Grundstock: Unkomplizierte, aber komplexe Rotwein-Cuvée

Das Design der Flasche fällt direkt auf: geschmackvoll, einfach, anders, leicht gedrungen – typisch für eine eine sogenannte Rigetta Flasche. Verschlossen wurde sie mit Naturkorken und einer ziemlich stabilen Kapsel, die sich nach dem Etikett ausrichtet. Dazu ein leicht erhabener Aufdruck in Lila auf weißem Grund. Der schlichte Name: "Grundstock".

Das macht neugierig. Was verbirgt sich dahinter?

Grundstock-Rotwein-Cuvee

Trockener Rotwein aus Rheinhessen

Die Idee zu dem Grundstock-Wein kommt von Winzer Stefan Lutz. Er wollte einen Wein kreieren, der ganz seinem Geschmack entspricht: kräftig aber samtig-weich; trocken und trotzdem süffig; unkompliziert, aber alles andere als banal.

Wir testen, ob ihm das gelungen ist.

Stefan Lutz führt ein traditionelles Familienunternehmen in Bechtolsheim, Rheinhessen. 1933 wurde es gegründet und später vom Vater an den Sohn weitergegeben.

Die Lage ist verheißungsvoll: Rheinhessen ist das größte Weinanbaugebiet in Deutschland und gehört, anders als der Name einen vermuten lässt, zu Rheinland-Pfalz. Seine große, dreieckig anmutende Fläche liegt ungefähr zwischen den drei Städten Mainz, Worms und Bingen und wird im Norden und Osten vom Rhein begrenzt.

Im Norden ist das Weinbaugebiet abgeschirmt durch die Gebirgszüge Hunsrück und Taunus, im Süden öffnet es sich ins warme oberrheinhessische Tiefland.

Bechtolsheim liegt genau in der Mitte von Rheinhessen, am Fuße des Petersberges (246 Meter). Die Gegend ist geprägt von Sonnenblumen- und Getreidefeldern und natürlich vielen Weinbergen. Die primäre Bodenart ist Tonmergel Primosol. Das ist ein tiefgründiger, kalkreicher Tonboden, der wenig Speicher für das Bodenwasser hat, aber nährstoffreich ist.

Weine dieser Lage sind oft körperreich, haben eine moderate Säure und einen cremigen Schmelz. Sie sind wenig mineralisch und eher fruchtbetont.

Neben dem "Grundstock" produziert Stefan Lutz hier rund 40 verschiedene Rot- und Weißweine.

Grundstock ist ein veganer Cuvée-Rotwein

Der Grundstock-Rotwein ist eine Cuvée aus dem Jahre 2015 – genauer: eine Kombination aus den Rebsorten Spätburgunder, St. Laurent, Dornfelder und Portugieser.

Alle vier Weinsorten bringen starke Fruchtaromen mit:

  • Spätburgunder:

    Erdbeere, Kirschen, Brombeeren und schwarzen Johannisbeeren – meist mit einem vollmundigen und samtigen Geschmack.

  • St.Laurent:

    Wildkirsche, Holunder und Cassis mit sanften Tanninen.

  • Dornfelder:

    Brombeeren, Johannisbeeren, Himbeere und Holunder mit einer stärkeren Säure.

  • Portugieser:

    Himbeere, schwarze Johannisbeere, Sauerkirsche, Preiselbeere, Holunderblüte mit mäßigen Tanninen und einer milden Säure.

Mit seinem Grundstock verfolgt Winzer Lutz den aktuellen Trend zum veganem Wein. Das heißt: Er benutzt keine tierischen Produkte, um den Wein zu klären oder zu filtrieren.

Im traditionellen Weinausbau dagegen werden durchaus tierische Produkte verwendet:

  • Kasein hergestellt aus Milch, bindet Trübstoffe und wird zur Behandlung von Fehltönen, zum Beispiel dem Essigstich eingesetzt.
  • Albumin, ein Wirkstoff aus dem Hühnereiweiß, vermindert den Gerbstoffgehalt und macht den Wein milder.
  • Hausenblase, die getrocknete Schwimmblase eines Fisches, bindet gröbere Artikel im Wein.
  • Gelatine, aus tierischen Kollagen gewonnen, bindet auch gröbere Artikel im Wein.

Im veganen Weinausbau werden dagegen alternative Stoffe verwendet:

  • Aktivkohle beseitigt Farb-, Geruchs- und Geschmacksfehler.
  • Bentonit, eine natürliche Mineralerde, verhindert Eiweißtrübungen im Wein.
  • Vegetabile Gelatine, aus Algen gewonnen, bindet grobe Artikel im Wein.
  • Pflanzliche Proteine, gewonnen aus Weizen und Erbsen, klären den Wein.

Der Grundstock bereitet damit also auch Veganern womöglich große Gaumenfreuden.

Wie schmeckt der Grundstock Wein?

  • An der Nase entfaltet sich direkt ein ausgeprägter Geruch von dunklen Kirschen und schwarzen Beeren. Er erinnert ein bisschen an eine reichhaltige Kirschkonfitüre. Ganz feine Noten von Schokolade, Mokka und Vanille bereichern die Fruchtaromen.
  • Am Gaumen ist der Grundstock samtig weich. Die Aromen sind allerdings nicht ganz so intensiv, wie die Nase es vermuten ließ. Im Hintergrund eine dezente Säure.
  • Im Abgang bleibt der trockene Rotwein mild, Tannine merkt man keine.

Ein durchaus interessantes Geschmackserlebnis. Definitiv anders. Der Wein hebt sich wohltuend von den typischen, schweren Rotweinen ab, erscheint zuerst leicht, und entpuppt sich dann doch recht komplex an Nase und Gaumen. Und er ist extrem trinkbar: Ist die Flasche erst einmal geöffnet, leert sie sich schnell.

Ein idealer Rotwein für die Sommermonate.

Der Grundstock passt nach unserem Empfinden gut zu deftigen Fleischgerichten, Wild und herzhaftem Käse, ist aber auch wunderbar solo zu genießen.

Enttäuscht hat uns nur ein wenig der Preis: 12,90 Euro soll die Flasche kosten. Das ist unserem Empfinden nach und vergleichsweise zu viel. Deswegen gibt es auch nur 4 von 5 Billys.

Bezugsquelle:

  • Wein: Grundstock, Rotwein Cuvée
  • Händler: grundstock-wein.de
  • Flaschenpreis: 12,90 Euro
  • Bewertung: 4 Billys

Empfehlung der Weinbilly-Redaktion: 4 BILLYs

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