Portwein: Daran lässt sich guter Portwein erkennen

Beitrag von Jochen // 27. Februar 2017 // 10:00

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Portwein: Daran lässt sich guter Portwein erkennen

Es gibt da eine alte Tradition: Zum Geburtstag seines Sohnes soll der Vater eine Flasche Portwein (auch Port genannt) desselben Jahrgangs kaufen und ihn 21 Jahre einlagern.

Dann, am 21. Geburtstag wird die Flasche am offenen Kamin von beiden geköpft: Erst wird der Flaschenhals mit einer glühenden Kaminzange erhitzt, dann wird ein Faden, er zuvor in kaltem Wasser getränkt wurde, darum gelegt. Weil das Glas den plötzlichen Temperatursturz nicht verträgt, springt es – aber nur kreisförmig und so, dass der Flaschenkopf mitsamt des längst mit der Flasche verwachsenen Korkens abgebrochen werden kann. Angeblich splitterfrei.

Anschließend leeren Vater und Sohn die Flasche Port und erzählen sich Geschichten aus dem Leben und den vergangenen 21 Lebensjahren… in vino veritas.

Die Idee, den Port jung zu kaufen, ist nicht verkehrt. Guter alter Portwein ist nicht nur ein Klassiker der Weinwelt und eine echte Weinspezialität. Er kann auch sündhaft teuer werden.

Die Geschichte des Portweins

Echter Portwein stammt eigentlich immer aus Portugal, meist aus dem Dourotal. Ende des 17. Jahrhunderts begannen Mönche in dem Tal damit, Portwein herzustellen. Namensgeber war allerdings nicht das Land, sondern die alte portugiesische Hafenstadt Porto, von wo aus der hochprozentige Tropfen seinen Siegeszug durch die Weltgeschichte nahm – von den Engländern bishin zu den Piraten der Karibik.

Die wichtigsten Rebsorten, aus denen (roter) Portwein gemacht wird sind:

  • Tinta Barroca
  • Touriga Francesca
  • Touriga Nacional
  • Tinta Roriz
  • Tinta Amarela
  • Tinto Cão

So wird Portwein gemacht: Die Herstellung des süßem Portweins ist kostenintensiv und aufwendig. Meist wird der nur zum Teil vergorene Wein mit 80-prozentigem Weinbrand verschnitten – oder wie andere sagen würden: aufgespritet. Der Alkohol killt die Hefebakterien, und die Gärung wird gestoppt. Dadurch bleibt aber auch genug Restsüße im Port, die diesen auch noch extrem haltbar macht. Über Jahrzehnte. Der Alkoholgehalt des trinkfertigen Portweins liegt zwischen 19 und 22 Volumenprozent.

Woran Sie guten Portwein erkennen

Portwein Qualität

Je nach Qualität und Jahrgang wird Port nach verschiedenen Verfahren ausgebaut, es entstehen unterschiedliche Reifegrade und Qualitätsstufen. Vintage Port gilt dabei als Endstufe – Spitze!

Dabei lagert allerdings jeder Portwein zunächst für mindestens zwei, maximal sechs Jahre in Weinfässern, in denen er wenig atmet und langsam reift. Nach zwei Jahren wird dann zum ersten Mal verkostet – und je nachdem, wie gut die Probe ausfällt, wird daraus ein großer Portwein (oder auch nicht). Als Faustregel können Sie sich merken: Je besser der Jahrgang, desto länger können und sollten Sie den Port lagern. Er wird dadurch nur noch besser. Überhaupt ist es beim Port wie beim Wein auch: Je länger er lagert, desto heller wird er.

