Escherndorf Scheurebe Kabinett 2012: Bekömmlicher Franke im Bocksbeutel

Was sind drei fränkische Schoppen? Genau: Ein Bocksbeutel! Also jene Flache-Flaschen-Flunder, die für Frankenweine seit mindestens 250 Jahren so typisch ist wie die Tatsache, dass der wo da eingeborener Franke ist, kein haddes "T" aussprechen dud. Trotzdem gehen in den Bocksbeutel freilich wie in die meisten anderen Flaschen auch ganze 0,75 Liter rein.

Abgeschaut ist die Flaschenform vermutlich bei den Feldflaschen – und zwar aus ganz pragmatischen Gründen: Eine plattgedrückte Flasche kann in unebenem Gelände nicht wegrollen.

Zugleich ist der Bocksbeutel ein – wenngleich auch nicht geschütztes – Markenzeichen: Rein kommt in Franken nur, was ein Qualitätswein ist mit einem Mindest-Mostgewicht von 72 Grad Oechsle und einer Mindestpunktzahl von 2,0 bei der amtlichen Qualitätsweinprüfung. Für die Weißweine vom Fuß des Escherndorfer Lump aber kein Problem – die kassieren regelmäßig Medaillen.

Escherndorf Scheurebe Kabinett 2012

Falsche Frankewein-Klischees

Nun genießen Frankenweine mitunter nicht immer den besten Ruf. Manche unken, die Weißen aus der Würzburger Gegend seien trockener als britischer Humor und müssten regelrecht aus der Flasche gelockt werden. Böse. Andere monieren die strenge Mineralik und das anstrengende Säurefinale. Dachte ich auch. Pustekuchen!

Beim 2012er Scheurebe Kabinett Bocksbeutel hat der Kellermeister viel Wert auf Qualität UND Bekömmlichkeit gelegt (und auf einen für junge Weine praktischen Schraubverschluss). Wunderbar reizvoll und sehr markant ist der präzise Duftteppich aus schwarzen Johannisbeeren und Grapefruit in der Nase. Klassisch für die nach Georg Scheu benannte und von ihm 1916 gezüchtete Rebsorte – eine Kreuzung aus Riesling und Bukettraube.

Am Gaumen entwickelt der Franke ebenfalls ein klarfruchtiges Bukett mit cremig integrierter Säure. Wenig Säure! Schwungvoll im Finale, kaum mineralisch, wirklich delikat. Hätte ich nicht erwartet, hat mich aber überzeugt – und Allmächd na! zum Spargel wor der fei a G’dichd!

Der Macher hinter dem trockenen Escherndorf Scheurebe Kabinett 2012 ist übrigens gleich eine 37-köpfige Winzergenossenschaft in Escherndorf beziehungsweise deren 1997 eingerichteten Bocksbeutel-Hof, wo man den Wein auch kaufen kann. Unser Urteil: lohnt sich.

Bezugsquelle:

  • Wein: Escherndorf Scheurebe Kabinett 2012
  • Händler: Bocksbeutel-Hof
  • Flaschenpreis: 6,50 Euro
  • Bewertung: 4 Billys
Empfehlung der Weinbilly-Redaktion: 4 BILLYs

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