Weinkeller zuhause: Wein lagern – aber richtig

Es ist das Leid des Weinliebhabers (des Weinbloggers aber auch): Binnen kurzer Zeit stapeln sich die Weinflaschen und man hat mehr Wein, als man trinken kann. Jedenfalls nicht auf die Schnelle – Wein will schließlich genossen werden! Wer die edlen Tropfen nicht verkommen lassen will, dem stellt sich dann die Frage: Wie lässt sich der Wein optimal lagern?

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Weinkeller Tipps

Gewiss, Tipps zur Weinlagerung gibt es inzwischen zuhauf. Die meisten fallen jedoch recht luxuriös aus: Nicht wenige Ratgeber empfehlen die Anschaffung teurer Weinkühlschränke, sogenannter Temperierschränke oder Klimaschränke, die gleich über mehrere Klimazonen verfügen. Zum Beispiel für…

  • Rotwein (13 bis 18 Grad Celsius)
  • Weißwein (7 bis 12 Grad Celsius) oder
  • Champagner (5 bis 7 Grad Celsius)

Hochwertige Weinkühlschränke verfügen sogar über einen Aktivkohlefilter, um die einströmende Luft permanent zu reinigen. So werden Umgebungsgerüche schon vorab herausgefiltert und können den Weingeschmack nicht beeinflussen.

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Eine mittelgroße Variante eines Klimaschranks mit 2 Klimazonen und Platz für zwölf Flaschen gibt es zum Beispiel bei Amazon schon ab rund 170 Euro.

Keine Frage, damit ist der Wein immer perfekt temperiert und sofort trinkfertig. Aber es ist eben auch purer Luxus und nicht für jeden Geldbeutel geeignet.

Wein im Kühlschrank?

Der typische Kühlschrank in der Küche ist zur Weinlagerung ungeeignet. Durch das häufige Öffnen gibt es hier zu viele Temperaturschwankungen – und die mag der Wein gar nicht.

Wein lagern: Worauf Sie bei der Weinlagerung achten sollten

Wohlgemerkt, wir reden hier nicht von Weinen, die Sie binnen drei bis 13 Wochen nach dem Kauf trinken. Für diese Weine brauchen Sie nicht viel Aufhebens machen. Solange Sie diese Weine nicht unbedingt im direkten Sonnenlicht aufbewahren, machen Sie auch nichts verkehrt. Wein ist dann doch robuster als viele denken.

Wenn es aber darum geht, wie Sie hochwertige Weine über einen längeren Zeitraum oder gar über mehrere Jahre lagern können, ohne dass sich der Geschmack zum Nachteil verändert oder daraus gar Essig wird, dann wird es etwas kompliziert. Aber nur etwas.

Es ist ja leider so: Guter Wein ist eine anspruchsvolle Zicke. Wer zum Lagern einen Weinkeller, ein Weinregal oder andere Orte nutzt, muss gleich auf mehrere Punkte achten – diese fünf mindestens:

  • Lagerhaltung
  • Temperatur
  • Luftfeuchtigkeit
  • Lichtverhältnisse
  • Belüftung

Wein stehend oder liegend lagern?

Mit der Lagerhaltung ist vor allem die liegende Lagerung gemeint. Weine, die Sie bald trinken, können Sie zu Hause einige Monate lang auch stehend lagern. Das gilt vor allem für Schraubverschlüsse, Kunststoffkorken oder Glasverschlüsse. Die können immer stehend aufbewahrt werden.

Bewahren Sie den Wein aber über Jahre auf, müssen Sie die Flaschen liegend lagern. Das ist nicht nur praktischer, sondern hat vor allem den Effekt, dass der Naturkorken so stets mit dem Wein in Berührung bleibt und nicht austrocknen kann. Ansonsten könnte er schrumpfen und sich zusammenziehen. Folge: Es gelangen Bakterien und ungewollte Aromastoffe aus der Umgebung in den Wein. Im schlimmsten Fall ist der dann hinüber.

Falls Sie die Flaschen gar jahrzehntelang aufbewahren wollen, empfehlen manche zusätzlich zum Weinverschluss die Versiegelung mit einem speziellen Siegellack. Der schützt den Naturkorken auch vor der sogenannten Korkmotte (PDF).

Faustregel

Wein mag vor allem gleichbleibende Temperaturen (etwa in Bodennähe); lieber feucht als zu trocken; lieber dunkel als zu hell und möglichst geruchsfrei, weil das auf den Wein einwirken kann (also bitte kein Weinregal in der Küche!).

