

    Nachdem man den Wein im Glas geschwenkt hat, lässt sich die sogenannte Viskosität, also die Zähflüssigkeit des Weins prüfen. Die zeigt sich, indem man das Glas nur bis zu einem Drittel füllt, leicht schräg hält und dann beobachtet, wie langsam der Wein am Glasrand zurückfließt. Die Formen, die sich dabei ergeben, erinnern an zum Teil an Kirchenfenster, daher der Name. Die deuten aber lediglich auf einen höheren Zucker- beziehungsweise Alkoholgehalt im Wein hin. Mit Qualität hat das – allein betrachtet – nichts zu tun.

  • Je teurer der Wein, desto besser schmeckt er.

    Totaler Unfug! Nur weil eine Flasche Rioja 20 Euro kostet, schmeckt der Wein darin nicht vier Mal so gut wie bei einer Pulle für fünf Euro. Andersrum wird eher ein Schuh draus: Teurer Wein ist oft überteuert. Und statt des Geschmacks zahlt man noch ein bisschen Markenname und das gute Gefühl mit, dass es schon immer ein bisschen teurer war, so zu tun, als habe man einen guten Geschmack. Snobs eben. Oder Etikettentrinker wie sie auch genannt werden. Um mit diesem Mythos endgültig aufzuräumen – dafür gibt es dieses Blog. Cheers!

Extra-Tipp: Wein auf Bier – stimmt’s?

Tipp-IconAuch das ist ein alter Mythos und Spruch: Wein auf Bier – das rat ich dir; Bier auf Wein – das lass sein! Völliger Quatsch! Das Sprichwort hat in Wahrheit einen historischen Hintergrund: Es stammt aus einer Zeit, in der sich einfache Menschen lediglich Bier leisten konnten. Wein dagegen war den Reichen vorbehalten. “Wein auf Bier” beschrieb daher den sozialen Aufstieg – ein guter Rat. Die Gegenrichtung (Bier auf Wein) hingegen beschrieb den Statusverlust. Nur deshalb wurde davon abgeraten, nicht wegen irgendwelcher Pseudokopfschmerzen.

[Bildnachweis: Andrey_Popov by Shutterstock.com]

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