Portwein wird allerdings auch nach seinen Farben oder seiner Lagerzeit im Holzfass unterschieden (was oft auf der Flasche vermerkt ist):

  • Ruby ist ein junger, fruchtiger Portwein und noch dunkel- bis rubinrot. Er kommt meist schon nach zwei bis drei Jahren im Fass in die Flasche und in den Handel. Geschmacklich harmoniert er am besten zu süßem Gebäck und mildem Käse.
  • Tawny ist bereits einige Jahre im Fass gereift, daher heller (bernsteinfarben) als Ruby Port und meist auch teurer. Dabei handelt es sich um einen Verschnitt aus mehreren Grundweinen, Lagen und Jahrgängen – aber lecker. Als Dessertwein eignet sich der Tawny mit seinem süß-nussigen Geschmack ideal zu Pasteten, Blauschimmelkäse oder Oliven.
  • Colheita reift zwar besonders lange im Fass und schmeckt daher sehr würzig, wird aber – anders als der Tawny – nicht mit verschiedenen Jahrgängen verschnitten. Auf der Flasche sind daher Abfülldatum und Jahrgang vermerkt. Ein toller Port übrigens zu Desserts und Dörrobst.

Weißer Portwein. Auch den gibt es, und er wird meist aus weißen Trauben gemacht. Der sogenannte White Port schmeckt weniger süß als roter, dafür eher fruchtig-leicht und frisch und wird im Gegensatz zum Roten gekühlt serviert. Manch weißer Portwein reift einige Zeit im Eichenholzfass. Dabei bekommt er eine goldgelbe Farbe und ein leicht nussiges Aroma.

Lange Zeit galten die Engländer und Holländer als die größten Portweinliebhaber, was sich immer noch an den Namen der renommiertesten Portweinhändler ablesen lässt. Inzwischen aber zählen die Franzosen mit rund einem Viertel der Nachfrage zu den wichtigsten Kunden. Zu den namhaftesten Portweinfirmen zählen…

  • Graham’s
  • Kopke
  • Niepoort
  • Fonseca
  • Cálem
  • Ferreira
  • Messias
  • Barros
  • Quinta do Noval
  • Sandeman
  • Taylor’s
  • Offley

Hierzulande ist Portwein eher ein Nischenprodukt. Schade eigentlich. Denn er ist ein formidabler Dessertwein, der exzellent zu Käse passt – insbesondere zu Blauschimmelkäse wie Gorgonzola, Roquefort oder Bergader Edelpilz.

Als Faustregeln können Sie sich merken:

  1. Zu besonders salzigen Käsesorten passen vor allem edelsüße Weine oder Weine mit mehr Säure (auch Port).
  2. Ist der Käse cremig, darf der Wein ebenfalls mehr Säure haben (Portwein passt dazu weniger).
  3. Hartkäse indes verträgt sich gut mit kräftigen Weinen, die viele Tannine haben.

Vorspeise-Rezept: Feigen mit Portwein

Feigen mit einem Kreuzschnitt einschneiden und aufbiegen. Ein Schnapsglas Portwein mit dem Saft einer Viertel Zitrone, einem halben Esslöffel Honig und frischem Thymian verrühren und über die Feigen gießen. Rund drei Stunden marinieren lassen. Anschließend Feigen einzeln in eine Cupcake-Form geben, etwas Ziegenkäse darüber geben sowie die restliche Marinade, danach kräftig pfeffern (frisch gemahlen aus der Mühle) und rund zehn Minuten im vorgeheizten Ofen bei 200 Grad Umluft backen. Am besten warm servieren!

Weiterführende Links und Infos zu Portweinen

Portwein-Tipp für Einsteiger

Portwein Ramos Pinto RP10Falls Sie bisher noch keine Erfahrungen mit Ports, Rubys oder Tawnys hatten, empfehlen wir Ihnen einen leckern Einsteiger-Portwein: den Ramos Pinto RP10. Zugegeben, mit seinem Preis von knapp 30 Euro gehört der RP10 nicht unbedingt zu den Schnäppchen. Aber wenn Sie schon mal einen Portwein ausprobieren wollen, dann sollten Sie vielleicht auch nicht gleich mit einer Enttäuschung loslegen.

[Bildnachweis: kiboka, Litvinenko.me by Shutterstock.com]




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