Statt Weinkeller: Tipps wie Sie zuhause Wein lagern

Um Weine überhaupt über längere Zeit lagern zu können, kommt es freilich auch auf den Wein selbst an. Also auf seinen Alkohol- und Säuregehalt sowie den Zuckergehalt und die enthaltenen Tannine. Es lohnt sich nicht wirklich den Aufwand für billige Weine oder Weine aus Jahrgängen zu betreiben, die eher so lala waren.

Wenn Sie aber ein paar Kisten eines besonders guten Weins aus einem Spitzenjahrgang einlagern wollen, dann sollten Ihnen folgende Tipps helfen:

  • Lagerort

    Klar, je mehr Flaschen Sie einlagern wollen, desto größer der Platzbedarf. Das Beste ist natürlich ein Weinkeller, weil da zugleich die besten Verhältnisse hinsichtlich Temperatur, Licht und Feuchtigkeit herrschen. Perfekt: ein kleiner Naturstein- oder Gewölbekeller – aber wer hat den schon? Zur Not gehen aber auch das Schlafzimmer (weil es selten beheizt wird) und der Stauraum unterm Bett, der Wandschrank im Flur oder eine Nische unter der Treppe. Wichtig ist dann, dass diese Orte die nächsten Kriterien erfüllen.

  • Temperatur

    Wie schon erwähnt, liebt gelagerter Wein ein gleichmäßiges Klima und eine stete Temperierung. Als ideal gelten Temperaturen von zehn bis zwölf Grad Celsius, oft reicht aber auch schon ein Durchschnitt von konstanten 15 Grad. Nur häufige Schwankungen sind zu vermeiden.

  • Luftfeuchtigkeit

    Die relative Luftfeuchtigkeit an dem Ort, wo Sie Ihren Wein lagern, sollte 60 Prozent möglichst nicht unterschreiten. Das liegt vor allem am Korken, der nicht austrocknen darf. Als Naturprodukt sorgt er für ein stets ausgeglichenes Klima in der Flasche und hält Pilze fern. Deshalb sollten Flaschen meist auch liegend gelagert werden, so bleibt der Kork wenigstens von innen schön feucht. Sie können die Flaschen für ein bis zwei Jahre aber auch stehend lagern (gilt vor allem für Weine mit Schraub- oder Glasverschluss sowie mit Kunststoffkorken), dann allerdings ist eine ausreichende Luftfeuchtigkeit unerlässlich. Da Wohnräume meist zu trocken sind, sollten Sie noch ein paar sogenannte Verdampfer aufstellen – etwa aufgeschnittene Plastikflaschen oder Schüsseln mit Wasser zum Verdunsten.

  • Lichtverhältnisse

    Zu warm, zu hell – das verträgt gelagerter Wein gar nicht. Weder mag er Tageslicht, noch Kunstlicht, nicht mal Neonlicht. Wo immer Sie Ihren Rebsaft also abstellen – möglichst dunkel muss es schon sein. Zur Not helfen Sie eben nach: mit einer Decke über den Flaschen oder Verdunklungsfolie vor den Fenstern. Günstiger ist es, die Flaschen gleich im Karton oder der Holzkiste zu lassen.

  • Belüftung

    Sie denken, der Wein steckt doch in einer luftdichten Flasche, versiegelt durch Kork, Glas oder einen Schraubverschluss. Was soll da schon die Frischluft drum herum ausrichten? Sie denken falsch: Tatsächlich färben die Aromen der Umgebung mit der Zeit auf den Wein ab. So dicht ist eben kein Verschluss. Daher scheiden zur Weinlagerung etwa die Waschküche (Es sei denn, der Wein soll später frühlingsfrisch und nach Blumenwiese schmecken) und die Speisekammer (Sie mögen Rotwein mit Apfel-, Zwiebel- oder Kohlgeschmack?) kategorisch aus. Auch Modergeruch ist tödlich fürs Aroma. Deshalb, daher und darum: Auch wenn der Weinkeller feucht sein soll, sorgen Sie immer auch für genug Frischluftzufuhr und eleminieren Sie alle ungewollten Dufststoffe.

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Weinprofis empfehlen zudem den edlen Tropfen bei der Weinlagerung vor häufiger Erschütterung zu schützen. Der Grund: Der Bodensatz, der sich normalerweise bei jahrelanger Lagerung am Flaschenrand absetzt, wird so immer wieder aufgewirbelt. Das beeinflusst aber die Reifung des Weins negativ. Im Fachjargon spricht man auch von permanenter Depotzerüttung.

Nicht gut. Wer Wein lange lagern will, sollte ihm Ruhe geben. Es muss ja nicht die letzte Ruhe sein.

Eingelagerter Wein kann anders schmecken

Wein reift auch in der Flasche nach. Daher kann es vorkommen, dass ein eingelagerter Wein nach zwei Jahren anders schmeckt, als Sie ihn in Erinnerung haben (hoffentlich besser). Jedoch ist dieser Reifungsprozess abhängig von der Flaschengröße: In großen Flaschen reift Wein spürbar langsamer, unter anderem deshalb verwenden Weingüter auch große Fässer zum Einlagern. Bei besonders edlen Tropfen kann es daher ratsam sein, diese in Liter- oder gar Magnumflaschen anzuschaffen.

Welche Weine lassen sich am besten lagern?

Nachdem Sie sich jetzt einiges Weinwissen zur Weinlagerung angelesen haben, kommt nun ein wenig Ernüchterung. Tatsächlich ist Wein heute vor allem ein kurzlebiges Konsumgut. Das bedeutet: Die meisten angebotenen Weine im Handel, sind nicht allzu lange haltbar. Sie werden so ausgebaut, dass sie binnen weniger Wochen nach der Abfüllung schon gut trinkbar sind und sich dann im Schnitt zwei bis drei Jahre halten.

Laut Studien profitieren inzwischen allenfalls noch fünf bis zehn Prozent der Weine im Handel von einer längeren Lagerung.

Zu den Rebsorten, die sich für eine lange Lagerung eignen gehören:

  • Carbernet Sauvignon
  • Grüner Veltliner
  • Nebbiolo
  • Riesling
  • Sangiovese
  • Syrah
  • Tannat

Ansonsten hilft Ihnen auch diese Checkliste zur Lagerfähigkeit mancher Weine:

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Als Faustregel können Sie sich aber auch merken: Je mehr Tannin der Wein enthält, je höher der Alkoholgehalt und die Säure, desto besser und länger lässt sich der Wein lagern.

Die ideale Trinktemperatur

Wenn es dann darum geht, den Tropfen aus dem Weinlager zu holen und zu verkosten, sollten Sie für den maximalen Spaß im Glas natürlich auch die richtige Trinktemperatur wählen. Auch für die optimale Serviertemperatur gibt es ein paar Faustregeln, an denen Sie sich orientieren können:

  • Weißwein: 8 bis 10 Grad Celsius

    Leichte und junge Weißweine trinkt man am besten bei 8 bis 10 Grad Celsius. Dazu gehören Rebsorten wie Riesling, Grüner Veltiner, Sauvignon Blanc oder Pino Grigio. Sekt wird ebenfalls in dieser Temperatur serviert. Um die ideale Weintemperatur zu erreichen, bewahren Sie die Flasche für etwa drei bis fünf Stunden im Kühlschrank auf.

  • Rosé: 12 bis 14 Grad Celsius

    Kräftige Weißweine wie zum Beispiel der Chardonnay haben mit 12 bis 14 Grad Celsius die ideale Trinktemperatur. Auch Roséweine sind bei 12 bis 14 Grad Celsius optimal temperiert. Rosé wird zwar auch aus roten Trauben hergestellt, die Verarbeitung der Trauben erfolgt jedoch genau wie beim Weißwein.

  • Rotweine bis 14 Grad Celsius

    Für diese Weintemperatur eignen sich Rotweine wie beispielsweise Merlot oder Spätburgunder. Um die perfekte Trinktemperatur von 14 Grad Celsius zu erreichen, stellen Sie den Rotwein für etwa zwei Stunden in den Kühlschrank. Sie sollten die Flasche eine Stunde vor dem Servieren aus dem Kühlschrank nehmen, öffnen und atmen lassen. Danach sollte die perfekte Weintemperatur erreicht sein.

  • Rotweine von 16 bis 18 Grad Celsius

    Kräftige Rotweine wie Chianti, Bordeaux-Weine oder Cabernet Sauvignon werden etwas wärmer, bei 16 bis 18 Grad Celsius getrunken. Eine kurze Zeit im Kühlschrank oder einem kühlem Raum reicht aus, um die ideale Trinktemperatur zu erreichen. Sie erhalten so eine Weintemperatur, die ein paar Grad unter der normalen Zimmertemperatur liegt.

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[Bildnachweis: Dmitri Ma by Shutterstock.com]

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